Seit einigen Tagen schwebt ein riesiges Gebilde mitten in der Halle E im Gasteig in Sendling. Es wirkt imposant, ist fast so groß wie die Halle. Was genau es ist, lässt sich jedoch nicht erkennen, denn es wird von einem ebenso großen, weißen Tuch verhüllt. Nur ganz leicht schemenhaft lässt sich erahnen, was sich dahinter verbirgt.
Gestaltet wurde die Arbeit von Ayzit Bostan, einer renommierten Künstlerin mit türkischen Wurzeln, die als Kind 1972 nach München kam und seitdem hier lebt. Bostan, ursprünglich gelernte Damenschneiderin, ist heute eine feste Größe an der Schnittstelle zwischen Mode, Kunst und Design. Ihre Arbeiten wurden bereits in Mailand, Paris und auch der Rathausgalerie München ausgestellt und vielfach ausgezeichnet – zuletzt mit dem Münchner Designpreis.

Nun soll der Auftakt der Jubiläumssaison mit der feierlichen Enthüllung ihrer Kunstinstallation beginnen. Und das hat einen Grund: Minimalismus, Humor, Eleganz und bewusste Stilbrüche prägen ihre Werke. Gerade deswegen erscheint Bostan für den Gasteig als gute Wahl – mit ihrer Kunstinstallation „Play“ spielt sie mit der Atmosphäre und dem Industriecharme der Halle E und soll so Kunst für Besucher und Besucherinnen erfahrbar machen. Mehr weiß man noch nicht über das Kunstwerk, außer: Es soll zum interaktiven Erleben einladen. Im Anschluss der feierlichen Enthüllung wird es für die gesamte Jubiläumssaison zu sehen sein.
Nach dem Kunsterlebnis kommt der Tanz: Für die musikalische Untermalung sorgen zwei Münchner Szenegrößen – die DJs Benjamin Röder und Manuel Kim. Sie sind bekannt durch ihre Open-Air-Reihe „Hytop“. Die musikalische Mischung aus Disco und Soulful Music soll der Halle E frischen Wind einhauchen und die Feierlichkeiten mit Party- und Tanzstimmung einläuten.
Der eigentliche Geburtstag wird am 12. November unter dem Titel „40 Jahre Gasteig – Die Geburtstagsüberraschung“ gefeiert. Auch da soll es ein buntes Programm mit Musik, Theater und Spielen geben. Das große Finale der gesamten Jubiläumssaison ist erst für Juni 2026 geplant. Bei beiden Veranstaltungen ist der Eintritt kostenlos.
Gefeiert wird also zwei Tage nach dem eigentlichen Geburtstag. Am 10. November 1985 wurde das Gebäude in Haidhausen mit einem Festkonzert der Münchner Philharmoniker unter Sergiu Celibidache glanzvoll eröffnet, auch der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker war anwesend. Der Gasteig hat sich zum größten Kulturzentrum Europas entwickelt, das die großen Münchner Kulturinstitutionen Philharmonie, Zentralbibliothek, Volkshochschule und Musikhochschule beherbergte. Mittlerweile hat sich das aber geändert. Der Gasteig soll generalsaniert werden, die Veranstaltungen finden im Interimsquartier, in der Halle E des HP8-Gebäudes in Sendling, statt.
Dort ist der Gasteig seit mittlerweile vier Jahren untergebracht – notgedrungen. Doch die Bauarbeiten in Haidhausen haben noch nicht einmal begonnen, die Wiedereröffnung liegt in weiter Ferne. Aktuell laufen noch Ausschreibungen über die nach einem Totalunternehmer gesucht wird, der den Bau komplett übernehmen soll. Angesichts des gigantischen Bauvolumens kommen weniger als eine Handvoll Unternehmen in Deutschland überhaupt dafür infrage. Sollte es – nach aktuellem Plan 2027 – doch losgehen, schätzt man den Beginn der Wiedereröffnung auf 2034. Die Kosten sind längst ins Unüberschaubare gestiegen, und der Frust darüber parallel.
Der Blick auf das Jubiläum bleibt entsprechend ambivalent. Denn während das Kulturzentrum sein 40-jähriges Bestehen begeht, kämpft es zugleich mit der Gestaltung seiner Zukunft. Aber erstmal sollen die Kultur und ihre Kraft, Gemeinsames auf die Beine zu stellen, gefeiert werden. Und das eine ganze Saison lang.
40 Jahre Gasteig – Die Party, Halle E, Gasteig HP8, Sendling, Mittwoch, 15. Oktober, 20 Uhr, weitere Infos

