Süddeutsche Zeitung

Fußballvereine:Münchner Stadionnot

Es gibt zwar mehrere Stadien, doch die passen nur bedingt zu den Bedürfnissen der Fußballklubs im Profibereich. Die Stadt prüft deshalb verschiedene Ausbau-Varianten.

Die kleinen E-Jugend-Kicker in München kennen das Problem, das nun die Fußballer im Profibereich einholt: Platznot. Nicht selten trainieren Kinder mit noch zwei anderen Mannschaften auf einem Feld, die Bälle kugeln kreuz und quer durch die Gegend. So schlimm wird es für den TSV 1860, Türkgücü und die Frauen sowie die zweite Männermannschaft des FC Bayern nicht kommen, doch bei ihnen herrscht seit Beginn dieser Saison definitiv Stadionnot. Alle vier Teams würden gerne an der Grünwalder Straße spielen. Doch die Stadt als Eigentümerin sagt: Das geht nicht.

Schon in der vergangenen Saison habe das Grünwalder "als das meist bespielte Stadion Deutschlands" gegolten, heißt es in den Unterlagen zur geplanten Erweiterung und Sanierung. Dabei bezieht sich das Sportreferat auf die obersten Spielklassen von der Regionalliga aufwärts. Dort spielt seit dieser Saison auch Türkgücü München, und die Ambitionen des Vereins sollen damit noch nicht am Ende angelangt sein. Bis zur Winterpause wird er seine Heimpartien noch wie bisher als Gast im Sportpark des SV Heimstetten austragen, für die Rückrunde hat sich die Stadt als Eigentümerin des Grünwalder Stadions mit den Teams auf einen Kompromiss geeinigt. Die Frauen des FC Bayern werden auf den Campus des Vereins ausweichen und Türkgücü Platz machen.

Für die Zeit danach kündigt die Stadt an, die Zahl der Spiele in Giesing zu reduzieren. Das liege nicht nur an der schwierigen Terminsuche zwischen Freitag und Montag, sondern auch an praktischen Problemen, heißt es in der Analyse zur Sanierung. Diese würden von den unterschiedlichen Sicherheitsanforderungen über das ständig nötige, schnelle Umbauen von Werbeanlagen und der hohen Rasenbeanspruchung bis zur Verkehrsbelastung reichen.

Deshalb hat das Sportreferat alle in Frage kommenden Stadien in München auf ihre Tauglichkeit für hochklassigen Fußball untersucht. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus, weil es zwar genügend Stadien gibt, diese aber nicht zu den Ansprüchen oder Bedürfnissen der Mannschaften passen. Die Arena in Fröttmaning ist zu groß für den Rest der Stadt und ebenso im Privatbesitz des FC Bayern wie dessen Stadion auf dem Nachwuchs-Campus. Das Dantestadion ist baulich nicht auf dem Stand der Zeit für gehobenen Fußball und durch die American Footballer schon stark ausgelastet. Und vom Olympiastadion hat sich der Profifußball schon 2005 abgewandt: zu kalt, zu großer Abstand von Spielern und Fans, zu wenig Stimmung.

Das hat die Stadt dazu veranlasst, einige Optionen zu prüfen: Neben der Sanierung des Grünwalder Stadions und der Erweiterung auf 18 060 Zuschauer soll auch das Dantestadion genauer betrachtet und eine Rückkehr des Fußballs ins Olympiastadion untersucht werden. Das Sportreferat schlägt sogar vor, den Neubau einer kleinen Arena für bis zu 2500 Zuschauer zu erwägen. Der Standort Unterhaching kommt dabei nicht vor, obwohl er bestens erschlossen wäre. Deshalb ist er Teil dieses Streifzugs durch die Münchner Stadien.

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SZ vom 13.08.2019/huy
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