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München:Was Clubbetreiber zur Situation in München sagen

Sie kennt, schätzt und begleitet die Veranstaltung seit Jahren. Die diesjährige sei von weniger Einsätzen gekennzeichnet gewesen als die vergangenen. "Im Verhältnis zum Vorjahr hatten wir sogar deutlich weniger Probleme mit überdimensioniertem Alkoholkonsum, offenbar wurde weniger vorgeglüht." Eine Zunahme von Vorfällen, in denen Mädchen bedrängt würden, kann sie nicht erkennen. "Prinzipiell ist diese Veranstaltung von Publikumsseite her ruhig und entspannt - ein Trend lässt sich daher in Bezug auf Übergriffe aller Art keinesfalls erkennen."

Alles Alltag also? Fragt man Münchner Clubbetreiber zur Anmache von Mädchen, kommen sie als erstes auf die Trinkerei. "Der Alkoholkonsum beim Ausgehen hat sich auf einem hohen Level eingependelt", sagt Jakob Faltenbacher von der Milchbar. Er beobachtet im Münchner Nachtleben ein gesteigertes Aggressionspotenzial, "aber das kann man keiner Nationalität zuordnen".

Milchbar-Türsteher Christian Zadro erzählt, dass der Club im Außenbereich und auf der Raucherterrasse ohnehin von Security kontrolliert werde, "und die Innenräume sind videoüberwacht". Betrunkene oder aggressive Männer versuche man schon an der Eingangstüre auszusortieren, sagt David Süß, Inhaber des Clubs Harry Klein. "Die Bar soll ein sicherer Ort zum Flirten sein", sagt er. Übergriffe könne man nie völlig vermeiden. "Aber wenn sich eine Frau gestört fühlt, dann geht der Mann. Und zwar ohne Anhörung."

Im Neuraum und in der Nachtgalerie, den etwas preisgünstigeren Clubs, schauen auch des öfteren junge Flüchtlinge vorbei. "Aber Probleme gab es noch nie", versichert Betreiber Dierk Beyer. Er findet, wenn viele Menschen auf kleinem Raum zusammenkämen, seien Konflikte manchmal nicht zu vermeiden. "Wir haben Abende, da kommt die Polizei dreimal vorbei, und dann wieder Abende, da passiert gar nichts." Insofern schätzt er die beiden bekannten Vorfälle bei der Rathaus-Party als nicht ungewöhnlich ein.

Für Constanze wird das kein Trost sein. Sie ging gegen Mitternacht nach Hause, obwohl die Party eigentlich eine "Supersache" hätte sein können.

© SZ vom 01.12.2016/mmo

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