Uraufführung von Doderer-Turrinis „Der tollste Tag“ am GärtnerplatztheaterSchärfer als Mozart

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Der aufmüpfige Figaro (Daniel Gutmann) und seine Braut Susanne (Anna-Katharina Tonauer) sitzen in der Bredouille.
Der aufmüpfige Figaro (Daniel Gutmann) und seine Braut Susanne (Anna-Katharina Tonauer) sitzen in der Bredouille. (Foto: Markus Tordik/Münchner Gärtnerplatztheater)

Josef E. Köpplinger inszeniert Johanna Doderers dritte Auftragsoper für das Gärtnerplatztheater. „Der tollste Tag“ zu Peter Turrinis Libretto bezieht sich auf die bereits von Mozart vertonte Vorlage, schärft die Dialoge allerdings frech und anspielungsreich.

Kritik von Klaus Kalchschmid

Bei Mozart gibt es am Ende die Versöhnung, bei Peter Turrinis Überschreibung von „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“ von Beaumarchais als „Der tollste Tag“ erwürgt der eifersüchtige Figaro, der vermeintlich seine Braut mit dem Grafen in flagranti erwischt, diesen mit seiner eigenen Reitpeitsche. Bei Turrini und in der Vertonung durch Johanna Doderer, die jetzt am Gärtnerplatztheater ihre Uraufführung erlebte, ist dieser Graf noch mehr Machtmensch und eitler Geck als in der Vorlage, was das Kostüm, mit dem er auftritt, noch verstärkt. Wie ein Käfer sieht er aus, eingenäht in ein schwarzes Wams, das seine Beine, Arme und den Po nackt lässt und an Reizwäsche erinnert.

Turrini, der selbst das Libretto für die dritte Oper von Johanna Doderer für das Gärtnerplatztheater geschrieben hat, hält sich bis zu diesem Moment eng an Beaumarchais, schärft die Dialoge allerdings frech und anspielungsreich.

Johanna Doderers Musik ist dabei fast immer in Bewegung, ja nahezu rastlos und stets tonal ausgearbeitet, was beim Orchester des Gärtnerplatztheaters unter Eduardo Browne den richtigen Drive besitzt. Das beginnt gleich mit der ersten Szene, in der Figaro das Zimmer ausmisst, das der Graf strategisch günstig zwischen seinem und dem der Gräfin für das Brautpaar vorgesehen hat, was die Drehbühne (Heiko Pfützner) mit aufeinander getürmten Betten andeutet.

Dabei geht der Impuls immer vom Orchester aus und nimmt die Gesangsstimmen mit, die oft rezitativisch agieren oder ins Sprechen verfallen. Eine reine Sprechrolle ist Cherubin (sehr differenziert: Paul Clementi), was andeuten soll, dass er quasi als Kind unter Erwachsenen agiert. Seine schon komponierte Arie, bevor der Wunsch von Regisseur Josef E. Köpplinger nach einer Sprechrolle ausgesprochen wurde, erklingt jetzt als Melodram mit gesprochenem Text zur Musik. Auch veritable Arien gibt es, in denen die Musik für Momente zur Ruhe kommt.

Josef E. Köpplinger reizt die Komik, die schon jedes einzelne Kostüm von Birte Wallbaum zeigt, mit seinen Protagonisten bis zur Neige aus: Daniel Gutmann gibt einen aufmüpfigen Figaro, der seinen schönen Bariton manchmal etwas forciert einsetzt, während Anna-Katharina Tonauer Susanne mit feinem Mezzo ausstattet. Dramatischer klingt Réka Kristóf als Gräfin, tenoral schmetternd: Daniel Schliewa als Graf. Ausgezeichnet in kleineren Partien: Anna Agathonos als Marcelline, Juan Carlos Falcón als intriganter Bazillus, Levente Páll als Bartholo und Lukas Enoch Lemcke als Gärtner Antonio.

Der tollste Tag, Gärtnerplatztheater, nächste Termine: Sa., 18.10., 19.30 Uhr; So., 9.11., 18 Uhr; Fr., 21.11., 19.30 Uhr; So., 23.11., 18 Uhr; Tickets und weitere Informationen unter: www.gaertnerplatztheater.de

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