Man hört, es gebe was Neues, fährt hin und stellt fest: Sieht doch genauso aus wie davor! „Hmpf, Falschmeldung“, denkt man und bleibt trotzdem auf eine Fischsemmel. Und siehe da, da ist sie, die Neuerung; leise auf dem Teller, statt laut zu schreien mit einer neuen schicken Einrichtung oder einem überarbeiteten, hippen Konzept. Irgendwie erfrischend, wie das Fischbistro Ticaret am Großmarkt das gemacht hat. Klebte der neue Name nicht an der Fensterscheibe, könnte man meinen, Birhan Babayigits kleiner Fischmarkt laufe genauso weiter, wie er das an selber Stelle schon seit bald 30 Jahren tut. Doch Babayigit wird neuerdings von Sven „Katmando“ Christ in der Küche unterstützt.
Der Koch, Autor, DJ und leidenschaftliche Isar-Fischer hat zuletzt Bierbichlers Fischmeister in Ambach am Starnberger See zu neuem Glanz verholfen. Sein Spitzname „Katmando“ gehe auf seine Zeit als Graffiti-Künstler zurück, erklärt Christ. Jetzt am Großmarkt blicke er wieder auf besprühte Wände – so schließt sich der Kreis. Aber warum wechselt man vom Küchenchef-Posten im Promilokal in ein kleines Fischbistro? „Weil ich hier machen kann, was ich will“, sagt Christ. „Ich bediene mich einfach an der Theke und wende alles an, was ich gelernt habe.“ Oft wisse er mittags noch nicht, was er abends auf die Karte schreibt – „könnte bis dahin ja ausverkauft sein.“
„Balik Ekmek“, eine Art Fisch-Döner, gibt es immer. Christ füllt ihn mit Salat, Pickles, Salzzitrone, frischen Kräutern, Sumak und einer herrlich knusprigen Makrele dank des Zuckers in der Beize. „Der knallt in der heißen Pfanne sofort“, weiß Christ. Das Bistro hat jetzt auch abends geöffnet – ideal für die Gute-Nacht-Fischsemmel (Ticaret, Thalkirchnerstraße 126, Bistro Mittwoch bis Samstag 11.30 bis 14 Uhr und 18 bis 22.30 Uhr, www.ticaret-munich.com).
Auch im Stemmerhof gibt es ein neues Fischlokal: Der Tuna Fish Club ist das jüngste Projekt von Matthias Meyer und Partnern, mit denen er unter anderem bereits die Stenz Cucina e Bar in der Lindwurmstraße nebenan betreibt. Mittags gibt es vollwertige Gerichte wie Pasta Vongole oder Fischsuppe, am Abend wählt man mehrere kleine Teller zum Teilen.
„Thunfisch haben wir immer da“, sagt Meyer. Bei der „Tuna Fight Night“ wird einmal im Monat ein ganzes Tier vor den Gästen zerlegt und von Kopf bis Flosse verarbeitet oder zum Teil auch versteigert (Tuna Fish Club, Plinganserstraße 6, Montag 17.30 bis 23 Uhr und Mittwoch bis Sonntag 11.30 bis 23 Uhr, www.tunafishclub.de).
Nach dem Sparkling Bistro, dem Tschecherl und dem Obers widmet sich bald auch Jürgen Wolfsgruber dem Thema Fisch. Das Fogosch soll eine lebendige und unprätentiöse Fischbar werden, erklärt der Sternekoch; kein Menü, keine Tischdecken, kein „Bullshit“. Soll heißen: nur frischester Fisch direkt vom Boot auf den Teller. Gegessen wird mitunter an einem langen Tresen und auch einen Straßenverkauf für Fritto Misto direkt aus dem Küchenfenster heraus soll es geben. Los geht es frühestens Anfang Februar, noch wird dort gewerkelt (Das Fogosch, Amalienstraße 81).

