München:Feuer frei fürs Grillen im Westpark

Abendstimmung im Westpark in München, 2013

Ganz entspannt genießen, gut essen: Den zahlreichen Grill-Liebhabern soll auch zukünftig im Westpark nichts im Wege stehen.

(Foto: Robert Haas)
  • Landschaftsarchitekt Peter Kluska, nach dessen Plänen der Westpark entstand, hat sich für ein generelles Grillverbot im Park ausgesprochen.
  • Der Bezirksausschuss stimmt gegen die Forderung.
  • Auch Radfahrer dürfen weiterhin durch den Park fahren.

Von Berthold Neff

Sonnenschein und 23 Grad Celsius: Gut möglich, dass schon an diesem Donnerstag im Westpark das beginnt, was vielen Menschen rund um die grüne Oase des Viertels Ärger bereitet: die Grillsaison. Der Landschaftsarchitekt Peter Kluska, nach dessen Plänen dieser Park entlang der Autobahn 1983 entstand, hat in den vergangenen Wochen mehrmals energisch ein Grillverbot gefordert.

Anderenfalls, so seine im Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark vorgetragene Warnung, werde der Park kippen und seine Funktion als Ruhepol für die Menschen des Viertels verlieren, sagte Kluska bei der jüngsten BA-Sitzung. Es sei nicht länger hinnehmbar, dass der Park, der einst modelliert wurde, um die Menschen vor dem Lärm und den Abgasen des Verkehrs zu schützen, nun selber unter einer "Glocke von Qualm und Fettgeruch" erstickt.

Keine Mehrheit für ein Grillverbot

Im Stadtviertel-Gremium konnte er für diese Forderung aber keine Mehrheit finden, für das Grillverbot stimmten lediglich drei Mitglieder der CSU-Fraktion. Den entsprechenden Antrag hatte Dieter Meyer vorgelegt, der Sprecher des Unterausschusses Parks und Grünanlagen. Er ist seit vielen Jahren mit den Problemen im Westpark vertraut und hat dazu auch eine Sondersitzung des Unterausschusses organisiert, bei der Westpark-Architekt Kluska seine Sorgen vortrug.

Meyer sagte nun in der BA-Sitzung, man bemühe sich seit 30 Jahren, "die Dinge in den Griff zu bekommen", aber stattdessen werde die Situation immer schlimmer. "Es muss klargemacht werden, dass Grillen keine Lebensnotwendigkeit ist", stellt Meyer in seiner auch schriftlich vorgelegten Stellungnahme fest. Meyer unterstrich, dass der Antrag für ein Grillverbot nicht von der CSU-Fraktion gestellt werde, "sondern von mir persönlich". Bei der Abstimmung stützten dann nur zwei seiner Fraktionskollegen seine Position. Der CSU-Fraktionssprecher Alfred Nagel, der bei der Abstimmung nicht im Sitzungssaal war, erinnerte daran, dass der Bezirksausschuss bereits drei Mal von der Stadt ein Grillverbot gefordert habe, was aber stets abgelehnt wurde.

Bei den anderen Fraktionen ist das Nein noch klarer. Der BA-Vorsitzende Günter Keller (SPD) hatte schon vorher klargestellt, dass er von einem Grillverbot nichts hält. Seine Fraktion setzte vor der Abstimmung noch eine kurze Beratungspause durch, sprach sich dann aber unisono gegen ein Verbot aus. Stefanie Krammer sagte, mit solchen Verboten erreiche man nur, "dass weiter Freiraum verloren geht". Sabrina Böcking (FDP) warnte ebenfalls vor einem Grillverbot: Dadurch würde das gesamte Gelände zu einem "Park für Rentner", wenn junge Menschen, "die meist in kleinen Stadtwohnungen leben", ihn nicht mehr wie gewohnt nutzen könnten.

Alle sollen sich im Park wohlfühlen

Hans Dusolt (Grüne) räumte ein, dass die Griller durchaus Probleme bereiten, aber auch seine Fraktion mochte sich zu einem Verbot nicht durchdringen. Sein Fraktionskollege Günther Sinapius schlug vor, den im Vorjahr begonnenen Weg fortzuführen, um die Konflikte zwischen Grillern und Nicht-Grillern beizulegen - und zwar durch die Arbeit der kommunalen Stelle "Allparteiliches Konfliktmanagement in München" (Akim). Das sei der bessere Weg als ein Grillverbot, um Konflikte zu entschärfen. Übereinstimmend beschloss man, das weitere Vorgehen im Unterausschuss zu besprechen und dabei auch Brigitte Gans von Akim einzuladen.

Außerdem wurde nochmals an die Stadt appelliert, keine weiteren Grillplätze im Westpark auszuweiten und durch verschärfte Kontrollen sicherzustellen, dass Grillen nur dort stattfindet, wo es auch erlaubt ist. An den Grillplätzen selbst will man besser, unter anderem mit Piktogrammen, über die Hausordnung im Park informieren und vor allem auch darauf hinweisen, dass jeder seinen Müll ordnungsgemäß in den Müllbehältern entsorgt oder aber nach Hause mitnimmt.

Zum Schluss wurde dann noch ein weiteres Verbot diskutiert, diesmal auf Anregung der Seniorenvertretung. Richard Stahnsdorf hatte ein Radverbot an Wochenenden und Feiertagen ins Spiel gebracht, stieß damit aber auf die einstimmige Ablehnung des Stadtviertel-Gremiums. Klargestellt wurde aber auch, dass die Radfahrer im Park letzten Endes fast immer auf Fußwegen unterwegs sind, sodass es dort immer darauf ankommt, sich rücksichtsvoll zu verhalten. Beschlossen wurde deshalb, durch Info-Tafeln und Aktionen alle Nutzer des Westparks zur gegenseitigen Rücksichtnahme aufzufordern.

© SZ vom 31.03.2016/vewo
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