Geburt in MünchenDie Zwillinge, die an verschiedenen Tagen Geburtstag haben

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Die Eltern Duongmani und Andreas Rachinger sind glücklich. Chefarzt Olaf Neumann freut sich, dass die Geburt der Zwillinge Ella und Emma so gut verlaufen ist.
Die Eltern Duongmani und Andreas Rachinger sind glücklich. Chefarzt Olaf Neumann freut sich, dass die Geburt der Zwillinge Ella und Emma so gut verlaufen ist. Robert Haas

Ella und Emma sind ganz besondere Zwillinge. Wie es zur ungewöhnlichen Geburt kam und warum Zwillingsentbindungen zunehmen.

Von Nicole Graner

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Ella und Emma. 2740 und 2920 Gramm schwer. Ganz rosig ist ihre Haut, ganz glatt. Zwei Wunderwesen, die ziemlich müde sind. Kurz gähnen, die Augen einfach zu lassen und weiterschlafen. Die zweieiigen Zwillingsmädchen sind in der neuen Kinder-und Frauenklinik der München-Klinik in Schwabing auf die Welt gekommen. Vor knapp drei, nein, vier Tagen. Tatsächlich erblickte Ella am 16. Februar um 23.50 Uhr das Licht der Welt. Ihre Schwester erst am 17. Februar – zwei Minuten nach Mitternacht.

Zwölf Minuten Unterschied. Das sei bei Zwillingsgeburten ganz normal, sagt Chefarzt Olaf Neumann. Dass sie aber am Ende an zwei verschiedenen Tagen Geburtstag haben, sei eher selten. Neumann, selbst um Mitternacht geboren, habe das in seiner Laufbahn  jedenfalls noch nicht erlebt.

Die zwei Babys liegen in den Armen ihrer Eltern. Das Glück ist in ihr Gesicht geschrieben, manchmal auch ein ungläubiges Lächeln, dass  sie nun plötzlich noch zwei Kinder haben. Denn zu Hause warten Geschwister auf Ella und Emma – eine zehnjährige Schwester und ein fünfjähriger Bruder. Gewünscht hat sich Mama Duongmani Rachinger, 41,  auf jeden Fall noch ein Kind. Dass es nun zwei sind?  „Umso besser“, sagt sie lachend. Denn sie habe immer eine Familie mit vielen Kindern gewollt.  Die hat sie jetzt. Und ist nur glücklich darüber.

Schon während der Schwangerschaft habe sie gespürt, dass etwas anders sei.  „Ich fühlte mich irgendwie mehr schwanger als bei unseren anderen Kindern“, erinnert sie sich. Und sie wagte eine kleine Vorhersehung.  „Ich glaube, das werden Zwillinge“, sagte sie eines Tages zu ihrem Mann. So ganz wollte Andreas Rachinger, 40, das seiner Frau nicht glauben. Doch dann kam das Ultraschallbild und die Gewissheit. „Kurz geschluckt habe ich schon“, gibt er heute zu.  Jetzt hält er Emma im Arm. Stolz. Immer wieder blickt er auch auf Ella, die auf dem großen Klinikbett liegt. Ein kleines Bündel. In Decken eingekuschelt.

Zwillingsgeburten nehmen zu

Zwillingsgeburten nehmen laut Neumann in den vergangenen Jahren zu. 92 Zwillingspärchen wurden 2024 in der München-Klinik geboren, davon 35 Zwillingspaare in Schwabing. Das liege in erster Linie an der Möglichkeit der künstlichen Befruchtung, sagt Neumann. Aber auch daran, dass mehr ältere Frauen entbinden. „Je älter die Frau, umso eher besteht die Möglichkeit, dass zwei Eizellen befruchtet werden können“, sagt der Chefarzt. Die natürliche Rate – also Zwillinge, die ganz natürlich entstünden – läge nur bei 1,2 Prozent. Ella und Emma gehören zu diesen 1,2 Prozent.

Um 21 Uhr platzte am 16. Februar bei Duongmani Rachinger die Fruchtblase. Sie bekommt Wehen. Um 23.50 Uhr war Ella da. „Da dachte ich mir schon, dass es knapp wird, und die beiden nicht am gleichen Tag Geburtstag haben werden“, erzählt der frisch gebackene Vater.

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Die Geburt sei eine „Traumgeburt“ gewesen, sagt Neumann. Zwei Kinder im Mutterleib, das bedeute zweimal Fruchtwasser, zweimal Plazenta. „Ein Risiko besteht bei einer Zwillingsgeburt einfach immer“, erklärt der Gynäkologe. Man müsse im Kreißsaal auf alles vorbereitet sein. So könne es passieren, dass sich nach der Geburt des ersten Zwillings die Plazenta schon löse, die Plazenta des zweiten Zwillings aber auch. „Obwohl das zweite Kind noch gar nicht auf der Welt ist“.  Manchmal verändere sich auch plötzlich die Lage des zweiten Babys, weil es nach der Geburt des ersten auf einmal mehr Platz habe. Aber diese Zwillinge hätten jeweils eine eigene Fruchthöhle und eine eigene Plazenta gehabt. „Das ist bei Zwillingen die bestmögliche Konstellation“, erklärt der Chefarzt.

Die Kaiserschnittrate sei bei Zwillingsgeburten deutlich höher. „Etwa die Hälfte der Zwillinge kommt bei uns in der Klinik auf natürlichem Weg, also ohne Kaiserschnitt, auf die Welt“, sagt Neumann. Wie auch Ella und Emma.

Leicht sind die Zwillinge nicht auseinander zu halten. Obwohl sie ja nicht eineiig und nicht identisch sind. Doch die Mama kann das schon. „Ella ist im Gesicht viel schmaler und schaut aus wie mein Mann“, sagt sie und blickt ihn liebevoll an. Von der Mutter, die in München geboren ist, aber Wurzeln in Thailand hat, haben beide Mädchen schon mal die dunklen Haare.

Ella und Emma haben immer zur gleichen Zeit Hunger

Andreas Rachinger ist Koch für eine Firmenkantine in München und hat jetzt zwei Monate frei. „Das ist gut“, sagt er. Schließlich hätten die zwei Mädchen immer zur gleichen Zeit Hunger. Da ist jede Hilfe willkommen. Beim Wickeln, beim Fläschchen geben. Noch kann die Mutter nicht beide Babys gleichzeitig stillen. „Aber das ist mein Ziel", sagt die 41-Jährige.

Mutter und Zwillingen geht es sehr gut. Die kleine Familie darf nach Hause. Endlich die großen Kinder umarmen, die schon sehnsüchtig auf ihre kleinen Schwestern warten. Wie sie die Geburtstage ihrer Töchter in Zukunft feiern werden, darüber haben sich Duongmani und Andreas Rachinger noch keine Gedanken gemacht. Vielleicht mit einer großen, gemeinsamen Party. Vielleicht mit zwei kleinen Festen. Egal wie: Ein Wörtchen werden Ella und Emma da später schon mitreden wollen.

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