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Pasing:Spickzettel unter Strumpfbändern und ein glühender Verehrer

Im Klostergarten 1954: Gelöste und fröhliche Gesichter auf dem Klassenfoto kurz nach dem Abitur bei den Englischen Fräulein in Pasing. Einige Absolventinnen sind ihr Leben lang in Kontakt geblieben. Repro: Catherina Hess

In Pasing treffen sich nach 65 Jahren zehn Frauen für ein Klassentreffen. Die Schule hat sich verändert, doch Lore und ihr damaliger Schwarm sind immer noch zusammen.

Um 11 Uhr vor der Pforte an der Institutsstraße 3, dem Eingang zum Kloster der Englischen Fräulein - so lautet der Treffpunkt. Pünktlich sind alle da, als müssten sie rechtzeitig zum Unterricht erscheinen. Der Treffpunkt an der Pforte hat Geschichte: Im Kloster haben die Frauen, die sich hier versammeln, 1954 ihr Abitur gemacht, vor genau 65 Jahren. Nun sind einige von ihnen, inzwischen betagte Damen über 80, zum Klassentreffen gekommen.

Die reine Mädchenklasse der Städtischen Oberrealschule, sprachlicher Zweig - heute das Elsa-Brändström-Gymnasium - wurde 1946 bei den Englischen Fräulein einquartiert, ein eigenes Schulhaus gab es nicht mehr. Viele Jahrzehnte später stehen die Schülerinnen von einst am Eingangstor und schwatzen und schwatzen. Ein einziger Mann ist unter ihnen. Was er mit den Damen zu tun hat, erzählen sie nur zu gerne: Tagein, tagaus hat Schehms, so sein Spitzname, dort an der Pforte auf Lore gewartet, seine Herzdame aus der Abiturklasse. Sobald er auftauchte, versammelten sich die Mädchen neugierig an den Fenstern. Lore wäre es lieber gewesen, er hätte am Pasinger Marienplatz auf sie gewartet, schon allein um den strengen Blicken der Klosterschwestern zu entgehen, aber da war nichts zu machen, erzählt sie heute. Die beiden, Lore und Schehms, haben geheiratet und sind bis heute ein Paar. Am Mittwoch kommt er noch mal zur Pforte, diesmal, um Lore zum Klassentreffen zu bringen, schließlich hat der Ort auch für ihn historische Bedeutung.

Im Klostergarten 2019: Und dann das Fräulein Pfeufer... Die einstigen Abiturientinnen haben sich viel zu erzählen, Anekdoten gibt es genug.

(Foto: Catherina Hess)

Von den einst 18 Schülerinnen nehmen zehn teil, die meisten wohnen noch in der Umgebung, nur eine ist bisher gestorben. Ein harter Kern trifft sich immer noch alle paar Wochen zu einem gemeinsamen Essen. Die meisten von ihnen haben studiert, aber auch Familie gegründet: 14 sind Mütter geworden, haben insgesamt 39 Kinder zur Welt gebracht.

Zum 65. Abiturtreffen dürfen die Frauen noch mal in den Klostergarten. Es hat sich viel verändert. Im Garten gab es einen Weg, der gesäumt war von Bäumen auf beiden Seiten. "Da haben wir immer Völkerball gespielt", erinnert sich Helga Poschenrieder. Sie hat das Treffen organisiert. Die Bäume fungierten als natürliche Spielfeldbegrenzung, heute steht nur noch eine Baumreihe, auf der gegenüberliegenden Seite parken Autos. Vor dem Kloster versammeln sie sich zum Klassenfoto, die jungen Mädchengesichter sind in ihrem Lächeln gut zu erkennen.

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An die Abiturprüfung von damals erinnern sie sich, als wäre sie gestern gewesen: Die Schülerinnen legten im Juni 1954 ihre Prüfungen in Religion, Deutsch, Englisch, Mathematik, Französisch ab. Sport - Turnen am Barren - wurde unter den Augen des "leicht entnervten" Direktors abgelegt, erzählt Poschenrieder. Eine Schülerin machte ihre Übungen an dem von vielen gehassten Turngerät besonders gemächlich, bis der Direktor drängend fragte: "Geht das hier auf Zeit?". Gespickt wurde damals wie heute, Spickzettel wurden vorzugsweise unter Strumpfbänder geschoben, der Lehrer konnte von den jungen Mädchen schließlich kaum verlangen, den Rock hochzuschieben. Und wer im Sportunterricht "unpässlich" war, wie es damals hieß, wurde verdonnert, der Sportlehrerin eine Leberkässemmel zu kaufen. Und dann das Fräulein Pfeufer, die Zeichenlehrerin: Damals waren Selbstporträts anzufertigen und die Lehrerin wies die Mädchen an: "Die fertigen Schüler werden an der Wand aufgehängt." - Gekicher garantiert.

Als die Mädchen 1946 zu den Englischen Fräulein kamen, gab es zuerst wenig zu lachen. Die Nachkriegszeit war voller Entbehrungen, der Winter 1946 besonders eisig. Jede Schülerin musste Holzscheite zum Unterricht mitbringen, um das Klassenzimmer notdürftig zu wärmen. Papier war knapp, die wenigen Blätter, die sie auftrieben, nähten sie mit Bindfaden zu dünnen Heften. Auch zu essen gab es anfangs nichts, später gab es die Schulspeisung der Amerikaner in den Pausen. Alle erinnern sich an knurrende Mägen, mit denen sie am Bahnhof auf den Zug nach Hause warteten. Die Schulwege waren oft lang, die Mädchen kamen aus dem weiten Umland, eine ganze Gruppe aus Tutzing. Zwei Stunden zu Fuß und mit einem Zug, der in jedem Dorf anhielt, waren üblich.

Geradezu wehmütig werden die einstigen Schülerinnen, als sie entdecken, dass es die kleine Insel im Klostergarten noch gibt. Über eine Brücke gelangt man auf das verwunschene Waldstück. Dort wurde Shakespeares Sommernachtstraum aufgeführt, die Kulisse erscheint vor Augen. Die Damen flanieren, am Stock, mit Rollator, und viele sind auch gut zu Fuß. Sie teilen sich in Grüppchen auf, tragen ihre Erinnerungen zusammen und sind ganz bewegt, eine muss das loswerden: "Ich freue mich so, dass ich euch alle sehe", ruft sie in die Runde.

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