Wer in München ein Café eröffnen will, hat bei der Standortsuche vermutlich die üblichen Trendviertel im Blick: die Maxvorstadt, das Glockenbachviertel, vielleicht das Westend. An den Kölner Platz zwischen Scheidplatz und Schwabinger Tor wird wohl erst einmal keiner denken. Genau das macht ihn für Genc Belegu attraktiv. Der Gründer von Morso wird dort in wenigen Wochen sein fünftes Café eröffnen.
Angefangen hat alles mit dem ersten Morso an der Nordendstraße. Seinen Kaffee holt man sich dort am Tresen selbst und fühlt sich dabei trotzdem nicht wie im schnelllebigen Coffeeshop. Die Einrichtung ist warm und einladend, die Cornetti sind selbstgebacken, und der Kaffee, den die Rösterei Turm Kaffee in St. Gallen für Morso röstet, schmeckt wunderbar.
Es folgten weitere Ableger an der Elisabethstraße, an der Theresienstraße und an der Tattenbachstraße – allesamt gute Standorte, allerdings mit viel Konkurrenz in der Nachbarschaft. Besonders die Filiale an der Theresienstraße, wo die Café-Dichte hoch ist und zuletzt Billiganbieter wie Lap Coffee den Markt aufgemischt haben, funktioniere trotz Top-Lage nicht so wie gedacht, sagt Belegu.
Dagegen wird er mit seinem Morso am Kölner Platz der Platzhirsch sein. Mit seinen hohen Decken und großen Fenstern bietet das neue Café Belegu viel Raum zum Austoben. Der gelernte Innenarchitekt richtet nämlich all seine Cafés selbst ein. Dabei setzt er auf erdige Farben, gute Akustik und eine Einrichtung im Stil der Sechziger- und Siebzigerjahre.
Am Kölner Platz wird es das gewohnte Sortiment geben, bloß Alkohol wird nicht ausgeschenkt werden. Spätestens in einem Monat soll das neue Morso eröffnen. Im Café an der Elisabethstraße, das inzwischen Belegus Tochter übernommen hat und das aktuell wegen Renovierung geschlossen ist, soll es schon in zwei Wochen wieder losgehen (Morso, Kölner Platz 7, www.morso-cafe.de).
In der Westendstraße eröffnet A Little West
Auch die Café-Familie rund um das Lost Weekend an der Schellingstraße vergrößert sich. Dessen dritter Ableger namens A Little West hat diese Woche an der Westendstraße eröffnet, wo bis Ende Januar noch das Ladencafé Fika zu finden war. Während das Lost Weekend vor allem von Studierenden als Café, Konzertbühne und Co-Working-Space genutzt wird und das Schwestercafé A Little Lost am Hauptbahnhof ein beliebter Frühstücksort für Reisende ist, soll im Little West der Fokus auf Kaffee und Kuchen liegen.
Gebacken wird frisch an Ort und Stelle von einer, die sich mit Süßem auskennt: Tanya Naughton ist gelernte Köchin, hat unter anderem als Patissière für Sternekoch Tohru Nakamura gearbeitet und ist seit Jahren Teil des Lost-Weekend-Teams. Nun versorgt sie auch das Westend mit ihren veganen Kuchen-Kreationen. Überhaupt werden im A Little West alle Speisen und Getränke vegan zubereitet, darunter Sandwiches, Kichererbsensalat und bald auch Tagessuppen.
Wie zuvor das Fika, dessen Betreiber das Café aus privaten Gründen aufgegeben haben, wird auch das A Little West ein Ladencafé bleiben, wo Gäste Bücher und Möbel aus zweiter Hand kaufen können. Die Bücherregale im Separee will Naughton deshalb noch bis unter die Decke weiter aufstocken und auch den kleinen Innenhof macht sie bereit für den Frühling, damit man dort bald Kaffee und Kuchen im Freien genießen kann (A Little West, Westendstraße 87, Montag bis Samstag 8 bis 17 Uhr, www.alittlewest.de).
Während ein neues Café im Westend entsteht, muss sich ein anderes aus dem Viertel verabschieden: Das Bean Batter an der Schwanthalerstraße wird nach kommendem Wochenende seine Türen schließen. Gut sieben Jahre lang war es eine beliebte Adresse für herausragenden Kaffee und frische Waffeln. Doch weil sich der Betreiber Paul von Tettenborn nicht länger zweiteilen kann, wird er sich in Zukunft voll und ganz seinem Standl 20 auf dem Elisabethmarkt widmen.
Dort wird er weiterhin Kaffee von seinem Geschäftspartner, dem Röster Johannes Bayer, servieren, und auch die meisten Mitarbeiter aus dem Bean Batter kann von Tettenborn ins Standl 20 hinüberretten. Bis Sonntag bleiben aber noch ein paar Tage Zeit, um das Team ein letztes Mal im Westend zu besuchen (Bean Batter, Schwanthalerstraße 123, täglich 10 bis 17 Uhr, www.bean-batter.de).

