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Public Viewing in München:Ärgerliches Rumgetue und unklare Corona-Regeln

Das Sax im Glockenbachviertel hatte es auch im vergangenen Herbst schon mit Public Viewing versucht - trotz Corona.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Unvermögen der Behörden, einheitliche Regeln zu setzen, ist eine Zumutung für Gastronomen - auch jetzt wieder bei der Fußball-EM.

Kommentar von Franz Kotteder

Man braucht viel Nachsicht und Gelassenheit in diesen Tagen, wenn man es mit Corona-Auflagen zu tun hat. Denn es ist ja vieles anders als sonst. Hat man als Kind beispielsweise gelernt: "Beim Essen wird nicht ferngesehen!", so muss man sich nach den jüngsten Anweisung des bayerischen Gesundheitsministeriums mittlerweile genau andersrum verhalten: kein Fußballschauen ohne Essen und Trinken!

Und dann kommt da auch noch das städtische Kreisverwaltungsreferat ins Spiel, mit dem bösen Foul, dass man sich im Biergarten doch bitte nicht vor einer großen Leinwand versammeln möge, obwohl so am ehesten Abstandhalten möglich ist, sondern lieber grüppchenweise vor kleinen Bildschirmen. Immerhin scheint die deutsche Mannschaft so vernünftig zu sein, durch ihr Spiel die Begeisterung der Fans soweit in Grenzen zu halten, dass sich diese nicht permanent in den Armen liegen werden.

Das ärgerliche Rumgetue der Verwaltung und das Unvermögen, klare und vor allem einheitliche Regeln für die Gastronomie zu setzen, hat mittlerweile aber fast schon Tradition: Man erinnere sich nur an die seltsamen Fristen für die Lockerungen, die mal fünf, mal sechs, dann sieben Tage nach Unterschreiten der nötigen Inzidenz einsetzen durften - mit ein bis zwei "Übergangstagen" nämlich. Dann das Theater um die Plexiglastrennwände, die mal verboten, dann wieder erlaubt wurden. Schließlich die Heizpilze für die Außengastronomie: Der Staat fördert deren Anschaffung für den Herbst mittels seiner Überbrückungshilfe III ausdrücklich. Aber der Münchner Stadtrat hat sie mit seiner grün-roten Mehrheit gerade erst für den Herbst und Winter wieder verboten. Aus (guten) Klimaschutzgründen und in bester Absicht. Aber ein Wirrwarr bleibt's halt trotzdem.

Niemand wird verlangen, dass in einer Pandemie alles reibungslos abläuft, keine Frage. Aber zwischen dem erklärten Willen der Politik, etwas Normalität zu ermöglichen, und der konkreten Umsetzung in Verwaltungshandeln ist bisweilen doch arg viel Gedankenlosigkeit, gepaart mit Regelungswut, im Spiel.

© SZ vom 10.06.2021
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