Hilfe aus München:Ein "Kultur-Truck" für die zweitgrößte Flüchtlingssiedlung der Welt

Kulturtruck Gasteig

Der Kultur-Truck soll eine weite Bandbreite an Kultur nach Uganda bringen.

(Foto: Friedrich Bungert)

270 000 Exilanten aus dem Südsudan leben in Bidi Bidi - ihnen will das Münchner Projekt helfen. Vor der Abfahrt nach Uganda steht die mobile Bühne am Gasteig.

Von Michael Zirnstein

Mächtig steht der Lkw da auf drei Achsen zwischen S-Bahn-Aufgang und Gasteig. Die Seitenwand aufgeklappt als Bühne mit Kinoleinwand, und hinter dieser eine ganze Wand Einbauschränke für massig Instrumente und Equipment. Vor zwei Jahren war der "Kultur-Truck" noch eine vage Idee des Münchner Vereins "Music Connects". 2019 war eine Delegation um Verena-Maria Fitz, Geigerin im Orchester der Staatsoper, nach Uganda gereist, um dort mit jungen Flüchtlingen zu musizieren und herauszufinden, was diese brauchen. "Wir sind auf Musikbesessene gestoßen, die sollten überall gehört werden", sagt Fitz, "aber ihnen fehlt die Infrastruktur."

Ihr Verein suchte nach einer "maßgeschneiderten Lösung" und dachte sich einen Lkw als Bühne, Kino, Tonstudio und Internetstation aus. Damit würde man in Bidi Bidi, der zweitgrößten Flüchtlingssiedlung der Welt, auf dem 250 Quadratkilometer weiten Areal die 270 000 Exilanten aus dem Südsudan erreichen können.

Zufällig stieß man auf eine Ausschreibung des Auswärtigen Amts für Kreativwirtschaftsaustausch mit Afrika - und erhielt tatsächlich 250 000 Euro für das "Lab Uganda". Nicht viel für ein einjähriges Projekt, das zehn Festangestellte in Afrika ernähren soll. "Bei allem haben wir geschaut, was passt ins Budget und taugt für Bidi Bidi", sagt Logistik-Chefin Annette Davidson. So kaufte der Verein etwa vom Bayerischen Rundfunk vergünstigt einen Lkw, der trotz Schadstoffschlüssel Euro 4 ugandischen Diesel verträgt.

Ebenso wichtig war die Partnersuche. In Uganda wird die NGO "Brass for Africa" die Kulturarbeit stemmen. In München machte Max Wagner das ehrenamtliche Projekt zu seiner "Herzensangelegenheit". Der Geschäftsführer des Gasteig findet: "Ein Kulturraum, der eine Bühne bietet und Brücken schafft, das ist ja wie ein kleiner Gasteig." Er will Hilfestellung durch Techniker leisten (auch an Ort und Stelle) und bietet dem Truck derzeit einen Stellplatz für den Testlauf.

Im Juli machen viele Flüchtlinge von Bellevue di Monaco Programm mit Film und Diskussion (15. Juli), Musik (16.), Tanz (17.), Theater (23.) und mehr. Dann wird der Lkw verschifft und im September übergeben. Helmut Schranner, der das rollende Tonstudio in der Holledau geplant und ausgebaut hat, will dabei sein in Bidi Bidi: "Wir reisen in Lederhose und mit Quetschn an, dann spielen wir mit den Kindern. Des woas i gwiss, dass des a richtige Gaudi gibt."

© SZ vom 15.07.2021/infu
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