Kleiner bauen als geplant am RotkreuzplatzDas Galeria-Kaufhaus muss schrumpfen

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Die bisherigen Varianten sahen für den Neubau einen Hochpunkt am Rotkreuzplatz zwischen 30,5 und 36,7 Metern Höhe vor.
Die bisherigen Varianten sahen für den Neubau einen Hochpunkt am Rotkreuzplatz zwischen 30,5 und 36,7 Metern Höhe vor. OSA Architekten
  • Die Stadtgestaltungskommission fordert eine niedrigere Bauweise für den geplanten Neubau am Rotkreuzplatz als die ursprünglich vorgesehenen 30,5 bis 36,7 Meter Höhe.
  • Der Neubau soll etwa 27 100 Quadratmeter umfassen mit Büros, Hotel, Wohnungen und Einzelhandel, wobei die Zukunft der Galeria-Filiale fraglich ist.
  • Die OFB Projektentwicklung kaufte das Grundstück 2024 aus der Signa-Insolvenzmasse und plant eine Verdopplung der Geschossfläche.
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Die Experten der Stadt machen den Architekten Vorgaben für den Neubau, in dem auch Büros, Wohnungen und ein Hotel unterkommen sollen. Um die bisherige Kaufhaus-Filiale steht es schlecht.

Von Sebastian Krass

Der geplante Neubau an der Stelle des Galeria-Kaufhauses am Rotkreuzplatz in München ist aus städtebaulicher Sicht denkbar – wenn er niedriger ausfällt als bisher geplant. Dieses Urteil hat die Stadtgestaltungskommission in ihrer Sitzung am Dienstagabend den Bauherren, deren Architekten und der Lokalbaukommission (LBK) der Stadt für die nächsten Schritte mit auf den Weg gegeben. Die Gestaltungskommission ist ein Beratungsgremium für bedeutende Bauprojekte in München.

Gleich zu Beginn der Diskussion über das Vorhaben gab Stadtheimatpfleger Bernhard Landbrecht den Ton vor. Aus seiner Sicht sind zwei wesentliche Bedingungen zu beachten: „die bedeutende Sichtachse“ über die Nymphenburger Straße, an deren Ende der Neubau entstehen soll, sowie das dem bisherigen Kaufhaus benachbarte, etwa 55 Meter hohe Schwesternwohnheim am Rotkreuzplatz. „Das ist eines der besten Hochhäuser, die wir in München haben“, so Landbrecht. „Neben einem solchen Hochhaus gibt es keine weiteren Götter.“

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Deshalb verwarf er die drei Varianten, die Fabian Ochs von OSA Architekten zuvor präsentiert hatte: Sie sahen für den Neubau einen Hochpunkt am Rotkreuzplatz zwischen 30,5 und 36,7 Metern Höhe vor. Der Neubau dürfe aus seiner Sicht „maximal die Firsthöhe der umgebenden Bebauung“ erreichen, sagte Landbrecht. Im Gegenzug müsse das oberste Geschoss nicht wie bisher als sogenanntes Staffelgeschoss zurückspringen, sondern dürfe bis vorn zur Gebäudekante reichen. Landbrechts Urteil schlossen sich danach mehrere Mitglieder der Stadtgestaltungskommission an.

Die aktuellen Pläne sind eine Folge der Pleite von René Benkos Signa-Konzern, dem auch die Immobilie des ehemaligen Kaufhof am Rotkreuzplatz gehörte. Die OFB Projektentwicklung, eine Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), kaufte das Grundstück Donnersbergerstraße 3/Pötschnerstraße 5 im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg im Jahr 2024 aus der Signa-Insolvenzmasse, dem Vernehmen nach für etwas weniger als 80 Millionen Euro.

Inzwischen hat OFB dort ein Immobilienprojekt entwickelt, mit dem sich die Geschossfläche auf dem Grundstück nahezu verdoppeln würde – was mit einer erheblichen Wertsteigerung einherginge. Nach bisherigem Planungsstand soll der Neubau etwa 27 100 Quadratmeter haben, 13 200 Quadratmeter sind für Büros vorgesehen, 5400 Quadratmeter für ein Hotel, 2400 Quadratmeter für Wohnen – und noch 6100 Quadratmeter für Einzelhandel.

Ob die Galeria-Filiale dort eine Zukunft hat, ist zumindest fraglich. Anfang März meldete der Kaufhaus-Konzern, dass man für acht Filialen, darunter die am Rotkreuzplatz, die Mietverträge nachverhandeln wolle, es bestehe „auch die Möglichkeit von Schließungen“.

Galeria könnte die Filiale am Rotkreuzplatz aufgeben, hieß es am Rande der Sitzung.
Galeria könnte die Filiale am Rotkreuzplatz aufgeben, hieß es am Rande der Sitzung. Robert Haas

Am Rande der Kommissionssitzung am Dienstag war zu hören, dass der Mietvertrag im kommenden Jahr auslaufe und damit zu rechnen sei, dass Galeria die Filiale aufgebe. Eine Konzernsprecherin verwies am Mittwoch auf eine zwei Wochen alte Mitteilung, in der es heißt, Galeria kämpfe „für den Erhalt unserer Filialen“. Darüber hinaus gebe man „zu Inhalten derzeit laufender Gespräche und Mietverhandlungen keine Auskunft“, so die Sprecherin. „Auch zu möglichen Auswirkungen auf einzelne Filialen oder Mitarbeitende möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Spekulationen kommentieren.“

Linke-Stadträtin Brigitte Wolf, die der Stadtgestaltungskommission angehört, betonte die Bedeutung des Kaufhauses „als Frequenzbringer und als sehr wichtigen Baustein für das Zentrenkonzept Neuhausen“. Man finde dort „alles fürs tägliche Leben, ohne dass man dafür in die Stadt muss“. Sie würde, so Wolf, „gern anregen, dass es nicht nur im Untergeschoss und im Erdgeschoss Einzelhandel gebe, sondern auch ein oder zwei Geschosse oben drauf“.

Die architektonische Planung sieht vor, dass vom bisherigen, 1980 fertiggestellten Bau die drei Untergeschosse sowie das Erdgeschoss erhalten bleiben. Der erste und der zweite Stock des Kaufhauses sollen abgerissen werden. „Damit erhalten wir 66 Prozent der Substanz“, sagte Architekt Ochs in seiner Präsentation. Überdies wolle man die Ziegel, die das markante Erscheinungsbild prägen, „vorsichtig“ entfernen und später wiederverwenden. Zudem ist vorgesehen, ins Innere des Blocks einen Hof hineinzuschneiden, um die Büros mit natürlichem Licht zu versorgen. Das Kommissionsmitglied Peter Brückner warf in diesem Zusammenhang die Frage auf, „ob so viel weg muss oder ob noch mehr Erhalt von Bausubstanz geht“.

Im Hochpunkt, den Ochs vorschlug, sollte oben eine öffentliche Nutzung mit Restaurant und Bar „mit Blick über die Dächer der Stadt“ unterkommen. Ob das mit der nun nötigen Neuplanung erhalten bleibt, ist offen. Architekt Ochs sagte aber am Ende der Diskussion, er könne mit dem nun gewünschten Gebäudetyp „gut was anfangen“, und man werde es dann auch „von der Nymphenburger Straße aus nicht mehr sehen“.

Ein Thema, das noch eine größere Rolle spielen könnte, ist der Wohn-Anteil. Ein Vertreter der LBK hatte eingangs betont, für das Projekt seien zahlreiche Befreiungen, also Ausnahmen vom geltenden Bebauungsplan nötig. „Wir würden uns leichter damit tun, wenn mehr Wohnungen drin wären“, so der städtische Mitarbeiter. „Dann könnten wir das als Teil der Bauturbo-Welt leichter rechtfertigen.“ Mit dem sogenannten Bauturbo will der Bund die Genehmigungen von Wohnbauprojekten beschleunigen. Der Investor und seine Architekten müssen jetzt überlegen, ob sie auch diesen Hinweis aufnehmen.

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