Schick sieht er aus, der Herr Bartels, elegant und gehoben, mit seinen dunklen Wänden und edelstählernen Bartischen. Für einen kurzen Moment kommt man sich fast zu leger gekleidet vor, wenn man vor ihm steht. Abgehoben ist er aber nicht, und eine Anzug-Cocktailkleid-Montur braucht es hier auch nicht. In dem atmosphärischen kleinen Raum in der Blumenstraße, angeleuchtet vom warmen Licht hinter dem Bartresen, tummeln sich, so macht es den Anschein, einfach Menschen, die Lust haben auf gute Drinks.
Der Name Bartels ist in der Münchner Barszene kein unbekannter: Seit 2016 stadtbekannt ist die Frau Bartels, eine Bar nur zwei Straßen entfernt. Im November vergangenen Jahres eröffneten ihre Inhaber Lion Wagner und Maximilian Thurnhuber dann Herr Bartels, ihre zweite Bar und mittlerweile vierte gastronomische Location.
„Wir wollten eine etwas reifere, ältere Variante, die auch zu uns passt: Frau Bartels hab ich mit Mitte 20 aufgemacht, den Herrn Bartels jetzt mit Mitte 30“, sagt Wagner. Und tatsächlich: Schon allein durch die kleinere Fläche ist das Herr Bartels ein wenig exklusiver. Der Einrichtungsstil ist moderner und etwas weniger alternativ. Als Kontrast dienen die Kreidezeichnungen an der Wand.
Eine Bar wie jetzt das Herr Bartels sei schon länger der Plan gewesen, beim Umbau der Fläche in der Blumenstraße hätten sie dann, so Wagner schnell gemerkt: Das hier ist der Frau Bartels ebenbürtig, auch wenn der Verwandtschaftsgrad ungeklärt bleibt.
Auf der Getränkekarte sind es insbesondere die Cocktail-Kreationen, die neugierig machen. Ein Highlight: der süß-sauer-scharfe Clarified Margarita (12,50 Euro), der im Vergleich zur klassischen Variante fast durchsichtig und etwas milder im Geschmack ist. Statt des Salzrands ist das Glas in Tajin, ein Chili-Limetten-Gewürz aus Mexiko, gedippt. Noch ein Klassiker, den sie im Herr Bartels neu interpretieren: den Martini. In der Variation mit Matcha (14 Euro) schmeckt der erst cremig, fast wie ein Milchshake, im Abgang kommt dann der vanillige Wodka durch.


Herr Bartels bietet aber auch weniger Außergewöhnliches und dabei doch nicht weniger Leckeres: diverse Spritz-Kreationen, teilweise mit hausgemachtem Sirup, Longdrinks, eine Auswahl an Weinen und: Bier. „Mir war es wichtig, dass man in einer Bar, in der es gute Cocktails gibt, auch geiles Bier bekommt. Die Kombi gibt es sonst selten“, so Wagner. Und ist auch frisch gezapftes Augustiner im Angebot im – auch das war ihm wichtig – eisgekühlten Glas (0,2l für 2,90, 0,4l für 3,90 Euro).
Ob es riskant sein könnte, die zweite Bar nur fünf Minuten Fußweg von der ersten zu eröffnen? Auch die Inhaber haben darüber nachgedacht – und dann festgestellt: Das Gegenteil ist der Fall. Die beiden Bars ergänzen sich. Wenn es bei der Frau Bartels schon voll ist, könne man jetzt nämlich sagen: „Schaut mal ums Eck, vielleicht ist da noch Platz.“ Wobei man sagen muss: Selbst an einem Donnerstagabend ist das Herr Bartels schon gut besucht. Reservierungen sind möglich, am Wochenende aber nur bis 20 Uhr, und einige Stehtische bleiben immer frei für Walk-ins. Angesichts dessen ist es wohl kein Wunder, dass Wagner und sein Geschäftspartner bereits über weiteren Zuwachs für die Familie Bartels nachdenken. Dann aber wohl eher in einem anderen Stadtviertel.
Herr Bartels, Blumenstraße 21a, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 18 bis 1 Uhr, Freitag und Samstag 18 bis 2 Uhr

