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Goethe-Institut:Einer unter Vielen

Chefzimmer. Johannes Ebert, Generalsekretär vom Goethe-Institut, Oskar-von-Miller-Ring 18

Johannes Ebert bezeichnet sich selbst als extrovertiert.

(Foto: Florian Peljak)

Als Generalsekretär des Goethe-Instituts ist Johannes Ebert die meiste Zeit in der Welt unterwegs. In der Münchner Zentrale sitzt er im Großraumbüro. Für vertrauliche Gespräche nutzt er eine schalldichte Telefonkabine.

Ein Großraumbüro, mehrere Tischreihen, ein paar Pflanzen und Sessel, große Bildschirme, und mitten drin sitzt der Chef. Das ist die Vorstandsetage des Goethe-Instituts. Wenn Johannes Ebert, der Generalsekretär, irgendwo in der Welt unterwegs ist, und das kommt an zwei von drei Tagen vor, sitzt jemand anderes auf seinem Stuhl. Neben ihm ist der Platz der studentischen Hilfskraft. Willkommen in der neuen Arbeitswelt.

16 Menschen arbeiten in der Vorstandsetage der Goethe-Zentrale, an 13 Schreibtischen - es sind ja nie alle gleichzeitig da. Sie entwerfen die Strategien für den kulturellen Auftrag, den Goethe-Institute in 98 Ländern der Welt erfüllen. Gegenüber von Ebert sitzt Rainer Pollack, der kaufmännische Direktor, eine Reihe weiter sein persönlicher Referent, auf den weiteren Plätzen hochrangige Abteilungsleiter. Anspruch auf einen persönlichen Schreibtisch hat nur der Chef, "das Privileg habe ich mir herausgenommen", sagt Ebert und lacht. Die anderen suchen sich jeden Morgen einen freien Platz und stöpseln ihr Laptop dort an. Eberts Tisch ist allerdings genauso klein wie alle anderen. Nirgends ist zu erkennen, dass dies der Chefplatz ist.

Münchner Chefzimmer

Die SZ-Serie "Münchner Chefzimmer" wirft einen Blick hinter meist verschlossene Türen: Wo und wie arbeiten eigentlich die Mächtigen und Wichtigen in der Stadt? Alle Folgen finden Sie hier.

Es ist ruhig im Raum, wer mit Kollegen spricht oder telefoniert, tut dies mit gedämpfter Stimme. "Rücksichtnahme ist natürlich wichtig in so einer Umgebung", sagt Ebert. Auf der Oberkante vieler Bildschirme stehen ein roter und ein grüner Kegel. Damit kann man signalisieren: "Bin ansprechbar" oder "bin nicht ansprechbar". Wenn er einen längeren Text schreiben muss oder für Teambesprechungen sucht Ebert einen Gemeinschaftsraum, neudeutsch "Community Room" auf.

Zum Telefonieren gibt es Kopfhörer oder eine kleine Glaskabine am Ende des Raums. Zwei Sitzplätze, eine schmale Holztischplatte, ein Bildschirm an der Wand. "Ich mag diesen Platz mittlerweile", sagt Ebert, zwängt sich in die Kabine und steckt sein Laptop an das bereitliegende Kabel. Er kann sich auf diese Weise per Skype mit jedem beliebigen Mitarbeiter auf der Welt verbinden, auch mit mehreren gleichzeitig. "Funktioniert einwandfrei." Die Kabine ist schallgedämpft, man kann dort vertrauliche Gespräche führen. Gesehen wird man durch die Glastür aber schon. Und wenn man sich zu zweit gegenüber sitzt, geht man fast auf Tuchfühlung.

Im Sommer ist das Goethe-Institut in das ehemalige Siemens-Gebäude am Oskar-von-Miller-Ring eingezogen. Die alte Zentrale in der Dachauerstraße muss generalsaniert werden. Dort hatte Johannes Ebert ein repräsentatives 35-Quadratmeter-Büro. "Die Nachricht vom Umzug war für uns alle zuerst ein Schock", sagt er, doch dann hätten sie die Chancen gesehen: die Nähe zur Stadtmitte, das helle, funktionale Gebäude und neue Kommunikationsstrukturen. Weil das Haus deutlich kleiner ist, mussten aber auch alle 470 Mitarbeiter zusammenrücken - "natürlich kamen da bei manchen Ängste auf. Deshalb wollte ich als Chef ein Signal setzen."

Ebert findet die neue Arbeitsumgebung "super". Man begegne sich viel öfter als im alten Haus, die Kommunikation habe sich verbessert, sagt er. Dazu trägt die Architektur bei, das fünfstöckige Gebäude, von Hans Maurer in den Fünfzigerjahren entworfen, steht unter Denkmalschutz. Es ist ein Klassiker moderner Büroarchitektur, alle Räume sind um einen lichten Innenhof gruppiert, große Fenster sorgen für Transparenz.

Johannes Ebert, 55, ist die meiste Zeit unterwegs. Gestern USA, morgen Kamerun, jeden Tag neue Themen, andere Gesprächspartner. In den USA haben sie gerade ein Jahresprojekt abgeschlossen, unter dem euphemistischen Hashtag #wunderbartogether veranstalteten sie Aktionen zum besseren Verständnis von Deutschen und Amerikanern. Wenn in der Politik Mauern hoch gezogen würden, könne die Kultur immer noch Brücken bauen, sagt Ebert.

Auf seinem Schreibtisch liegt ein Buch des nigerianischen Nobelpreisträgers Wole Soyinka: "The Burden of Memory, the Muse of Forgiveness". Es geht darin um die Versöhnung von Afrika und Europa nach Sklaverei und Kolonialismus. Ebert hat es in Vorbereitung seiner nächsten Reise noch einmal gelesen. Denn das Verhältnis zu Afrika ist derzeit ein großes Thema, auch fürs Goethe-Institut. Sechs Kolonien hatte das deutsche Reich, es geht um Raubkunst, Erinnerungskultur, neue Formen des Austauschs. In Kamerun will Ebert hören, was zeitgenössische Künstler dazu zu sagen haben. "Wir lernen ja ständig dazu, das ist das Schöne an unserer Arbeit."

Goethe-Institut

Das Goethe-Institut wurde 1951 gegründet, um ausländische Deutschlehrer auszubilden. Mit der Zeit kamen immer mehr kulturelle Aufgaben dazu. Heute fördert das Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland mit 157 Instituten in 98 Ländern die Kenntnis der deutschen Sprache, pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit, vermittelt ein aktuelles Deutschlandbild und stärkt nicht zuletzt die Zivilgesellschaften in Ländern, in denen Meinungsfreiheit bedroht ist. Gewählter Präsident ist Klaus-Dieter Lehmann. Das Präsidium ist ein Ehrenamt, es kontrolliert den Vorstand und repräsentiert das Institut bei offiziellen Anlässen. Generalsekretär Johannes Ebert entwickelt zusammen mit dem Kaufmännischen Direktor und den Regionalleitern strategische Konzepte. Der studierte Orientalist ist seit 2012 im Amt, er ist mit einer Amerikanerin verheiratet und hat drei Kinder. mse

Wenn Ebert in Berlin ist, stellt er dem Außenminister oder den Abgeordneten des Bundestags neue Projekte vor. Er erklärt dann zum Beispiel, wie Goethe-Institute zu Refugien der Freiheit und Demokratie werden, in Ländern, in denen Menschenrechte bedroht sind. Aber auch Deutsch als Fremdsprache ist immer mehr gefragt. 250 000 Menschen haben im vergangenen Jahr in ihren Heimatländern Deutsch gelernt, um hierzulande zu studieren oder zu arbeiten, als Krankenpfleger, zum Beispiel. Die Qualifikation von Menschen, sei es in Vietnam, Ägypten oder Mexiko, für den deutschen Arbeitsmarkt, werde immer wichtiger, sagt Ebert.

Ebert verbringt viel Zeit im Flugzeug, in München fährt er am liebsten Fahrrad. Auf dem Rollcontainer neben seinem Platz liegt der Helm. Sonst sucht man vergeblich nach Privatem auf seinem Tisch. Zuhause mag er gerne Grünpflanzen, sagt der Chef noch, im Büro eigentlich nicht. "Aber man muss halt Kompromisse machen." Jetzt steht in jeder Tischreihe eine mannshohe Pflanze.

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