Die gelbe Tonne kommt, doch was bedeutet das für die Münchnerinnen und Münchner? Fest steht bis jetzt, dass die Stadt ihr System bei der Abfalltrennung grundlegend umstellen will. Von 2027 an sollen die Bürger ihren Verpackungsmüll in neuen, zusätzlichen Tonnen direkt vor dem Haus entsorgen können. Nur Glasflaschen müssen sie weiterhin in die Container an den Wertstoffinseln einwerfen.
Im Stadtrat zeichnet sich vor der Sitzung des Kommunalausschusses, in der am 5. Juni der Beschluss gefasst werden soll, eine breite Mehrheit ab. Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), Kommunalreferentin Jacqueline Charlier und Sabine Schulz-Hammerl von der Spitze des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) haben davor erstmals öffentlich erklärt, warum die Umstellung auf die gelbe Tonne erfolgt, wie sie funktionieren soll und wo die größten Knackpunkte liegen könnten. Ein Überblick.
Wer soll die gelbe Tonne erhalten?
Alle Münchnerinnen und Münchner sollen künftig den Verpackungsmüll vor ihrem Mietshaus oder dem Eigenheim in Tonnen entsorgen können.
Wer ist für das neue System verantwortlich?
Wie bisher für die Container an den Wertstoffinseln wird das sogenannte Duale System Deutschland (DSD) auch für die gelben Tonnen zuständig sein. Der städtische AWM bleibt hier außen vor. Der Gesetzgeber hat Vertreiber von Verpackungen verpflichtet, dass sie für die Entsorgung selbst bezahlen müssen. Das tun sie in Form einer Abgabe an das Duale System, das wiederum Privatfirmen mit der Abholung und Entsorgung beauftragt. Die Stadt München schließt alle drei Jahre einen neuen Vertrag mit dem DSD ab, in dem Details geregelt werden. Allerdings ist der Verhandlungsspielraum der Kommunen hier sehr begrenzt, was auch bei der Einführung der gelben Tonne zu Ärger führen könnte. Die Zielsetzungen sind hier sehr unterschiedlich: Die Stadt will einen möglichst umfassenden Bürgerservice, die private Entsorgungswirtschaft will möglichst wenig Geld ausgeben.
Fallen für die Bürger nun höhere Müllgebühren an?
Erst einmal sind die gelben Tonnen und auch der Abholservice für die Münchnerinnen und Münchner gratis. Sie werden wie die Wertstoffinseln über das Duale System finanziert. Unklar ist noch, ob die privaten Firmen für das Herausziehen der Tonnen aus dem Innenhof oder dem Tonnenhäuschen Geld verlangen dürfen. Bei großen Behältern geht die Stadt davon aus, dass keine Kosten anfallen. Bei kleinen Tonnen verlangen die Unternehmen in anderen Kommunen eine Gebühr, die bei knapp 20 Euro liegt. Wer sich diese ersparen möchte, kann die Müllbehälter an den Abholtagen selbst auf die Straße stellen. Die Gebühren werden wohl Thema der Vertragsverhandlungen der Stadt mit dem Dualen System.
Wie kommt man an eine gelbe Tonne?
Die Stadt geht davon aus, dass diese vor der Umstellung vom Dualen System flächendeckend an die Eigentümer verteilt werden. Wie das genau geschehen soll, muss noch geklärt werden. Eine vorherige Abfrage durch das Duale System und eine Bestellung auf Wunsch halten die Verantwortlichen in München nicht für selbstverständlich. Man werde in den Verhandlungen von der politischen Seite her auf eine gute Kommunikation bei der Umstellung drängen, verspricht Bürgermeisterin Dietl.
Welche Tonnen wird es geben?
Die Stadt rechnet mit drei Größen: Der kleine Behälter fasst 240 Liter, der mittlere 770 und der große 1100 Liter. Das entspricht den bekannten Maßen. Welche Größe wer erhält, obliegt grundsätzlich dem Dualen System. Die Abfallwirtschaftsbetriebe empfehlen den privaten Entsorgern einen Orientierungswert: Die gelbe Tonne soll so viel Volumen haben wie die größte schwarze Restmülltonne.
Wo sollen die gelben Tonnen hin?
Jeder Eigentümer ist selbst dafür verantwortlich. Es könnte sein, dass Platz in Tonnenhäuschen oder Innenhöfen frei wird, weil man auf eine Restmülltonne verzichten kann. Fest steht nur eines: Draußen vor dem Haus auf öffentlichem Grund dürfen sie nicht stehen.
Wie oft wird geleert?
Grundsätzlich möglich ist ein Wochen-, Zwei-Wochen- und Vier-Wochen-Rhythmus. Das hängt auch von der Größe der Tonne ab. Das Ergebnis dürfte Verhandlungssache sein: Die Stadt wird auf möglichst häufiges Entleeren drängen, das private DSD könnte wegen der Kosten auf einen möglichst langen Rhythmus setzen.
Wann kommt die Umstellung?
Das neue System soll zum Januar 2027 eingeführt werden. Dass aber in einer Stadt mit mehr als eineinhalb Millionen Einwohnern flächendeckend und schlagartig zum Stichtag 1. Januar 2027 die Umstellung erfolgt, dürfte auszuschließen sein. Intern gehen die Abfallexperten der Stadt davon aus, dass es schon sechs Monate dauern kann, bis das System mit den gelben Tonnen reibungslos läuft. Um einen fließenden Übergang zu gewährleisten, könnte auch früher begonnen werden.
Muss jeder Eigentümer eine gelbe Tonne annehmen?
Es gibt keinen Zwang, sondern nur den dringenden Wunsch der Politik und wohl auch der meisten Münchnerinnen und Münchner. Grundsätzlich sind Eigentümer nur verpflichtet, die schwarzen Tonnen für den Restmüll, die blauen für Papier und die braunen für den Bioabfall aufzustellen. Stadt und das Duale System müssen klären, wo etwa Mieter ihren Verpackungsmüll entsorgen können, deren Hauseigentümer eine gelbe Tonne verweigert.
Was passiert mit den Wertstoffinseln?
Die etwa 880 Container-Standplätze sollen erhalten bleiben, da Gläser und Flaschen dort weiter entsorgt werden müssen. Die Stadt wird darauf drängen, dass möglichst viele Behälter in Glascontainer umgewidmet werden. Möglicherweise dienen sie auch in sehr begrenzter Zahl weiter der Aufnahme von Verpackungen, damit Menschen ohne gelbe Tonne ihren getrennten Müll noch loswerden können.
Warum kommt die gelbe Tonne jetzt?
München dürfte die letzte Großstadt in Deutschland sein, die ihr System umstellt. Der Unmut der Bürger über das bisherige Bringsystem und verschmutzte Wertstoffinseln wächst schon lange. Bisher hat sich der AWM gegen die gelbe Tonne gesperrt. Begründet wurde das auch mit Vorbehalten, wie das Duale System mit dem gesammelten Verpackungsmüll umgeht. Wo die Verpackungen landen und wie sie tatsächlich verwertet werden, gilt als sehr intransparent. Kritiker unterstellten dem AWM aber auch, dass er Angst um das Geschäft mit der Verbrennung des Restmülls hat, weil das Aufkommen zurückgehen könnte. Nun aber ist das Bekenntnis eindeutig. Es gründet auch auf einem Pilotversuch von Anfang Februar 2024 bis Ende Januar 2025, in dem die gelbe Tonne, eine Wertstofftonne und der gelbe Sack in fünf ausgewählten Gebieten getestet wurden. Das Ergebnis spricht laut AWM eindeutig für die Einführung der gelben Tonne.

