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Unternehmensgründung:Geschmack ist eine Frage des Geruchs

Der Ring macht's: Für knapp 30 Euro gibt es eine spezielle Trinkflasche mit unterschiedlichen Duft-Pads.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein Münchner Start-Up entwickelt Flaschen, aus denen reines Wasser fruchtig schmeckt. "Im Grunde löst das eines dieser typischen First-World-Probleme", sagt einer der Gründer.

Kaum zu glauben, dass man da nur Wasser trinkt, reines Wasser und sonst nichts. Denn der Geschmack von Apfel, Orange, Radler oder was man sich sonst so wünscht, ist ja da, eindeutig. Nur im Wasser ist er nicht. Zusatzstoffe: Fehlanzeige. Wasser zwar nicht zu Wein, aber doch immerhin zu Softdrinks machen - das soll ein Geschäft werden? Fünf Münchner Jungunternehmer sind davon überzeugt, und nicht nur sie, sondern auch eine Reihe von Investoren. An diesem Wochenende sind sie mit ihrer Idee erstmals an die Öffentlichkeit gegangen, vom heutigen Montag an gibt es ihr Produkt auch im Einzelhandel.

"Im Grunde löst das eines dieser typischen First-World-Probleme", sagt Fabian Schlang. Er ist einer der fünf Köpfe hinter dem Münchner Getränke-Start-up, das seinen Sitz stilecht im vierten Stock eines Hinterhofgebäudes an der Schillerstraße hat, und mit reinem Wasser von nun an viel Geld verdienen will. "Wir haben ja alle fast keine richtigen Probleme mehr", sagt er und grinst, "außer dass wir zu dick werden, weil wir zu viele Softdrinks trinken, in denen zu viel Zucker drin ist." Schlang und seine Mitstreiter haben dafür eine Lösung, sagen sie, und sie haben ihre Neugründung "Air up" genannt, was eigentlich schon in kürzestmöglichen Worten beschreibt, worum es geht. Nämlich im Grunde um Luft, die sich mit dem Wasser vermischt und ihm den jeweils gewünschten Geschmack verleiht. Man braucht dazu außer Wasser nur eine spezielle Trinkflasche und einen entsprechenden Aroma-Ring.

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Klingt natürlich erst mal etwas esoterisch und nach Hokuspokus, ist aber ganz solide wissenschaftlich zu erklären. Fabian Schlang erzählt, seine Freunde und er seien durch eine Bachelorarbeit im Fach Produktdesign auf neuere wissenschaftliche Studien gestoßen, die sich mit dem Wahrnehmen von Geschmack befassten. Die kamen zu dem Schluss, dass die Geschmacksrezeptoren im Mund ganz wesentlich auf Düfte und Gerüche ansprechen und es im Grunde genügt, Aromen als Duft über den Gaumen in die Nase zu leiten - und schon schmeckt der Mensch etwas.

Darauf baut "Air up" auf. Die Produktdesigner Lena Jüngst und Tim Jäger, die zum Gründerteam gehören, entwickelten eine spezielle Trinkflasche, auf die man ein ringförmiges Duft-Pad steckt, das über einen Schalter aktiviert wird, wenn man aus der Flasche trinken will. "Duft und Wasser vermischen sich im Mund", erklärt Unternehmenssprecherin Bernadette Aicher, "es bleibt aber alles reines Wasser, ohne Stabilisatoren, ohne Zucker, ohne Säureregulatoren, ohne Chemie, wie es sonst bei Softdrinks üblich ist."

Die Duft-Pads arbeiten nur mit natürlichen Aromen, auch da sind keine künstlichen Zusatzstoffe im Spiel. "Irgendwas mit Einhorn-Geschmack wird's bei uns nicht geben", sagt Schlang, "aber im Prinzip können wir alles, was riecht, auch schmeckbar machen." Zum ersten April, witzeln die Jungunternehmer, könnte man ja einen Knoblauchdrink als Scherzartikel anbieten. Für den Anfang beschränkt man sich jedoch erst einmal auf die Geschmacksrichtungen Apfel, Limette, Orange-Maracuja, Pfirsich, Zitrone-Hopfen, Gurke, Himbeer-Zitrone und Kirsche. Ein Pad reicht für etwa fünf Liter Wasser, das Dreierpack kostet 4,99 Euro. Die spezielle Trinkflasche dafür gibt es im Startpaket zusammen mit fünf Pads für 29,99 Euro.

Die Gründer hoffen auf einen heißen Sommer - in jeder Hinsicht

Die Ursprungsidee zu "Air up" entstand bereits vor drei Jahren mit der Bachelorarbeit von Jüngst und Jäger. Mit Fabian Schlang, der Koch gelernt hatte und danach Ernährungswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre studierte, wuchs sich das dann zur Geschäftsidee aus. Man bekam Unterstützung durch ein EU-Programm für nachhaltige Entwicklung und ein Gründerstipendium der Technischen Universität München. Vor einem Jahr stießen dann professionelle Investoren hinzu.

Freigeist Capital etwa, die Investmentfirma von Frank Thelen, der aus der Start-up-Fernsehshow "Die Höhle der Löwen" bekannt ist, oder Oyster Bay von Christoph Miller, der schon in namhafte Getränkehersteller wie Budweiser und Corona investiert hat und nun auf nachhaltige und gesunde Lebensmittel setzt. Gemeinsam will man jetzt den Markt aufrollen - in Drogeriemärkten, Sportartikelgeschäften, online, vor allem aber im Einzelhandel. "Das Potenzial ist groß", sagt Schlang, "und dann sind wir ja auch der erste Getränkelieferant, der online funktioniert und 25 Liter in einem Briefumschlag verschicken kann."

Wie das alles in der realen Welt ankommt, wollen die fünf Gründer jetzt in ihrer Heimatstadt sehen. An diesem Samstag gibt es "Air up" erstmals bei Sport Schuster, von Montag an dann in den Supermärkten der Real-Gruppe. Nun hoffen die Luft- und Wasserveredler, dass dies ein heißer Sommer für sie wird. Und zwar in jeder Hinsicht.

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