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Aufregung vor dem Anpfiff:"Cool, dass wir EM-Spiele in München haben"

Mittendrin statt nur dabei: Wie sich Münchnerinnen und Münchner auf die Europameisterschaft in der eigenen Stadt freuen.

Protokolle von Sabine Buchwald

Andreas Franken.

(Foto: Polizei München)

"Vertrautes Thema"

"Kommunikation ist das Gebot der Stunde" bei der Münchner Polizei, sagt Andreas Franken, Sprecher des Polizeipräsidiums. "Wir werden in den kommenden Wochen wohl viele Gespräche mit Fußballfans führen." Es gehe vor allem darum, Situationen zu entschärfen. "Für Sicherheit zu sorgen ist unsere Kernaufgabe." Dies habe während des Lockdowns gegolten und gelte jetzt ebenso. Die Abstandsregeln seien Sicherheitsmaßnahmen: Deshalb wird man mit "Fingerspitzengefühl und Augenmaß" einschreiten, wenn sich die Leute in den Armen liegen, wie das beim Fußball ja durchaus üblich ist.

Die Polizei bereitet sich seit langem auf das Großturnier vor. Doch die Planungen vom vergangenen Jahr lagen monatelang in der Schublade, bis klar wurde: Die Spiele werden stattfinden und vor Publikum ausgetragen, wenn auch stark reduziert. 14 500 Zuschauer in der Arena? "Wir sind ganz andere Zahlen gewohnt", sagt Franken. Dennoch wird die Münchner Polizei in den vier Wochen der Europameisterschaft von 1000 Einsatzkräften aus Bayern und dem gesamten Bundesgebiet unterstützt, um Hotspots in der Innenstadt zu kontrollieren. Im Stadion selbst rechnet man mit wenig Problemen. Denn dort sei der Veranstalter, also der DFB, gefordert. "Die EM ist ein vertrautes Thema, wir freuen uns auf das Turnier", sagt Franken. Auch bei der Polizei fördern solche Großveranstaltungen den Teamgeist.

Volunteers, die bei der Fußball-EM helfen

Felix Kirchmann.

(Foto: Florian Peljak)

"Schön, was beizutragen"

"Ich finde es cool, dass wir EM-Spiele in München haben", sagt der Politik-Student Felix Kirchmann. Er wird Volunteer während der EM sein. "Ich finde es schön, dass ich etwas dazu beitragen kann." Außerdem sei er froh, endlich mal wieder rauszukommen. Fast drei Semester Online-Studium liegen hinter dem 21-Jährigen. Seit knapp zwei Wochen ist er geimpft. Da er den Impfstoff von Johnson&Johnson erwischt hat, darf er sich schon nach einem Piks relativ sicher vor Ansteckungen fühlen. Kirchmann ist für acht Einsatztage eingeplant. Die Jüngsten im Team der Volunteers sind gerade mal 18, die ältesten über 70 Jahre alt. Kirchmann möchte die Stimmung in der Stadt während der EM aufsaugen. Vor allem aber freut er sich darauf, Leute kennenzulernen und mit Touristen in Kontakt zu kommen. Deshalb hat er sich kurzfristig Ende Februar für den ehrenamtlichen Job gemeldet. Damals hoffte er sehr, dass die Spiele mit Zuschauern stattfinden würden. Denn Felix Kirchmann ist selbst auch Fußballfan. Als 2006 die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen wurde, war er erst sechs Jahre alt. Er habe nicht so viel davon mitbekommen, sagt er. Und was hält Kirchmann von der deutschen Mannschaft? "Ich glaube nicht, dass sie titelreif sind." Er habe die Engländer auf dem Zettel. Für die deutschen Kicker rechnet er in drei Jahren bessere Chancen aus. Wenn diesmal alles gut läuft, wäre er 2024 auch gerne wieder als Helfer dabei.

Volunteers, die bei der Fußball-EM helfen

Sina Übelacker.

(Foto: Florian Peljak)

"Passt auf euch auf"

Gut 250 sogenannte Volunteers kümmern sich während der Euro in München um die Fans. Sie stehen an festen Anlaufstellen am Hauptbahnhof, am Flughafen und am Busbahnhof an der Hackerbrücke. "Dort sollen sie bei der Weiterfahrt in die Innenstadt oder zur Fußball-Arena helfen", erzählt Sina Übelacker. Die 26-Jährige ist Volunteer-Koordinatorin. Außerdem gibt es noch weitere vier mobile "Infopoints". Das sind Lastenräder, mit denen Volunteers-Teams rund um die Fußgängerzone unterwegs sind. Erkennbar sind sie an türkisfarbenen Shirts, Kappen und Jacken. "Sie sind das Gesicht nach außen", sagt Übelacker. "Sie sollen ein bisschen für Euphorie sorgen." Sie selbst ist mit der Koordination der Freiwilligen beschäftigt. Der Fokus liegt auf den Tagen, an denen in München gespielt wird, sowie auf den Tagen vor und nach einem Match. Die Sportwissenschaftlerin wird überwiegend in der Kleinen Olympiahalle zu finden sein. Dort ist der Stützpunkt der Münchner Volunteers. Hier hätte es eigentlich eine Fan-Zone geben sollen. Dann hätte Übelacker 450 ehrenamtliche Helfer anleiten müssen. Nun sind es deutlich weniger, die ausgesucht wurden. "Offenheit, Motivation und Fußball-Interesse" sollten sie mitbringen - Kriterien, die bei der Auswahl aus den 700 Bewerbungen zählten. Zur Vorbereitung hören die Volunteers immer wieder von Übelacker: "Passt auf euch auf, geht kein Risiko ein, spielt nicht den Helden."

Thomas Schmid.

(Foto: Privat)

"Gewisse Aufgeregtheit"

Mit einer "gewissen Aufgeregtheit" sieht Thomas Schmid dem Dienstag entgegen. Der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter des Münchner BRK wird zusammen mit einem Arzt als Fahrer eines Einsatzwagens im Stadion bereitstehen. Pro Spiel sind etwa 80 Kollegen dort im Einsatz, davon drei Ärzte. Sechs feste Sanitätsstationen des Münchner Roten Kreuzes sind auf den Zuschauerebenen eingerichtet. Von dort sind die Helfer bei Notfällen sehr schnell auf den Zuschauer-Rängen. Weil diese so steil sind, werden vor allem weiter oben Menschen statt mit den üblichen Tragen mit speziellen Tragetüchern geborgen. Für Schmid ist das Match Deutschland gegen Frankreich seit längerer Zeit mal wieder eine Großveranstaltung.

Sein letzter großer Event war beim München Marathon 2019, erzählt er. Seit 20 Jahren arbeitet der Ingenieur ehrenamtlich für das Rote Kreuz. Wie seine Kollegen ist Thomas Schmid mit Leidenschaft dabei: als Sanitäter - und Fußballfan. "Wenn wenig los ist, dann haben die Kollegen schon mal die Möglichkeit, zwischen die Zuschauerblöcke zu gehen und aufs Spielfeld zu schauen", sagt Schmid. Ein Einsatz bei so einer besonderen Veranstaltung sei schon auch eine kleine Belohnung. Die Frage, wie er derzeit zu Spielen mit einer Zuschauerzahl in dieser Größenordnung stehe, will Schmid nicht beantworten. Er setze auf die Vernunft der Leute.

© SZ vom 14.06.2021
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