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Coronavirus:Geheimnisvolles hinter den Masken

Gemeinsam für jüdisches Leben in München Frau mit Sonnenhut und Maske: München ist bunt! Gegen jeden Judenhass gemeinsa

Masken können durchaus spannend sein - sowohl von vorne als auch ihre Rückseiten.

(Foto: imago images/Thomas Vonier)

Es ist nicht nur verräterisch, wie manche Zeitgenossen ihren Nasen-Mund-Schutz tragen, spannend ist auch dessen Rückseite. Denn der verrät so einiges über seinen Träger.

Glosse von Philipp Crone

Dass Masken etwas verbergen, stimmt natürlich schon lange nicht mehr. Stattdessen verraten sie einiges: Davon zeugen etwa die Nase zeigenden Wurschtigkeitsträger oder die Motto-Menschen, die früher ebensolche T-Shirts trugen ("Bier formte diesen wunderbaren Körper" et al.) und nun ihren Mundschutz bedrucken lassen ("Berliner Schnauze"). Man erkennt auch von Weitem schon den Mutigen, der das Elastikband bis über den Popeye-Bizeps zerrt und keine Angst hat, in wenig eleganter Halte-Pose das nächste Bier am Kiosk zu kaufen, weil ihm der Gummi gerissen ist.

Es gibt zudem die derzeit in Italien grassierende Variante der Kinndischen, die ihren Corona-Schutz an den Unterkiefer spannen. Die sind fast so lustig wie die Einhörner, die ihren Mundschutz auf der Stirn tragen. Das sind oft Exemplare der Sapiens-Unterart, die noch von "einen drauf machen" sprechen, wenn sie nach Einbruch der Dunkelheit draußen sind. Das ist der Blick auf die Maske. Nachdem nun aber die Wegwerfgesellschaft längst auch die FFP2-Maske für sich entdeckt hat und die an einschlägigen Treffpunkten in ähnlichen Mengen rumliegen wie Scherben, bekommt der Spaziergänger auch Einblicke hinter die Masken.

Man kann erkennen, was für eine Mundfrisur zuvor noch in einer weggeworfenen Maske steckte, je nach Verteilung des Bartöls, auch ein Cappuccinorand ist ab und an zu erkennen, nichts ist allerdings so ergiebig wie ein Mundschutz sehr wahrscheinlich von einer ausgehwilligen Dame, der vor ein paar Tagen in der Baaderstraße auf dem Bürgersteig lag. Wie ein Rorschach-Test liegt die ehemals weiße Maske da, oben verziert mit einer roten Rundung, flankiert und umgeben von elegantem Glockenbach-Beige, einer Mischung aus Sprizz-Orange, Innenstadt-Bräune und Isarkiesel-Pastell.

Hier hat sich jemand Mühe mit der Gesichtsbedeckung gegeben, auch wenn sie dann von einer Maske verdeckt werden musste. Was sagt nun dieses Innenleben über die Trägerin oder gar die Situation aus? Wütend weggeworfen nach einem schlimmen Date? Wild von den Ohren gerissen für eine hitzige Liebkosung? Nur Hermann Rorschach wird es wissen. Ansonsten gilt in Deutschlands Single-Hauptstadt, die Ordnungswidrigkeit des Maskenwegwurfs wird nur straffrei geduldet, wenn die Erklärung lautet: spontaner postcoronaler Abbusselreflex.

© SZ vom 22.06.2021/lfr
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