"Fritzi und Karl" im Georgenschwaigbad:Anwohner + Freizeitprogramm = Krach

Fritzi und Karl

Da waren sie noch voller Vorfreude: Werner Albrecht, zuständiger Stadtwerke-Geschäftsführer, und Nicole Gargitter für die Bäderleitung.

(Foto: Astrid Schmidhuber)

Viel Zuspruch, lärmschonendes Konzept: Dennoch müssen die Veranstalter ihren Kino- und Biergartenbetrieb im Georgenschwaigbad frühzeitig einstellen - es gibt Beschwerden von den Nachbarn.

Von Ellen Draxel, Schwabing

"Seufz." Patrick Diesings lautmalerische Äußerung kommt von tief drinnen und ist das Ergebnis wochenlanger Querelen um ein Zwischennutzungsprojekt im Georgenschwaigbad. Eventveranstalter, Nachbarschaftstreffs und Konfliktlöser wie die Initiative Akim im Sozialreferat, aber auch Behörden, Polizisten und Lokalpolitiker kennen das: Wenn Anwohner, die ihr Recht auf Ruhe einfordern, auf urbanes Leben in der Großstadt stoßen, gibt es immer mal wieder Knatsch.

Diesing, Geschäftsführer der Münchner Stadtmedien, bespielt seit mehr als 25 Jahren öffentliche Räume. In den vergangenen zwei Monaten hat er gemeinsam mit Felix Lechner das Interims-Projekt "Fritzi und Karl" im Georgenschwaigbad betrieben. "Wir wissen, wie das geht. Aber eine Phalanx an Vorwürfen, Boshaftigkeiten und Anschuldigungen wie diese haben wir noch nicht erlebt", sagen die beiden. Diesing erzählt von einem "Herrn, der täglich konsequent die Polizei ruft, ganz egal, ob bei uns etwas los ist oder nicht". Er zeigt Schreiben, die von Schimpfwörtern nur so strotzen. Sich annähernd täglich auf diesem Niveau beleidigen zu lassen, sagen die "Fritzis", koste "viel Energie".

Anwohner Norbert Preis sieht das ganz anders. Der Schwabinger wohnt mit 80 weiteren Parteien in einer Wohnanlage an der Schleißheimer Straße, nur 50 Meter von dem Freibad entfernt, das in den kommenden Jahren in ein Naturbad verwandelt werden soll. "Das Kindergeschrei in dem Bad", sagt der Nachbar, habe er "immer gemocht". Und als es dann hieß, dass das Gelände nach dem Brand, der einen Badebetrieb bis zum Umbau unmöglich machte, wieder belebt werden solle, habe ihn das "auch gefreut". Doch was dann kam, sei ernüchternd gewesen.

Besonders störend sei eine "Poolparty" am 14. August gewesen, "mit wummernden Bässen, den ganzen Tag lang", berichtete Preis Westschwabings Lokalpolitikern in deren jüngster Sitzung. Eine andere Dame spricht von "akustischer Folter", den ganzen Tag über sei laute Discomusik gelaufen. "Wir sind keine Spießer, aber wir sind echt verzweifelt", erklärte die Anwohnerin.

Die Tatsache, dass es vorher keine Beschwerden wegen des Freibadbetriebs gegeben habe, zeige doch, dass sich die Nachbarn "nicht wegen jeder Kleinigkeit" aufregten. "Bitte", bat Preis, "wir brauchen ein vernünftiges Lärmkonzept. Fritzi und Karl sollen ruhig auch in Zukunft eine Genehmigung bekommen." Nur die Rahmenbedingungen müssten stimmen.

"Wir haben", erklären dagegen die "Fritzis", "keine einzige Poolparty veranstaltet. Und wir haben zu jeder Zeit die Auflagen eingehalten." Das bestätigt auch das Kreisverwaltungsreferat (KVR). Lärmbeschwerden seien erstmals am 10. August an die Behörde herangetragen worden, so KVR-Sprecher Johannes Mayer. "Auflagenverstöße konnten nicht dokumentiert werden."

Andere Nachbarn loben das Konzept - auch die Stadtwerke freuten sich

Im September habe die Polizei zweimal "trotz Schallpegelmessung keine zu hohen Lärmwerte festgestellt". Speziell am 14. August, als auf der Live-Bühne des 1800 Quadratmeter großen Biergartens auf dem Gelände bis 22 Uhr Musik gespielt wurde, fuhren die Betreiber des Interims-Kulturangebots laut Diesing extra "mehrfach mit dem Fahrrad um das Georgenschwaigbad herum", um den Pegel zu messen. "Er war zu jeder Zeit innerhalb der gesetzlich zulässigen Werte."

An Lob von anderer Seite mangelte es nicht: Man habe sich sehr über so ein tolles kulturelles Angebot in direkter Umgebung gefreut", schreibt ein Schwabinger aus der Belgradstraße. Und ein Nachbar, dessen Balkon direkt zum Bad zeigt, findet es toll, dass mit diesem Projekt endlich auch wieder etwas für Kinder und Jugendliche stattfand. Natürlich sei die Musik zu hören gewesen, sagt er. "Aber in einem absolut vernünftigen Rahmen."

Sehr schade finden auch die Stadtwerke den Zwist. Man habe der "Bevölkerung die Möglichkeit geben wollen, diese schöne Grünfläche auch in der Zeit zu genießen, in der das Freibad selbst außer Betrieb ist", betont Sprecherin Doris Betzl. Die Gesamtgestaltung wie auch das Programm des Open-Air-Kinos seien "extra lärmschonend ausgerichtet" gewesen, und der Großteil der Anwohner habe auch keinen Anlass zur Beschwerde gesehen. Wegen der Reibereien wurden sowohl der Kino- als auch der Biergartenbetrieb vorzeitig Mitte September eingestellt. Kommenden Sommer ist wieder eine Nutzung geplant. Der Bezirksausschuss bittet darum, bereits vorab in die Konzeption mit eingebunden zu werden.

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