Süddeutsche Zeitung

Freizeit:München feiert den Beginn der Volksfestsaison

Am Wochenende lockten das Frühlingsfest, allerlei Schnäppchen und der Oldtimertreff zahlreiche Münchner auf die Theresienwiese. In der Au wurde außerdem die Dult-Saison eröffnet - ein letztes Mal mit dem originalen Russenrad.

Sehr viel besser kann die Volksfestsaison gar nicht beginnen. Den Regen am Freitagnachmittag zur Eröffnung des Frühlingsfests auf der Theresienwiese hätte es nicht gebraucht, aber danach wurde ja alles wieder gut - nicht zu warm, nicht zu kalt, nur selten ein paar leichte Schauer. Und somit waren sowohl das Frühlingsfest als auch die einen Tag später beginnende Auer Dult von Anfang an gut gefüllt.

Beim Frühlingsfest leistet dabei das Freibier, das vor dem Eröffnungsumzug von den Brauereien ausgeschenkt wird, eine gewisse Starthilfe. Dieses Mal mit deutlicher Zeitverzögerung, denn der Traktor, der den Wagen mit den Honoratioren zog, machte unterwegs dreimal schlapp, wegen verstopfter Benzinleitung, die jedes Mal umständlich gereinigt werden musste. Dabei war der Zeitplan ohnehin schon knapp bemessen, denn viele Ehrengäste waren zuvor noch bei der Trauerfeier für den früheren Wiesn-Stadtrat Hermann Memmel (SPD) in der Heilig-Geist-Kirche gewesen, bei der es fünf lange Reden gegeben hatte.

Danach aber lief alles nach Plan, der Schirmherr des Fests, Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU), zapfte souverän mit drei Schlägen in der Festhalle Bayernland an. Das lässt fürs nächste Jahr noch Luft nach oben in Form von einem Schlag weniger. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) benötigt auf der Wiesn normalerweise zwei. Die erste Bierbank mitsamt Tellern und Besteck wurde übrigens schon vorher gerissen; eine junge Dame im Discounterdirndl war anscheinend dem Vorglühen nicht gewachsen gewesen und beim Hinsetzen aus dem Gleichgewicht geraten.

Derlei Misslichkeiten sind freilich Ausnahmeerscheinungen. Die Zelte und Biergärten sind jedoch gut gefüllt am ersten Wochenende, mit meist jugendlichem Publikum, und das zahlt sich auch für die Schausteller aus.

Ebenso wie der Riesenflohmarkt des Roten Kreuzes, der traditionell am ersten Samstag stattfindet, zu dem viele Verkäufer aber schon am Freitagabend angereist sind. Münchner, die überflüssigen Hausrat loswerden wollen, sind das nicht gerade, hat man den Eindruck. Eigentlich ist ein Flohmarkt ja nicht für professionelle Händler gedacht. Aber studiert man die Nummernschilder der Autos auf dem Parkplatz, den fragt man sich, ob man wirklich aus Italien, Frankreich, Polen, Rumänien, Dänemark und sogar der Ukraine anreist, um den Nachlass der verstorbenen Großmutter zu verkaufen? Und ob die Oma wirklich 400 nagelneue Alutöpfe minderer Qualität oder 2000 Stofftiere auf dem Speicher gelagert hatte?

Wie auch immer: Schnäppchen sind trotzdem drin, und die Münchner strömen nach wie vor schon morgens um sieben in Scharen auf die Theresienwiese. Später läuft einem dort zum Beispiel auch Hofbräu-Chef Michael Möller mit seiner Frau über den Weg. Er ist offenkundig noch nicht fündig geworden. 100 Meter weiter hätte es ein schönes Wirtshausschild gegeben, aber leider von Hacker-Pschorr, und dafür hätte Möller natürlich keine Verwendung.

Am selben Vormittag wird am Mariahilfplatz die Dultsaison eröffnet. Die Unterbrunner Blaskapelle spielt den Erzherzog-Albrecht-Marsch, die Loisachtaler und die Raintaler Trachtler tanzen und schuhplatteln - zum Teil gemeinsam mit der chilenischen Volkstanztruppe Puelche, die vor gut 20 Jahren in München gegründet wurde und im direkten Vergleich zeigt, dass man - bei allem Respekt - in Südamerika deutlich feuriger und weniger behäbig tanzt als im Alpenvorland.

Clemens Baumgärtner (CSU), seit Anfang März neuer Referent für Arbeit und Wirtschaft und als solcher auch für städtische Veranstaltungen wie die Auer Dult zuständig, eröffnet die Dult mit dem Appell, die Angebote der Marktkaufleute wahrzunehmen: "Das ist viel günstiger als bei Amazon, und Sie haben auch jemanden zum Reden und nicht bloß eine E-Mail". Sympathisch auch, dass er seine Mitarbeiterin Gabriele Papke lobend erwähnt, "die das hier seit vielen Jahren organisiert". Baumgärtner erwähnt neue Stände, etwa den der Feintäschnerin Bettina von Reiswitz oder das Auer Zwickl-Bier, das die Biobrauerei Haderner Bräu extra für die Dult gebraut hat. Die Marktschreier in der Novitätengasse legen zwar etwas mehr Verve hinein, wenn sie ihre Hightech-Gemüsehobel anpreisen, aber Baumgärtner ist ja auch noch neu im Amt.

Neu ist zum Beispiel auch, dass dieses Jahr die letzte Gelegenheit ist, auf der Auer Dult das originale Russenrad aus dem Jahr 1925 zu fahren. Nach dieser Saison will die Eigentümerfamilie das historische Gefährt leider endgültig stilllegen. Ein Schicksal, das möglicherweise auch dem einen oder anderen Oldtimer droht, der am Sonntagvormittag beim Oldtimertreff auf der Theresienwiese anzutreffen war. An die 450 historische Autos von Buick über Chevrolet bis zum Opel P 4 von 1937 waren dort zu sehen, fuhren im Kreis herum und zogen wie immer ein großes Publikum an. Jetzt muss nur noch das Wetter stimmen, dann bleibt das wohl bis zum 12. Mai so auf der Theresienwiese.

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SZ vom 29.04.2019/smb
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