Kampagne „Nebenan knallt’s“Was tun bei häuslicher Gewalt?

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Viele Betroffene von häuslicher Gewalt wissen nicht, wo sie Hilfe finden können. Eine neue Sensibilisierungskampagne in München soll Zeugen aufklären (Archivbild).
Viele Betroffene von häuslicher Gewalt wissen nicht, wo sie Hilfe finden können. Eine neue Sensibilisierungskampagne in München soll Zeugen aufklären (Archivbild). (Foto: Fabian Sommer/dpa)

Diese Frage stellen sich auch Menschen, die Vorfälle in ihrem Umfeld vermuten. Eine neue Kampagne der Frauenhilfe und Vonovia macht nun auf Hilfsangebote aufmerksam – und könnte zudem künftig mehr Wohnraum für Betroffene schaffen.

Von Katharina Haase

Angst, Abhängigkeit und Scham – sind Frauen von häuslicher Gewalt betroffen, sind es oft diese drei Punkte, die sie vor der Suche nach Hilfe zurückschrecken lassen. Auch Freunde oder Nachbarn, die womöglich etwas von der Gewalt mitbekommen, sind häufig verunsichert, ob und wie sie den Betroffenen helfen können.

Genau da setzt die neue Sensibilisierungskampagne an, die das Wohnungsunternehmen Vonovia in München gemeinsam mit der Frauenhilfe auf den Weg bringt. Unter dem Titel „Nebenan knallt’s! Was kann ich tun?“ sollen Plakate und Postkarten in den Wohneinheiten der Vonovia verteilt werden, auf denen die Kontaktdaten der Beratungsstelle sowie des 24-Stunden-Telefons der Frauenhilfe stehen. Zudem wichtige Verhaltensempfehlungen für Opfer oder Zeugen von häuslicher Gewalt. Die Kampagne gibt es bereits seit 2022. Von Konstanz aus hatte die Vonovia sie seither auf weitere Städte, vorwiegend im Süden Deutschlands, ausgeweitet. Jetzt ist die Kampagne auch in München gestartet.

„Das eigene Zuhause soll Geborgenheit, Schutz und Sicherheit bieten“, sagt Andrea Günther, Regionalleiterin für München bei der Vonovia. Doch es werde für Opfer von häuslicher Gewalt zu einem Ort der Gefahr. Das Unternehmen wolle dazu beitragen, dass die Kampagne möglichst viele Menschen erreiche, damit niemand die Ohren verschließe, sondern hinhöre und helfe.

Neben der Sensibilisierung verknüpft Vonovia die Kampagne zudem mit dem Angebot, künftig Wohnraum für Frauen zur Verfügung zu stellen, die nach einem Aufenthalt im Frauenhaus zurück in ein eigenständiges Leben finden wollen. Hierzu sei man bereits im Austausch mit der Frauenhilfe.

Häusliche Gewalt kann viele Formen haben, körperliche, sexuelle, psychische oder wirtschaftliche. Viele der betroffenen Frauen leben in Abhängigkeitsverhältnissen, erklärt Claudia Heyne von der Frauenhilfe. Sie seien beim Start in ihr neues Leben auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Auf dem normalen Münchner Mietmarkt hätten sie oft wenig Chancen und die Anzahl geförderter Wohnungen in der Stadt sei begrenzt. Eine Kooperation mit der Vonovia könne daher dazu beitragen, den Pool an möglichen Mietobjekten für diese Frauen zu vergrößern. 6000 Mietwohnungen gehören der Vonovia in München. Sie ist damit eine der größten Wohnungsanbieterinnen in der Stadt.

Claudia Heyne (links) von der Frauenhilfe München und Andrea Günther von der Vonovia haben die neue Sensibilisierungskampagne gegen häusliche Gewalt vorgestellt.
Claudia Heyne (links) von der Frauenhilfe München und Andrea Günther von der Vonovia haben die neue Sensibilisierungskampagne gegen häusliche Gewalt vorgestellt. (Foto: Johannes Simon)

Etwa 4100 Fälle häuslicher Gewalt wurden nach Angaben der Frauenhilfe im Jahr 2024 in München gemeldet. Die Dunkelziffer ist groß; Organisationen wie die Opferhilfe Weißer Ring schätzen, dass mehr als 80 Prozent der Fälle nicht gemeldet werden. Die Frauenhilfe München habe in den vergangenen Jahren einen Anstieg bei den Kontakten mit Hilfesuchenden verzeichnet – der auch mit der zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema zusammenhänge, erklärt Heyne.

Zwei Frauenhäuser betreut die Frauenhilfe in München. Das erste und bayernweit größte bietet Platz für 45 Frauen und 60 Kinder. Es hatte im vergangenen Jahr eine durchgängige Belegung von 97 Prozent. Zudem gibt es seit Dezember ein weiteres Haus mit Platz für 20 Frauen und 30 Kinder, dessen weiterer Träger, neben der Frauenhilfe München, die Organisation Condrobs ist. Dort sollen primär Frauen untergebracht werden, die durch ihre Erfahrungen derart psychisch belastet sind, dass sie einer besonderen Betreuung bedürfen. Weitere Angebote ergänzen die Anzahl an Frauenhausplätzen auf 98 in ganz München. „Mehr Anschlusslösungen könnten auch mehr Kapazitäten in den Frauenhäusern schaffen“, sagt Claudia Heyne.

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