Funsport-Industrie:Welle machen, wo kein Meer ist

Lesezeit: 5 min

Surfer auf der Citywave bei der 3. Surf & Style Europameisterschaft am Flughafen München; Surf & Style

Das Munich Aiport Center hat die Becken mit den Citywave-Wellen schon öfter als Attraktion genutzt.

(Foto: Flo Hagena/Flughafen München)

Zwei ehemalige Trickskifahrer aus München und ihre Idee mit der "Citywave": Susi und Rainer Klimaschewski haben mit ihren künstliche Wellen Erfolg in der ganzen Welt.

Von Thomas Becker

Los ging alles mit einem Monstrum, tonnenschwer und alles andere als mobil. Um Ende der 1970er am Blaichacher Wasserskisee neue Sprünge trainieren zu können, lassen sich die Trickskifahrer Susi und Rainer Klimaschewski von einem befreundeten Sägewerksbesitzer eine Schanze schnitzen. "Maßlos überdimensioniert", erzählt Susi Klimaschewski, damals weltbeste Trickskifahrerin, ihr Ehemann ergänzt: "Das Ding war hoch wie ein Kirchturm, mit betoniertem Fundament - darauf hätte man ein Hochhaus bauen können." Aller Anfang war schwer. Dass die beiden mehr als 40 Jahre später zum führenden Anbieter von mobilen und stationären Surfanlagen werden würden, damit war nicht unbedingt zu rechnen.

Wer heute das nötige Kleingeld auf den Tisch legt - im satt sechsstelligen Bereich -, dem bauen die Klimaschewskis mit ihrer Martinsrieder Firma ATV Actionteam eine künstliche Surfwelle in den Garten, ins Sportzentrum oder in die Shopping Mall. Auf Knopfdruck verstellbar für Anfänger, Fortgeschrittene oder Profis. Für Wellenreiten, Longboard, Stand-Up-Paddling, Kajak oder Boogieboard.

In Taufkirchen steht eine solche Anlage in der Jochen-Schweizer-Arena; auch bei der Ispo und zwischen den Flughafen-Terminals konnte man dieses Wunderwerk der Technik schon öfter bestaunen. Unlängst verkaufte man auch Tokio eine Citywave - schließlich werden hier im kommenden Jahr im Wellenreiten erstmals Olympia-Medaillen verteilt. Noch auf dem Meer. Aber Rainer Klimaschewski sagt: "Wer weiß, vielleicht wird stationary wave riding irgendwann mal eine eigene olympische Sportart."

So wie beim Trickskifahren. Wo es heute Spezialisten für Aerials, Buckelpiste, Half Pipe, Big Air und Slopestyle gibt, fuhr man in den Anfängen des Trickskilaufs einfach alles, Ski-Ballett noch dazu. Während Rainer als Allgäuer praktisch auf Skiern aufwuchs und im Sommer Wasserski fuhr, machte Klein-Susi ihre ersten Rutscher mit Papa an der Theresienwiese, an der damals baumfreien Böschung, die heute als "Kotzhügel" bekannt ist. Sie wird Skilehrerin, jobbt in Sugarbush Valley in Vermont - und sieht Videos der Hotdogger, wie Trickskifahrer dort hießen.

Als Kind ist sie geturnt, Trampolin gesprungen und weiß sofort: "Das ist genau meine Baustelle! Mir war klar: ,Das mach' ich!'" Um sich das Skiballett abzuschauen, guckt sie die Filme immer wieder an: "Man konnte die ja noch nicht anhalten..." Im Sommer gibt sie Skikurse in Chile, bringt irre Sprungfotos aus den Anden mit, worauf ein Münchner Freund schreibt: "Wenn die Bilder kein Fake sind, dann komm zurück nach Europa und du kannst echt was reißen." 1971 finden die ersten professionellen Wettkämpfe statt, wenig später wird die nicht mehr ganz so kleine Susi Weltmeisterin. Ihren Mann lernt sie sozusagen im Flug kennen: beim Trickski-Wettkampf. Der war durch die Videos von "Pistenschreck" Fuzzy Garhammer infiziert worden. Susi Klimaschewski sagt: "Der war auch so ein Freigeist wie ich, nicht so genormt."

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