Süddeutsche Zeitung

Hitze:Gibt es in München bald kostenlos Sonnencreme?

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Die ÖDP will, dass künftig etwa in Freibädern oder an Badeseen Gratis-Spender aufgestellt werden. In der Stadt gibt es diese Woche Temperaturen von mehr als 30 Grad - Mediziner und das Rote Kreuz mahnen zur Vorsicht.

Von Heiner Effern

Die Münchnerinnen und Münchner könnten an öffentlichen Badeplätzen bald kostenlos Sonnencreme erhalten. Einen entsprechenden Antrag hat die Stadtrats-Fraktion der ÖDP und München Liste am Montag gestellt. "So schön der Sommer in München ist, so gefährlich kann die Sonne für unsere Haut sein. Daher ist es wichtig, regelmäßig Sonnencreme zu verwenden, um Hautkrebs und anderen Krankheiten vorzubeugen", sagte Fraktionschef Tobias Ruff. Als Vorbild für die Initiative dienten die Niederlande, die seit einigen Tagen kostenlosen Sonnenschutz anbieten. Im Stadtrat zeichnet sich für den Vorstoß eine breite Mehrheit ab, auch wenn noch finanzielle Fragen zu klären sind.

Die Rathauskoalition hält Gratis-Sonnencreme an öffentlichen Badeplätzen "grundsätzliche für eine gute Idee". So drückt es SPD-Stadtrat Klaus Peter Rupp aus. Seine Fraktion werde den Vorstoß im Stadtrat mittragen, erklärte er. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Mona Fuchs äußerte sich ebenfalls positiv. "Das kostenlose Angebot von Sonnencreme in den Niederlanden ist sicher ein sinnvoller Beitrag zur Anpassung an die größere Häufung von Hitzewellen in Europa und zur Prävention von Hautkrebs. Das sollte man sich in Deutschland auch überlegen", sagte sie. Allerdings sieht sie noch Vorbehalte bei der Bezahlung. "Eine Großstadt wie München muss sich allerdings auch mit der Frage der Finanzierung beschäftigen - da sehe ich nicht nur die Stadt in der Verantwortung."

Die ÖDP sieht das Problem auch, will aber erst mal möglichst schnell den kostenlosen Service anbieten. "An hoch frequentierten Plätzen in München (zum Beispiel städtische Freibäder oder Badeseen) sollen möglichst noch diesen Sommer Sonnencreme-Spender nach niederländischem Vorbild aufgestellt werden", heißt es im Antrag. Sollten diese wie im Nachbarland in der ersten Saison gut genutzt werden, "soll Kontakt zu Krankenkassen und dem bayerischen Gesundheitsministerium aufgenommen werden, um die künftige Finanzierung zu klären." Der Fraktionsvorsitzende Ruff glaubt, dass wieder nach dem Vorbild der Niederlande für die Sonnencreme die Desinfektionsmittel-Spender aus der Corona-Pandemie verwendet werden könnten. "Daher muss nicht unbedingt in teure Infrastruktur investiert werden."

Die CSU würde ungeachtet dessen den Vorstoß der ÖDP sogar noch erweitern. "Sonnencreme-Spender wären nicht nur an Freibädern und Badeseen sinnvoll, sondern auch an Kitas und Schulen", sagte Stadträtin Alexandra Gaßmann. Für Kinder sei der Schutz vor Sonneneinstrahlung "besonders wichtig, um gesundheitlichen Belastungen vorzubeugen."

Die Initiative wird auch bei Ärzten und Kliniken auf Wohlwollen stoßen. Dieser Schluss lässt sich aus einer Mitteilung der städtischen München Klinik ziehen, die ebenfalls am Montag vor der intensiven UV-Strahlung warnte. "Eine gesunde Bräune gibt es nicht wirklich. Dass die Haut braun wird, ist ein reiner Schutzmechanismus. Und noch nicht mal ein besonders effektiver: Körpereigene Bräune hat höchstens einen Lichtschutzfaktor von vier bis sechs", erklärte Daniela Hartmann, Leitende Oberärztin der Hautklinik in der Thalkirchner Straße. Sich zu lange in die Sonne zu legen und das eventuell nicht ausreichend geschützt, sei "auf Dauer gefährlich". Die Menschen sollten "ausreichenden Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor immer einer gebräunten Haut vorziehen".

Das Bayerische Rote Kreuz appelliert ebenfalls wegen der zu erwarteten Temperaturen von deutlich mehr als 30 Grad in dieser Woche zur Vorsicht. "Halten Sie sich nicht in der prallen Sonne auf und tragen Sie draußen stets eine Kopfbedeckung", heißt es in einer Mitteilung. Und weiter: "Vermeiden Sie körperliche Anstrengung unter Sonneneinstrahlung." Das sieht auch Brigitte Buchwald-Lancaster, Chefärztin für Altersmedizin in der München Klinik Neuperlach, so. Gerade auch Senioren sollten vorsichtig sein und darauf achten, ausreichend zu trinken, erklärte sie. Zwei bis drei Liter am Tag wären an Hitzetagen aber für alle gut.

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