Polizei in München:Flucht aus Stadelheim - Mutmaßlicher Mörder entkommt im Lieferwagen

Der Mann brach aus dem Gefängnis aus, indem er sich in einem Fahrzeug versteckte. Anschließend wurde er von der Polizei wieder festgenommen.

Von Julian Hans

Immerhin etwa zwei Stunden konnte ein flüchtiger Häftling aus der Justizvollzugsanstalt Stadelheim am Dienstag in Freiheit verbringen, dann hat die Polizei den mutmaßlichen Mörder in der Schleißheimerstraße festgenommen. Ein Lkw-Fahrer hatte kurz nach neun Uhr die 110 gewählt, nachdem er einen blinden Passagier bemerkt hatte. Er hatte zuvor in Stadelheim Waren angeliefert; als der Lkw das Gefängnis verließ, war es dem 24-jährigen Untersuchungsgefangenen offenbar gelungen, sich im Fahrzeug zu verstecken.

Der flüchtige Mann habe seit Juni 2020 in Stadelheim in Untersuchungshaft gesessen, erklärte Andrea Leonhardt, Sprecherin des Justizministeriums. "Die Umstände, die zu der Entweichung geführt haben, werden derzeit mit Hochdruck aufgearbeitet." Nur sehr selten gelingt es Gefangenen, aus bayerischen Gefängnissen zu entkommen. Im Jahr 2018 gab es keinen einzigen Ausbruch, im Jahr 2019 sind zwei Ausbruchsversuche gelungen, im Jahr 2020 keiner. Zuletzt hatte im Oktober 2017 ein Gefangener versucht, aus der JVA Stadelheim zu entkommen.

Nach einer Großfahndung konnten Zivilpolizisten den Geflohenen gegen elf Uhr im Hasenbergl festnehmen. Der Mann stammt aus dem Münchner Norden, die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im März vergangenen Jahres in der Hugo-Wolf-Straße im Stadtteil Am Hart einen 25-jährigen Münchner erschossen zu haben. Anwohner entdeckten die Leiche am Morgen hinter dem Steuer seines Porsche Panamera, der am Straßenrand geparkt war. Zehn Tage nach den tödlichen Schüssen aus einer Kleinkaliberwaffe nahm ein Spezialkommando den damals 23 Jahre alten Tatverdächtigen in der Wohnung seiner Freundin im Stadtteil Neuhausen fest.

Der Barkeeper soll sich mit seinem Opfer vor der evangelischen Versöhnungskirche verabredet haben. Den Ermittlungen zufolge hätte er dem 25-Jährigen dort knapp 10 000 Euro Schulden aus einem Drogengeschäft zurückzahlen sollen. Spuren im Auto und die Auswertung der Telefondaten des Opfers führten die Polizei schließlich zu dem mutmaßlichen Täter.

Die Staatsanwaltschaft München I wirft dem inzwischen 24-Jährigen Mord vor. Er habe heimtückisch und aus Habgier getötet, sagte Oberstaatsanwältin Anne Leiding nach der Festnahme im März. Er wurde zunächst in die JVA Augsburg-Gablingen gebracht und im Juni 2020 nach Stadelheim überführt. In welchem Gefängnis er nun auf seinen Prozess warten soll, stehe noch nicht fest, erklärte die Sprecherin des Justizministeriums. Soweit bei dem Ausbruch am Dienstag niemand zu Schaden gekommen ist, wird sich das nicht auf das Strafmaß auswirken - ein Ausbruch aus einem Gefängnis ist nach deutschem Gesetz nicht strafbar.

© SZ.de/dpa/van
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