Tanzbar "Roody":Eine Nachbarschaftskneipe für alle

Tanzbar "Roody": Musikalisch will das Roody-Team niemanden ausschließen, man sei "schmerzfrei, was die Genres angeht", sagt einer der Betreiber.

Musikalisch will das Roody-Team niemanden ausschließen, man sei "schmerzfrei, was die Genres angeht", sagt einer der Betreiber.

(Foto: Leonhard Simon)

Es gibt nur ein' Rudi Völler? Seit Mitte Januar gibt es am Giesinger Candidplatz noch einen, zumindest dem Arbeitstitel nach. Mit Fußball hat die neu eröffnete Tanzbar "Roody" allerdings nur wenig zu tun.

Von Leon Lindenberger

Geradewegs durch den Regenbogen geht es hinauf auf den Candidplatz. Die Wände des U-Bahnhofs dort in Giesing sind zwar noch bunt. Oben folgt dann aber die Ernüchterung: graue Betonsäulen, die Fahrbahn des Mittleren Rings wirft ihren Schatten auf den Platz. Doch seit Kurzem lohnt sie die Suche am Ende des Regenbogens wieder. Mitte Januar eröffnete im Ärztehaus am Candidplatz die Tanzbar Roody.

Auch dieses Haus ist grau-braun, ein 80er-Jahre-Koloss aus Glas und Beton, architektonisch spannend, aber kaum gemütlich. Und dennoch: Im Erdgeschoss scheint warmes Licht aus den Fenstern - rot, orange und einladend.

Drinnen ist einiges los an diesem Freitagabend. Schon vor 20 Uhr sind alle Plätze am Tresen belegt. Da sitzen Männer mit Hemdkragen unter den Strickpullovern. Gleich daneben, an einem Tisch am Fenster, sind zwei ältere Damen tief in ihr Gespräch versunken.

"It's my birthday" steht auf der Krone einer Studentin. Sie und ihre Freunde feiern, trinken Augustiner aus Flaschen und Giesinger vom Fass. Ein Helles kostet hier 3,80 Euro. Interpretiert man den Preis der Halben als zentrale Ein-Ort-für-alle-Kennzahl, schneidet das Roody im Münchner Vergleich vorbildlich ab.

"In viele Bars dieser Stadt traut man sich ja gar nicht mehr rein", sagt Carsten Fay (39), einer der beiden Betreiber des Roody. Hier solle es anders laufen, "hier sind alle willkommen". Solche Worte sind häufig zu hören. Glaubwürdig ist Fays Gelöbnis, weil er und sein Team auch den Kiosk Isarwahn an der Wittelsbacherbrücke betreiben, wo man gerade im Sommer ebenfalls ungewöhnlich hohe Ein-Ort-für-alle-Werte messen kann.

Tanzbar "Roody": Buntes Licht füllt das Roody, über allem liegt ein roter Schimmer.

Buntes Licht füllt das Roody, über allem liegt ein roter Schimmer.

(Foto: Leonhard Simon)

Einige Worte zum Fußball: Betritt man das Roody, schlagen einem viele Farben entgegen. Die Sofas sind hellgrün, die Hängelampen über der Bar pink. Besonders sticht Rot heraus - Wände, Sockelleisten, der Tresen. Selbst die Fliesen auf den Toiletten sind FC-Bayern-rot.

In Giesing, Sechzger-Territorium, könnte das schnell zu Irritationen führen. Sieht man von einigen Stickern auf dem Herren-WC ab, setzt nur der Name der Bar blaue Akzente. "Als wir das Roody geplant haben, war Rudi Völler gerade wieder im Gespräch als Bundestrainer", sagt Maximilian Heisler (36), der zweite Betreiber der Bar. Da sei "Rudi" als Arbeitstitel naheliegend gewesen, denn Völler habe bis 1982 hier in Giesing für die Münchner Löwen gespielt. Aus "Rudi" wurde dann "Roody". Zwar ist die Anspielung so kam noch erkennbar, "aber eine Fußballkneipe wollen wir sowieso nicht sein", sagt Heisler. Dieses Geschäft wolle man den Boazn in der Gegend nicht streitig machen.

Tanzbar "Roody": Bier gibt es hier für 3,80 Euro.

Bier gibt es hier für 3,80 Euro.

(Foto: Leonhard Simon)
Tanzbar "Roody": Wer nicht tanzen mag, kann sich aber auch zu einem gemütlichen Ratsch zurückziehen.

Wer nicht tanzen mag, kann sich aber auch zu einem gemütlichen Ratsch zurückziehen.

(Foto: Leonhard Simon)

Und dann ist da ja auch noch das "Tanz" in Tanzbar. Der Dancefloor im hinteren Bereich des Roody ist noch leer, heute läuft nur eine Playlist. Um Punkt 21 Uhr lockt der Indie-Hit "A-Punk" von Vampire Weekend. Eine nette Koinzidenz: Das Cover des gleichnamigen Debütalbums der Band ziert ein ebensolcher Kronleuchter wie er auch hier im Roody über dem Tanzparkett glitzert.

Musikalisch will das Roody-Team niemanden ausschließen, man sei "schmerzfrei, was die Genres angeht", sagt Heisler. Künftig solle es jeden Donnerstagabend Livemusik geben. Auch am Karfreitag wolle man dieses Jahr eine Tanzveranstaltung anbieten, unter Einhaltung der gesetzlich geforderten Pausen. Die queere Musikerin Bi Män werde an diesem Abend ihren melodischen Techno auflegen.

Tanzbar "Roody": Über der Tanzfläche glitzert der Kronleuchter im Roody-Rot.

Über der Tanzfläche glitzert der Kronleuchter im Roody-Rot.

(Foto: Leonhard Simon)

"Der Candidplatz ist natürlich eine Herausforderung, der ist vor allem autogerecht", sagt Carsten Fay. Doch diese Herausforderung haben sich die Betreiber extra ausgesucht. "Eine Nachbarschaftskneipe für alle hat hier bisher gefehlt." An diesem Freitagabend konnte man erahnen, dass diese Rechnung aufgeht. Bunt ist es geworden am Ende des Regenbogens.

Roody, Candidplatz 9, 81543 München, Öffnungszeiten: Donnerstag von 18 bis 1 Uhr, Freitag und Samstag bis 2 Uhr.

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