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Flüchtlingsunterkunft:Ein Festmahl für die Eingeschlossenen

Schöne Bescherung: Martin Ulbricht und seine Frau Wandy bereiten sich auf ihren Kücheneinsatz an Heiligabend vor. Für Flüchtlinge in Quarantäne gibt es Tajine, Reis und Taboulé-Salat.

(Foto: Claus Schunk)

Martin Ulbricht ist Chef einer IT-Firma - an Heiligabend bereitet er mit seiner Frau für 120 Geflüchtete, die wegen einer Corona-Infektion in der Funkkaserne in Quarantäne leben müssen, ein Weihnachtsmenü zu.

Von Thomas Anlauf

Sie sind streng abgeschirmt von der Außenwelt. Zwischen 120 und 140 Menschen, darunter etwa 40 Kinder, leben derzeit unter einem Dach mit dem Coronavirus. Es sind Geflüchtete, die sich angesteckt haben und deshalb in der Funkkaserne in Quarantäne ausharren müssen. Sie dürfen nicht aus dem Haus gehen und müssen in ihren Zimmern bleiben.

Die Angst und die Verunsicherung der Bewohner sind groß, berichten Sozialarbeiter der Diakonie, die so gut es geht mit den Menschen Kontakt halten. Um den Menschen in dieser schweren Zeit einen Lichtblick zu geben, haben Mitarbeiterinnen der Diakonie Päckchen mit kleinen Geschenken geschnürt, die an Heiligabend übergeben werden. Gespendet haben die Sachen einige ehrenamtliche Helfer. Die größte Weihnachtsüberraschung wird den Menschen in der Funkkaserne aber Martin Ulbrecht bescheren: ein Menü mit Tajine, Reis und Taboulé-Salat und als Dessert Zitronenkuchen.

Martin Ulbricht ist Chef einer IT-Firma mit 70 Mitarbeitern, die weltweit tätig ist. Der Branche gehe es in der Corona-Krise weiterhin gut, seine Mitarbeiter verdienten ordentlich, sagt Ulbricht. Er will nun anderen Menschen etwas geben, denen es nicht so gut geht. Da kam er auf die Idee, mit seiner Frau Wandy für die in Quarantäne lebenden Menschen in der Funkkaserne zu kochen. "Ich war früher in der Gastronomie tätig", sagt Ulbricht, er hatte auch ein eigenes Restaurant. Deshalb fällt es ihm leicht, eher exotische Gerichte wie Tajine mit Lamm, Pute, Kichererbsen, Maniok und anderen Zutaten zuzubereiten. 100 Portionen für Erwachsene und 40 für Kinder will er kochen und backen, am 24. Dezember fährt er das Menü persönlich um 13 Uhr zur Funkkaserne im Münchner Norden, wo es von Mitarbeitern der Flüchtlingsunterkunft in Empfang genommen und dann an die Menschen weitergegeben wird.

"Wir freuen uns sehr, dass unseren Bewohnerinnen und Bewohnern und insbesondere den Kindern in dieser so schwierigen Zeit Geschenke gemacht werden", sagt Wolfgang Rupp, Sprecher der Regierung von Oberbayern. Die Regierung hatte die Funkkaserne schon relativ früh nach Ausbruch der Pandemie für Geflüchtete vorgehalten, die sich entweder mit dem Virus infiziert haben oder in engem Kontakt mit einem Infizierten standen, etwa einem Familienmitglied. Bei einer Infektion innerhalb einer Familie werden die Erkrankten nicht zwangsweise isoliert, deshalb sind auch relativ viele Kinder in der Funkkaserne.

Ehrenamtliche Helfer haben Weihnachtsgeschenke besorgt.

(Foto: Erol Gurian/Diakonie)

Gerade für Kinder ist aber die Quarantäne besonders belastend, weiß Andrea Betz von der Diakonie München und Oberbayern. Wegen der Ansteckungsgefahr können derzeit keine Sozialpädagogen zu ihnen und mit ihnen spielen oder lernen. "Es gibt dort leider keine Angebote für Kinder", sagt Andrea Betz. Die strengen Quarantäne-Regeln und die Tatsache, dass sie während der Zeit in der Funkkaserne nur Mitarbeiter der Unterkunft in voller Schutzmontur zu sehen bekommen, sei sicherlich beängstigend und bedrückend für die dort untergebrachten Menschen. "Das ist schon ein großer Unterschied, ob man sich frei in einer Unterkunft bewegen kann oder wirklich in prekären Verhältnissen sitzen muss", so Betz.

Deshalb sei die Weihnachtsüberraschung mit dem Menü und den Geschenken auch so wichtig. "Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass wir an sie denken - gerade auch in Corona-Zeiten." Sie weiß, dass die Festtage an Weihnachten auch für die Menschen in den Unterkünften mit anderem Glauben besonders wichtig sind. "Das bekommen die Kinder von ihren Freunden und aus der Schule mit", sagt sie. In der Quarantäne in der Funkkaserne kann natürlich derzeit nicht mit anderen Menschen gefeiert werden.

Sobald in einer Asylunterkunft ein Bewohner positiv auf Corona getestet worden ist, stellt das Gesundheitsamt zunächst die gesamte Einrichtung unter Quarantäne. Dann folgt eine Reihentestung aller Bewohner und des Personals und die Ermittlung von Kontaktpersonen und die Verlegung der Betroffenen in Quarantäneeinrichtungen, heißt es in einer Mitteilung des bayerischen Innenministeriums. Nach spätestens elf bis zwölf Tagen gibt es demnach in den betroffenen Einrichtungen erneut eine Reihentestung aller Bewohner und Mitarbeiter der Unterkunft.

© SZ vom 23.12.2020/wean
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