BrewsLi:Auf ein Craft Beer in eines der kleinsten Sudhäuser der Stadt

Lesezeit: 3 min

BrewsLi: Die silbrige Brauanlage des Craft-Beer-Pub BrewsLi versperrt ein ganzes Fenster. Allein ihretwegen lohnt sich ein Besuch - und für das, was aus ihr rauskommt.

Die silbrige Brauanlage des Craft-Beer-Pub BrewsLi versperrt ein ganzes Fenster. Allein ihretwegen lohnt sich ein Besuch - und für das, was aus ihr rauskommt.

(Foto: Florian Peljak)

Im BrewsLi fließt das Kühle auf kurzen Wegen ins Glas - man trinkt direkt neben der Brauanlage und den dicken Tanks. Betreiber Benjamin Saller probiert regelmäßig ganz neue Sorten und Stile aus.

Von Joshua Beer

Es soll Gäste geben, die kommen rein und sehen sie nicht mal. Andere laufen an ihr vorüber, als würden sie den Anblick aus jedem x-beliebigen Gasthaus kennen. Wirklich? Dieses markante Gerät mit den vielen Handrädchen, Anzeigen und den zwei dicken, meterhohen Metallzylindern?

Was vielleicht nicht alle wissen: Wer im Craft-Beer-Pub BrewsLi in der Taubenstraße 2 in der Au ein Bier trinken will, muss durch eines der kleinsten Sudhäuser der Braustadt München gehen. Die silbrige Maschine, die neben dem Eingang ein ganzes Fenster versperrt, ist die Brauanlage. Zusammen mit den vier glänzenden Biertanks neben den Tresen dient sie als Blickfang. Allein ihretwegen lohnt sich ein Besuch im BrewsLi, aber natürlich auch für das, was aus ihr rauskommt: Bier.

BrewsLi: Benjamin Saller, Inhaber von BrewsLi.

Benjamin Saller, Inhaber von BrewsLi.

(Foto: Johannes Simon)

Denn das braut Inhaber Benjamin Saller selbst an Ort und Stelle. Im Keller lagere die ganze Technik, sagt der 36-Jährige: "Oben ist, was gut ausschaut." Eine Zeichnung an der Wand erklärt, wie alles miteinander verbunden ist. Laien verstehen daran vor allem eins: Das Bier fließt hier auf kurzen Wegen. Saller wechselt immer wieder die Sorten, ändert den Braustil, probiert aus. "Ich kann da frei entscheiden."

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(Foto: SZ-Grafik)

Einzige Konstante ist das Helle, der halbe Liter kostet 4,80 Euro. Für ein selbstgemachtes, frisch gezapftes Bier in München ein verträglicher Preis. Doch wer nimmt schon ein schnödes Helles, wenn so viel Besonderes auf der Karte steht? Im Bourbon-Fass gereiftes "Black Pearl Barrel Aged Stout", herbes "Three Hole Galaxy"-Pale-Ale oder fruchtiges "Juicy Idaho", das "hazy" ("dunstig") sein soll und "leicht grasig". Für den halben Liter zahlt man schon mal zwischen fünf und acht Euro. Wer sich nicht entscheiden kann, testet sich am besten durch das "Probierdeck": bis zu sechs 0,1-Liter-Gläser nach Wahl (9, 50 Euro, vier Gläser kosten 7,50 Euro und fünf Gläser 8,50 Euro).

BrewsLi: Hipsterhafte Wirtshausatmosphäre: Neben der Brauanlage laden gemütliche Sofas und Sessel zum Verweilen ein.

Hipsterhafte Wirtshausatmosphäre: Neben der Brauanlage laden gemütliche Sofas und Sessel zum Verweilen ein.

(Foto: Florian Peljak)

Drinnen herrscht Wirtshausatmosphäre, es dominieren viel Holz und hohe Decken, neben Bänken gemütliche Sofas und Sessel, ein großer Tresen, die Wände dunkelgrün verkleidet. Ein bisschen hipsterhaft wirkt es trotzdem, aber das bringt Craft Beer halt so mit sich.

Die Gäste sind in der Tendenz jung, Anfang, Mitte 30, im Grunde aber völlig durchmischt. Am Tresen schäkern Dates, zwei junge Frauen lachen am Ecktisch, eine Gruppe von Typen - besser: Bros - trinkt sich sportlich durch die Karte, ein grauhaariger Mann trinkt sein Bier alleine auf dem Sessel. Ein paar Tische weiter sitzen vier junge Männer, blaue Haare, Zwirbelbart und schwarze Kluften, und essen wie selbstverständlich mitgebrachte Döner. Man sieht Hoodies, T-Shirts, Karohemden, keine Anzüge oder Abendkleider. Aus kleinen Lautsprechern dudelt Musik, doch der lärmende Raum verschluckt sie so gut wie ganz. Leider auch viel vom Tischgespräch, wie so oft in Pubs. Dafür hat BrewsLi ja aber einen Außenbereich.

BrewsLi: Im Innenbereich ist es laut, für ungestörte Gespräche können Gäste des BrewsLi nach draußen gehen.

Im Innenbereich ist es laut, für ungestörte Gespräche können Gäste des BrewsLi nach draußen gehen.

(Foto: Florian Peljak)

Wer dem Bier beim Brauen zuschauen möchte, kann das montags von außen tun, da ist Brautag. Dann wird alles verrückt, und der Diplom-Braumeister Saller setzt die Bierwürze an. Zwölf bis 14 Stunden Arbeit bereite so ein Doppelsud, sagt er. Jeden Sonntag bietet er Braukurse an: "Wer mitmachen will, macht mit. Wer weniger mitmacht, trinkt mehr."

Saller hat die Marke "BrewsLi" schon 2018 gegründet und dann vor allem auf Biermessen ausgeschenkt. Das Wortspiel mit der chinesischen Kampfsportlegende Bruce Lee im Namen muss man ihm verzeihen: Seine Mutter stammt aus China. Pünktlich zum zweiten Corona-Lockdown im November 2020 eröffnete er den Pub in der Taubenstraße, wo vorher das Restaurant Österia war. Mit einem Sudhaus, das laut Saller für kommerzielle Zwecke eigentlich fast zu klein ist . "Es rentiert sich, wenn man es will und muss", sagt er. Seine einmaligen Biere liefert er übrigens nur einem einzigen Mitstreiter: Das Higgins Ale Works in der Karlstraße betreibt ein noch winzigeres Sudhaus als er.

BrewsLi, Taubenstraße 2, 81541 München, E-Mail: info@brewsli.de, Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 17 bis24 Uhr, Freitag und Samstag 17 bis 1 Uhr, Sonntag 14 bis 22 Uhr.

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