KI-Motiv zum FrühlingsfestMasskrug-Panne beim kleinen Oktoberfest

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Rechtschreibpanne auf dem Jubiläumskrug: So hat man allerdings ein einzigartiges Sammlerstück geschaffen.
Rechtschreibpanne auf dem Jubiläumskrug: So hat man allerdings ein einzigartiges Sammlerstück geschaffen. Lukas Barth-Tuttas/dpa

Den offiziellen Krug des 60. Frühlingsfests hat eine vermutlich rotzbesoffene künstliche Intelligenz gestaltet – mit einer Rechtschreibschwäche.

Glosse von Andreas Schubert

Kann eine künstliche Intelligenz (KI) betrunken sein? Fragt man das eine KI, dann kommt natürlich die Antwort, dass das gar nicht geht. Eine KI habe keinen Körper, kein Gehirn und keinen Stoffwechsel, erklärt uns unsere tägliche Gefährtin, geliebte Freundin und Therapeutin Chat-GPT mit allem gebotenen Ernst, also nichts, worauf Alkohol wirken könnte.

Weil eine KI zwar kein Mensch ist, aber immer so tut, als wäre sie einer, kann sie natürlich auch so tun, als ob sie rotzbesoffen wäre. Den Beweis liefert dieses Jahr der offizielle Masskrug des Münchner Frühlingsfests, das an diesem Freitag beginnt. Bei dessen Motiv haben die Macher der Mini-Wiesn bewusst den Einsatz von KI hingenommen. Blickfang ist ein Pärchen, frisch aus der Trachten-Geisterbahn des Dr. Halligalli entsprungen: Ein blondes Maderl, das in der rechten Hand einen innovativen Masskrug trägt, an den zwei weitere Krüge angeklebt sind. Und ein Bursch, der in seinen Alien-artigen Händen ein Lebkuchenherzerl mit der Aufschrift „Grüs Gott“ hält.

Die Bewahrer des „ß“ und sonstige Verfechter der geschmackvollen Bierkruggestaltung ließen erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. Im Netz hagelte es Häme und Beschimpfungen, so einen Aufstand hat es wegen eines Trinkgefäßes selten gegeben.

Hinter dem, sagen wir mal, ungewöhnlichen Design steckt freilich ein Zeichen echter menschlicher Intelligenz: Denn erstens haben die Münchner Schausteller als Veranstalter des Frühlingsfests dadurch ein Gschieß wie mit dem diesjährigen Wiesn-Krug vermieden, bei dessen Design der verbotene Einsatz von KI unterstellt wurde. Wenn schon KI, mag man sich gedacht haben, dann gscheit und so, dass man es auch nach fünf Mass gleich erkennt.

Dass man es auch nach fünf Mass noch erkennt: „Grüs Gott!“
Dass man es auch nach fünf Mass noch erkennt: „Grüs Gott!“ B. Lindenthaler/IMAGO

Zweitens hat die KI mit ihrer Rechtschreibschwäche ein unvergleichliches Sammlerstück geschaffen, dem eine breite Aufmerksamkeit garantiert ist, während frühere Ausgaben des Kruges weitgehend ignoriert wurden. Das ist ungemein wertsteigernd, man denke an wertvolle Fehlprägungen von Münzen oder Briefmarken. Wer weiß schon, was das „grüsende Herz“ in ein paar Jahren bei Sotheby’s einbringt?

Aber daran dürfte in den nächsten drei Wochen auf der Theresienwiese noch niemand denken. Da geht es jetzt erst einmal darum, dass die Wirte aus den Maskrügen masenweise das Bier fliesen lasen.

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