Obergiesing-Fasangarten:Konkurrenz am Kirchplatz

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Obergiesing-Fasangarten: Eine Bürgerinitiative fordert, den Verkehr am Giesinger Berg in den Untergrund zu verlegen, um Platz für einen öffentlicher Raum zu schaffen.

Eine Bürgerinitiative fordert, den Verkehr am Giesinger Berg in den Untergrund zu verlegen, um Platz für einen öffentlicher Raum zu schaffen.

(Foto: Robert Haas)

Der Giesinger Berg ist ein Dauerbrenner bei den Anwohnern. In der Bürgerversammlung wird klar, dass es derzeit entgegengesetzte Pläne gibt.

Von Ilona Gerdom

"Ein bisschen manegenartig" sieht es bei der Bürgerversammlung Obergiesing-Fasangarten aus, findet Leiterin Evelyne Menges (CSU). Die Stadträtin steht im Anton-Fingerle-Zentrum auf der Bühne. Hinter ihr dicke Stoffvorhänge, vor ihr sitzen kreisförmig angeordnet die Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils. Auch wenn es an Aufführungen im Hause Krone erinnere, betont Menges: "Es ist kein Zirkus hier." Statt Clowns gibt es Anträge, statt Unterhaltung sind die Kernthemen des Abends Verkehr und Klima.

Mit einem Dauerbrenner geht es los: Erwin Glas von der Bürgerinitiative (BI) "Kirchplatz Giesing" wirbt um das gleichnamige Projekt. Die Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, Fußgängerinnen und Radfahrern die Querung der viel befahrenen Kreuzung Giesinger Berg, Icho-, Silberhorn- und Martin-Luther-Straße nicht nur leichter zu gestalten, sie wollen den Ort auch zu einem "shared space" machen, zu einem "gemeinsamen Raum".

"Den Verkehr können wir auch nicht wegbeamen", gibt Glas zu. Was aber ginge, wäre: "die Situation umdrehen". Die Autos sollten künftig unterirdisch fahren, oben entstünde so ein Platz zum Beispiel für Veranstaltungen. Die Initiative fordert eine Machbarkeitsstudie sowie eine Aufnahme des Projekts in die Internationale Bauausstellung 2022. Diese könnte man als "Transportmittel" für Finanzierung und schnellere Umsetzung nutzen. Die rund 60 Anwesenden sehen das ähnlich und stimmen den Anträgen zu.

Neu ist das Thema nicht, im Stadtrat ist es bereits angekommen. Darauf verweist auch Andrzej Michalski, Vertreter des Mobilitätsreferats. Geprüft werde derzeit ein Antrag der FDP/Bayernpartei. Aber es ist verzwickt, denn aktuell laufen Planungen für eine Fußgänger- und Fahrradbrücke. Hinzu kommen Veränderungen für Radlerinnen und Fußgänger auf Basis des Radentscheids. Die Idee für einen Giesinger Kirchplatz stehe dazu "in Konkurrenz", so Michalski. Bisher gäbe es "referatsintern noch keine Entscheidung".

Die Obergiesinger fürchten um die Frischluftschneise im Hachinger Tal

Was die Bürgerinnen und Bürger ebenfalls bewegt, sind die Pläne der Versicherungskammer Bayern für ihr Bürogebäude an der Deisenhofener Straße. Das aus den 1970er-Jahren stammende Haus soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Mehrere Anträge machen deutlich, dass man sich im Viertel mehr Beteiligung wünscht. Bezirksausschussvorsitzende Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne) versucht zu beruhigen: "Der Prozess ist noch überhaupt nicht abgeschlossen." Viel Auskunft könne man daher noch gar nicht geben, das "wird erfolgen, wenn es so weit ist".

Neben der Angst vor Baumfällungen auf dem Versicherungsgelände treibt die Obergiesinger ein weiteres Umweltthema um: Die Frischluftschneise im Hachinger Tal. Umlandgemeinden wie zum Beispiel Neubiberg können sich dort Bauprojekte vorstellen. Ein mikroklimaökologisches Gutachten dazu soll dem Stadtrat laut Dullinger-Oßwald bald vorgestellt werden. Die Bürgerversammlung schloss sich einem Sprecher der Initiative "Frischluftzufuhr für München" an: Eine Bebauung wäre eine Gefahr. Gefordert wird, dass sich die Stadt München "einstimmig für den Erhalt des Grünzugs" einsetzen soll.

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