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Pleite nach Corona-Schließung:Gasteig-Gastronomie meldet Insolvenz an

Gast-Mitarbeiter fordern am Dienstag ihren ausstehenden Lohn.

(Foto: Stephan Rumpf)

Betroffen sind neben dem Restaurant Gast auch das Bistro Le Copain, die Pausengastronomie und das Catering. Erst kürzlich war der Paulaner im Tal als erstes prominentes Wirtshaus wegen der Corona-Krise pleite gegangen.

Für das Kulturzentrum am Gasteig ist es ein Paukenschlag ohne die dazugehörige Symphonie: Die gesamte Gastronomie des Hauses hat am Montag Insolvenz beim Amtsgericht München angemeldet. Der Grund ist die coronabedingte Schließung des Kulturzentrums seit Mitte März. Betroffen sind neben dem Restaurant Gast auch das Bistro Le Copain, die Pausengastronomie und das Catering. Die beiden Speiselokale hätten eigentlich am Montag - wie alle anderen in der Stadt auch - wieder öffnen dürfen.

Stattdessen musste die Geschäftsführung an diesem Tag den Gang zum Insolvenzgericht antreten. "Die Corona-Krise hat uns vollständig ausgebremst", sagte Geschäftsführer Marc Uebelherr am Dienstag, "es gibt ja keine Perspektive, wann der Veranstaltungs- und Konzertbetrieb wieder beginnen kann, und unser Mietvertrag läuft ja bereits in einem Jahr aus."

Mehr als 15 Jahre lang hatte die Gasteig Kult und Speise GmbH die Gastronomie in dem großen Kulturzentrum betrieben. Sie war der erste große Schritt von Uebelherr zum Aufbau eines Münchner Gastro-Imperiums. Das Handwerk hat er bei Käfer gelernt, wie er heute noch gerne erzählt, sein erstes Lokal war dann das Zoozie's am Baldeplatz. Es wurde schnell zur Szene-Kneipe schlechthin. Heute heißt es Fugazi, Marc Uebelherr ist immer noch daran beteiligt. Dort begann seine Erfolgsgeschichte, die er konsequent auf der Zusammenarbeit mit mehreren Partnern gründete.

So gewann er die Ausschreibung für den Gasteig zusammen mit Uli Springer und Simi Berst. Im Laufe der Zeit kamen das Oskar Maria im Literaturhaus, das KVR - Kapitales vom Rind in Schwabing, das Salotto im Lehel, das Koi am Wittelsbacherplatz und der Salon Pitzelberger im Gärtnerplatztheater hinzu. Zuletzt verbündete sich Uebelherr mit der Düsseldorfer Investmentgesellschaft 12.18, um sein italienisches Restaurantkonzept Oh Julia!, in München für das Einkaufszentrum Hofstatt erfunden, zur Kette auszubauen.

Die anderen Aktivitäten Marc Uebelherrs und seiner Partner sind von der Insolvenz nicht betroffen. "Dort ist die Situation auch jeweils anders", sagt er. Wie es am Gasteig mit der Gastronomie und den mit allen Aushilfen gut 90 Beschäftigten weitergeht, ist noch offen. Am Dienstag versammelten sich spontan an die 30 Mitarbeiter vor dem Restaurant Gast. Laut Betriebsrätin Maria Betzenbichler haben sie erst durch die Medien von der Insolvenz erfahren, ihr April-Gehalt sei noch immer nicht ausbezahlt worden. Dies wird dann wohl der vom Amtsgericht einzusetzende Insolvenzverwalter übernehmen. Das Kulturzentrum müsse nun die weitere Entwicklung abwarten, so Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner: "Wir sind traurig, dass diese lange und gute Zusammenarbeit so endet." Gastronomie und Kultur gehörten zusammen.

Insolvenzen nach Corona-Schließung

Die Gasteig-Gastronomie mit zwei Lokalen, der Pausenbewirtung und dem Catering ist das zweite prominente Opfer der Corona-Krise. Das erste war die Traditionswirtschaft Paulaner im Tal von Promi-Wirt Putzi Holenia, der schon vor gut zehn Tagen Insolvenz anmelden musste. Während beim Gasteig unklar ist, wann der Veranstaltungsbetrieb wieder aufgenommen werden kann, gelten beim Paulaner im Tal die wohl noch länger ausbleibenden Touristen als Hauptgrund für den finanziellen Engpass. Auch der ehemalige CSU- und Bayernpartei-Stadtrat Mario Schmidbauer, Pächter des Imbiss-Kiosks im Michaelibad, hat inzwischen Insolvenz angemeldet und führt das auf die Corona-Krise zurück. Ein weiteres Opfer der Pandemie ist Hofer - der Stadtwirt. Die Gaststätte befindet sich in einem der ältesten Bürgerhäuser der Stadt zwischen Diener- und Burgstraße. Hier verzichtete der Wirt freiwillig auf die Wiedereröffnung, weil sich das Lokal bis zum Ende des Pachtvertrags in einem Jahr nicht mehr wirtschaftlich betreiben ließe. Franz Kotteder

© SZ vom 27.05.2020/imei
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