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Neue Zentrale für den TSV 1860:Die Halle der Löwen

Nur für den Verein gedacht, nicht für die Profifußballfirma: Diesen Entwurf hat das Präsidium den Mitgliedern präsentiert.

(Foto: Architekturbüro G. Günther/Robert Reisinger/TSV München 1860 (Simulation))

Der TSV 1860 präsentiert Pläne für eine neue Vereinszentrale samt Klubmuseum, Parkhaus und Gastronomie. 15 Millionen soll der Bau in Giesing kosten, doch noch sind einige Fragen offen - unter anderem die, wer ihn bezahlt.

Von Philipp Schneider

Diese Geschichte über die Sehnsucht der Löwen nach einer eigenen Turnhalle sollte im Jahr 2001 beginnen, an einem warmen Junitag an der Grünwalder Straße 114. Pünktlich zum Trainingsauftakt posierte gleich am Eingang der Geschäftsstelle der damalige Präsident Karl-Heinz Wildmoser neben einem Plakat. Wildmoser stand dort als eine Art Verkehrshindernis für Journalisten, er wusste: Kein Mensch kommt an mir vorbei, ohne zumindest einen Blick auf die irre Modell-Skizze zu werfen, die er mitgebracht hatte. Darauf zu sehen: das geplante Trainingszentrum des TSV 1860 München.

Die Skizze zeigte: eine Mehrzweckhalle, ein Restaurant mit Terrasse, Umkleideräume für die Lizenzspieler, ein Nachwuchsleistungszentrum für die Jugendspieler inklusive Umkleide- und Massageräume sowie einen Fan-Shop. "Bevor das nicht steht, höre ich nicht auf. Erst dann kann ich in Rente gehen", raunte Wildmoser den Journalisten zu.

Ein Jahr später meldete der Medien-Mogul Leo Kirch Insolvenz an. Deutschlands Profi-Fußballklubs, die einen sehr hübsch dotierten TV-Deal mit ihm eingegangen waren, fehlten Millionen. Und Wildmoser stand vor einer Baugrube. Das Jugendheim wurde zwar fertiggestellt, ebenso die Räume für den Kartenvorverkauf und der Fanshop. Die Turnhalle allerdings nicht. Das Geld war aus. Wildmoser ließ die Grube zuschütten. In Rente ging er aber folgerichtig auch nicht. Er wurde stattdessen verhaftet im Zuge des Skandals um den Bau der Arena in Fröttmaning. Und an der Stelle, wo die Turnhalle errichtet werden sollte, ist heute die sogenannte "Sechzger-Alm" von 1860 zu finden. Ja, eine Hütte.

Lange her alles. Aber beim oft kurzsichtigen Löwen kommt man ja nicht weiter ohne die langfristige Perspektive.

Denn die Turnhalle, die Wildmoser versprach, will einer seiner Nachfolger tatsächlich errichten: Präsident Robert Reisinger, der am Sonntag auf der ersten virtuellen Mitgliederversammlung der Vereinsgeschichte seinerseits ein paar Skizzen präsentierte und jubilierte: "Seit 2002, seit 18 Jahren, haben sieben Präsidien versprochen, sich dieses Themas anzunehmen. Wir auch. Aber wir sind einen Schritt weiter und können Planungen vorstellen."

Die Planungen sehen so aus: Dort, wo sich derzeit die Parkplätze für Spieler und Funktionäre befinden, rechts der Einfahrt, soll ein Komplex entstehen, der nur dem e.V. zur Verfügung steht. Er untergliedert sich in eine Vereinszentrale, eine Dreifach-Turnhalle, ein Klubmuseum und einen Gastronomiebereich. Und da ja der Parkplatz besetzt wird, soll noch ein sechsgeschossiges (!) Parkhaus hochgezogen werden. Auf der linken Seite sind weiter die Gebäude der KGaA zu finden: jener Profifußballfirma, die sich der e.V. seit 2011 mit dem Investor Hasan Ismaik teilt.

1860 hat bislang noch keinen Antrag für den Vorbescheid bei der Stadt München eingereicht. Dies soll aber bald geschehen. Und ein wenig haben sie sich mit der Frage beschäftigt, wer für die Baukosten in Höhe von etwa 15 Millionen Euro aufkommen soll: Die Hälfte soll von der Stadt München, dem Bund und dem Bayerischen Landessportverband übernommen werden. "Die übrigen 7,5 Millionen werden einem nicht geschenkt", sagt Reisinger auf SZ-Anfrage. "Wir erhoffen uns zinslose Darlehen." Bislang habe es nur positive Rückmeldungen gegeben. "Ich gehe davon aus, dass auch unser Mitgesellschafter uns keine Steine in den Weg legen wird." An dieser Stelle wird das Bauvorhaben spannend.

Denn sämtliche Planspiele werden ausgetragen auf einem Grundstück der Stadt München, das diese Sechzigs Fußballfirma auf Erbpacht zur Verfügung stellt. Ismaik, dem 60 Prozent der KGaA gehören, müsste dem Plan zustimmen. Weil das Grundstück in neuen Erbpachtverträgen neu aufgeteilt werden würde, wie Reisinger darlegt: in eine Fläche für die KGaA links der Einfahrt; und eine für den e.V. rechts der Einfahrt. "Für die KGaA brächte das den Vorteil, dass die Miete sinken würde", sagt Reisinger. "Und wir hätten wieder eine ordentliche Teilung zwischen Profi- und Amateursport." Er wählt einen amüsanten Vergleich: "Wie ein Paar, das die Dachterrasse mit einer Mauer unterteilt, damit jeder etwas Platz für sich hat."

Von der Stadt München wird es keinen Widerstand gegen die Pläne geben, glaubt Reisinger. Denn wann immer einer seiner Amtsvorgänger bei der Stadt nach einem Grundstück für eine Halle angefragt hatte, habe die Antwort gelautet: "Ihr habt doch schon eins von uns. Baut halt drauf!"

Bislang hatten bei Sechzig alle Planspiele für eine neue Halle an der Grünwalder Straße einen Baugrund auf dem Gelände der KGaA vorgesehen, also links der Zufahrt - nicht weit entfernt von Wildmosers Grube. Diese Verortung hätte allerdings für Probleme sorgen können ab dem Tag, an dem in Deutschland 50+1 kippt - also jene Regel, die Macht und Einfluss von Investoren künstlich beschneidet. Dann hätte Ismaik als Hausherr der KGaA den Zuweg der Vereinsmitglieder zur Vereins-Turnhalle sperren können. Theoretisch.

Wenn alles so läuft wie erhofft (und das geschieht bei 1860 so gut wie nie), dann sollen Ende 2022 die Bagger anrücken. So dass sich spätestens 2025 die Funktionäre einen der 126 Parkplätze aussuchen können, um das Parkhaus einzuweihen.

Und wer sich nun fragt, ob 1860 nicht schon einmal eine Halle besaß, dem sei gesagt: Doch! Sie befand sich an der Auenstraße und wurde 1982 für 4,1 Millionen Mark an die Stadt München verkauft. Und weil 1860 seine erste Mannschaft damals noch nicht ausgegliedert hatte in eine KGaA, waren die Einnahmen des gemeinnützigen Vereins zweckgebunden: Sie sollten reinvestiert werden in eine neue Halle für den Amateursport. Wildmoser war es dann, der 19 Jahre später entschied, von dem Geld zunächst ein Internat für angehende Profis hochziehen zu lassen. Für die Halle war kein Geld mehr übrig.

© SZ vom 23.09.2020/wean

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