Süddeutsche Zeitung

Handyspiel:Zocken mit dem Bierhupferl

Zwei Szenewirte haben ein Handyspiel entwickelt - ein dynamischer Hindernislauf über eine lange Münchner Straße.

Von Franz Kotteder

Dass Bierkonsum zu gesteigerter Beweglichkeit führt, würden selbst die Marketingabteilungen von Großbrauereien nicht behaupten. Schließlich kommt der Begriff "Bierdimpfl" daher, dass der Biertrinker felsenfest auf seiner Bierbank verharrt und still vor sich hin dimpfelt.

Jetzt aber soll Tempo in die Sache kommen. Das haben jedenfalls die beiden Szenegastronomen Tobias Greiner, 34, vom Flex in der Ringseisstraße und Max Heisler, 33, von der Geyerwally in der Geyerstraße vor. Die beiden haben das "Bierhupferl" erfunden - ein kostenloses und werbefreies Spiel fürs Handy, bei dem der Spieler eine lange Straße in München entlangläuft und dabei über allerlei Hindernisse hinweghüpfen muss. Die sind münchentypisch: mal ein Hydrant, mal ein Elektroroller, dann vier riesige SUV-Reifen, und sogar eine Schwabinger Fliegerbombe taucht auf. Im Hintergrund sieht man Münchner Silhouetten, vom Olympiaturm über das Rathaus bis hin zum Sechzger-Stadion. Allzu sehr sollte man sich darauf freilich nicht konzentrieren, weil man sonst gleich am nächsten Hindernis scheitert. Darum kommt man nur herum, wenn man zuvor ein Herz erobert hat - das bedeutet nämlich ein Leben mehr.

Gelingt der Hupfer (und noch viele weitere), dann passiert es, dass einem Tobi vom "Team Flex" mit einer frischen Halben zuprostet, oder auch Max vom "Team Geyerwally". Zuprosten ist wichtig, denn das bringt Punkte, so kann man Biere sammeln oder Kneipen besuchen. Möglicherweise, so haben es sich die beiden Macher jedenfalls ausgedacht, wird sich so ein digitaler Highscore auch mal analog auszahlen. "Für das Team, das bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die meisten Punkte hat", so Max Heisler, "soll's dann auch mal Freibier geben, in einer unserer Kneipen." Zusammen haben sie da eine gewisse Auswahl, denn Heisler betreibt neben der Geyerwally noch das Craft-Beer-Lokal Frisches Bier und den Getränkemarkt Bierkiste in der Zenettistraße. Dort kamen sie auch auf die Idee mit dem Bierhupferl: "Die Internetverbindung ist dort ganz schlecht, deshalb funktioniert das Spiel Dino-Run des Chrome-Browsers nicht gut", sagt Heisler.

Greiner hat vor drei Jahren damit begonnen, Spiele zu entwickeln. Die Firma dazu nannte er aus reiner Gaudi Van der Plauze. Gerade erst hat er für ein neues, "noch streng geheimes Projekt" 12 000 Euro Fördergeld vom Freistaat Bayern bekommen. In das Bierhupferl, das jetzt im Google Playstore und bei Apple erhältlich ist, hat er "an die 450 Stunden Arbeit gesteckt, hauptsächlich fürs Programmieren, da ist Pixel für Pixel handgemalt". Zeit genug hat man ja als Gastronom in diesen Tagen. Und es soll auch noch mehr werden. "Das Spiel soll ja eine Verbindung zur Realität bekommen", sagt Heisler, "wir haben schon Updates geplant!"

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SZ vom 14.04.2021/vewo, van
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