Süddeutsche Zeitung

Kaufhaus-Schließungen:Erleichterung in München: Alle Galeria-Standorte bleiben

Lesezeit: 2 min

Deutschlandweit müssen 16 Filialen schließen, doch die vier Münchner Standorte von Galeria Karstadt Kaufhof bleiben erhalten. Bedroht schien vor allem das Kaufhaus am Rotkreuzplatz. Dort gab es nach Erhalt der guten Nachricht ein Gläschen Sekt.

Von Barbara Galaktionow, Michael Kläsgen und Sebastian Krass

Alle vier Münchner Filialen des finanziell angeschlagenen Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof bleiben erhalten - auch der Standort am Rotkreuzplatz. Von den Münchner Filialen galt sie in der aktuellen Insolvenzphase als die am ehesten gefährdete. Als Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus am Samstag die Liste der 16 von insgesamt 92 Kaufhof-Filialen in Deutschland bekanntgab, die schließen müssen, waren darunter auch drei in bayerischen Städten, nämlich Augsburg, Regensburg und Würzburg, aber keine in der bayerischen Landeshauptstadt.

"Die Erleichterung ist natürlich groß", sagt Alfred Birkenmayer, Betriebsratsvorsitzender der Filiale am Rotkreuzplatz, die besonders von der Schließung bedroht schien. "Wir haben heute früh eine Mitarbeiterversammlung gehabt und ein Gläschen Sekt getrunken." Allerdings sei die Freude natürlich getrübt durch die Schließungen an anderen Standorten, gerade zu den bayerischen seien die Verbindungen eng.

Die 80 Galeria-Beschäftigen der Filiale am Rotkreuzplatz, aber auch die 40 Beschäftigten der angeschlossenen Markthalle, die in einer anderen Gesellschaft angestellt sind, müssen also nicht länger bangen. Warum es das Kaufhaus am Rotkreuzplatz nun doch nicht traf, ob womöglich in den Verhandlungen eine Reduzierung der Miete erreicht werden konnte, weiß Birkenmayer selbst noch nicht. Der Standort habe mit den geplanten Neubauten in Neuhausen, in denen eine kaufkräftige Kundschaft zu erwarten sei, eine gute Perspektive. Er sei eigentlich "profitabel, wenn halt diese Wahnsinns-Mietbelastung nicht wäre".

Als Vermieterin agiert am Standort Rotkreuzplatz eine Immobilien-Tochterfirma aus René Benkos Signa-Konzern, zu dem bisher auch der Kaufhaus-Konzern Galeria gehört hat. Die Signa-Vermieterfirma allerdings verlangte von der Signa-Kaufhaussparte eine enorm hohe Miete für das Gebäude. Dem Vernehmen nach lag sie bei gut 18 Prozent des Umsatzes, als angemessene Miete gelten an einem guten Standort wie München zehn bis zwölf Prozent.

Details der Verhandlungen kennen auch Münchens Verdi-Chef Heinrich Birner und Stadträtin Anna Hanusch (Grüne) bislang nicht. Birner zeigt sich jedenfalls erst mal "froh", dass das Kaufhaus am Rotkreuzplatz und damit die Arbeitsplätze und die Einkaufsmöglichkeiten für die Bewohner der Gegend erhalten bleiben. "Ich hoffe, dass nun für die nächsten Jahre Ruhe ist", sagt der Gewerkschafter. "Große Freude" über die Nachricht herrscht auch bei Grünen-Politikerin Hanusch, die auch Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg ist. Denn der Rotkreuzplatz sei ein Standort, der "durchaus funktioniert und für unser Viertel wichtig ist".

Für die übrigen Filialen waren die Perspektiven schon zu Beginn der aktuellen Galeria-Insolvenz gut gewesen. Das Haus am Marienplatz hat zwar auch eine hohe Mietbelastung, ist aber die umsatzstärkste Filiale des ganzen Konzerns. Die Filialen an der Münchner Freiheit und im Olympia-Einkaufszentrum haben dem Vernehmen nach moderate Mieten und zugleich gute Umsatzzahlen.

(Mit Material von dpa)

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