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Gleichheit der Geschlechter:Eine To-do-Liste für mehr Gerechtigkeit

Frauenparkplätze

In den KVR-Tiefgaragen sollen neue Frauenparkplätze entstehen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Mit dem Unterzeichnen der Europäischen Charta für Gleichstellung bekannte sich die Stadt vor knapp drei Jahren zur Gleichstellung von Frauen und Männern.
  • Ein Aktionsplan mit 67 konkreten Maßnahmen soll nun die Gleichstellung von Frauen und Mädchen fördern.
  • Die Punkte sollen bis spätestens Ende 2021 umgesetzt werden. Eine Vielzahl an Maßnahmen zielt darauf ab, Benachteiligungen abzubauen.

Bei der Münchner Müllabfuhr arbeiten kaum Frauen. Vier sind es, um genau zu sein, von insgesamt 500 Mitarbeitern, die den Müll Münchens einsammeln. Den Räumlichkeiten des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWM) fehlt es in manchen Fällen gar an der richtigen Ausstattung für Müllfrauen: In der Außenstelle Betriebshof Ost in Bogenhausen etwa gibt es weder Duschen noch Umkleiden für sie. In diesem Gebiet konnte folglich noch kein weibliches Personal eingesetzt werden.

Doch das soll sich ändern - und zwar bis Ende 2021. Die Errichtung von Duschen und Umkleiden für Müllfrauen in betroffenen Außenstellen des AWM ist eine von 67 Maßnahmen, die die Stadt München im Aktionsplan für Gleichstellung festgelegt hat. Als Erste Werkleiterin - und somit selbst als Frau an der Spitze eines männerdominierten Unternehmens - begrüßt Kristina Frank (CSU) dieses Vorhaben. Der AWM wolle Frauen angemessene Arbeitsbedingungen bieten und "für die Zukunft Voraussetzungen schaffen, damit Frauen hier gerne und gleichberechtigt mit den männlichen Kollegen arbeiten können", sagt die OB-Kandidatin. Optimierte Rahmenbedingen würden den AWM zu einem "attraktiven Arbeitgeber für alle Geschlechter" machen.

Frauenrechte und Gleichberechtigung "Die Kämpfe sind immer hart gewesen"

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Seit 34 Jahren setzt sich die Gleichstellungsstelle der Stadt für die Rechte von Frauen ein. Manche Politiker hielten das 1985 für reine Geldverschwendung - eine Fehleinschätzung.   Von Kathrin Aldenhoff

München hat eine Art Versprechen abgegeben: Mit dem Unterzeichnen der Europäischen Charta für Gleichstellung bekannte sich die Landeshauptstadt vor knapp drei Jahren zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Der Aktionsplan, der daraufhin von der Gleichstellungsstelle erarbeitet wurde, soll nun dafür sorgen, dass die Versprechen nicht brechen. Duschen für Müllfrauen sind da erst der Anfang: So soll etwa mehr für die Vorbeugung von Gewalt an Frauen getan werden, politische Teilhabe von Frauen will man stärker fördern, Geschlechterstereotype überdenken. Manche Maßnahmen richten sich gezielt an Mädchen und Frauen, andere sogar an Männer - diese sollen beispielsweise in Seminaren Rollenbilder reflektieren.

Städtische Müllabfuhr in München, 2017

Bei der männerdominierten Müllabführ soll es mehr Frauen geben.

(Foto: Stephan Rumpf)

Handlungsbedarf gebe es "überall", sagt Uschi Sorg von der Gleichstellungsstelle für Frauen, die den Aktionsplan als Koordinatorin erarbeitet hat: "Die Maßnahmen sind kleine und große Puzzlesteine, die dazu beitragen, der Gleichstellung näherzukommen".

Ähnlich einer To-do-Liste werden die 67 Maßnahmen im Aktionsplan aufgereiht, für jede einzelne hat die Gleichstellungsstelle ein konkretes Ziel formuliert. Spätestens Ende 2021 will man alle Maßnahmen in die Tat umgesetzt sehen. 2022 wird dann überprüft, ob das auch geschehen ist. Im Idealfall bedeutet das: Einen Punkt nach dem anderen abhaken.

Eine Vielzahl an Maßnahmen des Aktionsplans zielt darauf ab, Benachteiligungen abzubauen. So sieht der Plan etwa die Errichtung eines Lesbenzentrums als Anlauf- und Beratungsstelle für homosexuelle Frauen vor. Ein solches gibt es in München bisher nicht - ein Zentrum für Schwule hingegen existiert bereits. Weitere Maßnahmen sollen Geschlechterstereotype abbauen. In einem Projekt an der Städtischen Berufsschule Boki betreiben Schüler zum Beispiel eine Schmiede- und Holzbearbeitungsstation, auch andere Schulen können diese nutzen, die Aktion trägt den Titel "Handwerkliches Empowerment für Mädchen und junge Frauen". Langfristig soll damit erreicht werden, dass sich junge Frauen in handwerklicher Hinsicht mehr zutrauen und folglich auch verstärkt den Weg eines handwerklichen oder technischen Berufes einschlagen.

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Mädchen und junge Frauen sollen in Workshops stärker dazu ermutigt werden, einen technischen oder handwerklichen Beruf auszuüben.

(Foto: imago images)

Denn Mädchen und junge Frauen entscheiden sich nach wie vor tendenziell eher für soziale anstatt technische Berufe, obwohl letztere in vielen Fällen besser bezahlt sind und mehr Karrieremöglichkeiten bieten. Das zu ändern, ist auch das Ziel einer weiteren Maßnahme: In Form von speziellen Praktika soll Schülerinnen die Möglichkeit gegeben werden, technische Arbeitsbereiche kennenzulernen und so ein Interesse zu entwickeln. Beim städtischen Eigenbetrieb "it@M" sollen dafür ab sofort fünf Prozent der Praktikumsplätze zur Verfügung gestellt werden.