Einst war Robert Dölle Ensemblemitglied an den Kammerspielen, inzwischen hat er die Straßenseite gewechselt und ist fest am Residenztheater engagiert. Dort verkörpert er derzeit den schüchtern-charmanten Frischobst-Magier „Herr Schultz“ in Claus Guths Inszenierung von „Cabaret“. Die zarte Liebesbeziehung des jüdischen Obsthändlers zur Zimmervermieterin Fräulein Schneider scheitert jedoch am erstarkenden Nationalsozialismus der 1930er-Jahre. Dazu ist er in dieser Woche in der zweiten Staffel von „Oderbruch“ in der ARD zu sehen, einer modernen Interpretation des Vampir-Mythos. In der Fortsetzung der Mystery-Thriller-Serie agiert Dölle als gerissener Abt Fedor.
Montag: Leichtigkeit im Ring

Die Woche beginnt für mich, wie immer montags, ganz früh. Ich fahre mit dem Rad in die Stadt, zum Mariposa Boxing Club, meinem Box-Gym in der Landwehrstraße, mein home away from home. Mariposa. Butterfly, der Schmetterling. Float like a butterfly, sting like a bee. Leicht sein, versuchen, im Schwebezustand zu bleiben und doch trotzdem immer im Moment zu leben. Im Ring, auf der Bühne, im Leben. Ich übe schon mal, denn die Welt fühlt sich gerade schon schwer genug an.
Dienstag: Café mit Herz

Der Februar in München ist ein Übergang. Jedes Jahr zu dieser Zeit reißt die winterliche Wolkendecke auf und plötzlich ist er wieder da, dieser berühmte weiß-blaue Himmel. Mit ihm kommt endlich wieder Licht und Wärme in die Stadt. Endlich kein Grau in Grau mehr.
Ich gehe in die Monacensia in Bogenhausen. Im historischen Hildebrandhaus haben Melanie und Emanuel Rotstein im letzten Jahr das Café Lev (Lev ist hebräisch und heißt Herz) eröffnet. Der Name ist Programm, denn die beiden betreiben dieses Café wirklich mit spürbarer Hingabe. An Shabbat gibt es Challot – traditionelle Hefezöpfe, zubereitet von meiner Freundin Vivian Kanner, die auch eine erstklassige Shakshuka und ein hervorragendes Schnitzel macht. Nach dem Essen macht mir Emanuel einen Kaffee, den ich auf der großen, schönen Sonnen-Terrasse genieße, während ich in den weiß-blauen Münchner Himmel schaue und kurz zur Ruhe komme.
Mittwoch: Schwirrende Falter

Bis März kann man im Botanischen Garten noch echte Schmetterlinge erleben. Traumhaft ist es, diese wunderschönen Tiere zu beobachten, zu bestaunen. Float like a butterfly? Die schweben gar nicht, die schwirren ja. Ab und zu landet ein Schmetterling auf meiner Hand und verweilt da kurz. Unglaublich schön! Außerdem sind die Räume, in denen man die Schmetterlinge bewundern kann, tropisch warm. Und für kurze Zeit kann man sich in andere Länder, in andere Gefilde, in andere Welten hineinträumen. Draußen trifft einen dann wieder die Realität des Alltags. Egal. Einfach weiter träumen.
Donnerstag: Letzte Chance für Bowie

Wie die Zeit fliegt. Seit November will ich die Foto-Ausstellung „A Day with David Bowie“ von Christine de Grancy im Münchner Pineapple Park bewundern, in der Alten Paketposthalle. Jetzt kann ich es nicht mehr allzu lange aufschieben, denn von 12. April an zieht die verlängerte Ausstellung endgültig weiter, die davor in Los Angeles zu sehen gewesen ist und dort mehrmals verlängert wurde. Wie schön, David Bowie so noch mal zu sehen, der leider viel zu früh gestorben ist. Seine Musik hat mein Leben begleitet. Und tut es immer noch.
Freitag: Vermeintliche Leichtigkeit

Heute Abend laufen weitere Folgen der zweiten Staffel von „Oderbruch“ im Ersten (seit 20. Februar auch in der ARD Mediathek). Für mich ist es etwas ganz Besonderes, Teil dieser Serie zu sein. „Oderbruch“ ist wirklich ein Highlight meiner Film-Karriere. Die Macher der Mystery-Serie haben eine ganz neue Welt erschaffen, etwas, was es so im deutschen Fernsehen noch nicht gegeben hat. Endlich mal Genre-TV im Öffentlich-Rechtlichen! Ich kann heute aber nicht schauen, denn am Abend stehe ich wieder auf der Bühne.
Die SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von YouTube angereichert
Um Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.
Im Dezember hatten wir Premiere mit dem Musical „Cabaret“ auf der großen Bühne des Residenztheaters. Der Film von Bob Fosse hat mich früh geprägt. Meine Schwester und ich konnten alle Dialoge mitsprechen, alle Songs mitsingen. Und heute Abend sitzt sie im Publikum. Das Stück, das in den 30er-Jahren spielt, erscheint angesichts der politischen Lage derzeit erschreckend aktuell. Die Münchner Zuschauer folgen der Einladung und kommen zahlreich ins Theater, angelockt von dem vermeintlichen Versprechen der Leichtigkeit und des Vergessens. Doch wie im Kit Kat Club selbst, entpuppt sich der Ort der Flucht als Spiegel einer Realität, der man sich nicht entziehen kann. Where are your troubles now? Gone?
Samstag: Gelungener Ballwechsel

Ich habe meinem Sohn schon vor Tagen versprochen, dass wir Tennis spielen gehen. Wir fahren nach Unterföhring zu „Sport Scheck Allwetter“, meinem alten Tennisverein. Meistens fangen wir nach ein paar Bällen, die wir hin und her spielen, ein Match an. Es geht natürlich dann vor allem um das Ergebnis, aber auch darum, dass wir ein paar gute Ballwechsel hinkriegen, um im Flow bleiben. Ich nehme an, dass ich ihn dieses Mal noch schlagen werde, aber nächstes Mal könnte es schon anders ausschauen. Er wird immer besser. Wir radeln durch den Englischen Garten nach Hause. Life is beautiful.
Sonntag: Essen mit Seeblick

Am besten noch mal aus der Stadt rausfahren und den Blick weiten, die Augen weit schauen lassen. Wir, meine Frau, mein Sohn und ich, fahren zum Gasthaus Zum Fischmeister am Starnberger See, das seit ein paar Jahren von Amédée Till geleitet wird. Essen wir Hechtnockerl oder die Karpfenbratwurst? Auf jeden Fall zum Schluss einen Topfenknödel. Danach machen wir noch einen Spaziergang am See entlang. Hier schaut der Himmel immer so ganz besonders groß aus. Und heute ist da wieder dieses Weiß-Blau, das hier noch imposanter ausschaut, als in der Stadt.
Am frühen Abend, wenn wir wieder in München sein werden, wird wahrscheinlich ein Freund anrufen, um zu fragen, ob wir noch ins Schumanns gehen. Früher, vor ewigen Zeiten, hatten wir sonntagabends immer einen Stammtisch bei Charles. Für mich ist es, nicht nur deswegen, immer ein ganz besonderer Ort in München gewesen und ist es immer noch. Aber ich bleibe heute doch besser zu Hause. Morgen beginnen die Proben für ein neues Stück.
Robert Dölle, 1971 in Frankfurt am Main geboren, besuchte von 1993 an die Otto-Falckenberg-Schule in München und war ab 1996 Ensemble-Mitglied der Münchner Kammerspiele. Nach Stationen in Frankfurt und Köln ist er seit 2019 wieder in München am Residenztheater engagiert. 2023 erhielt er den Kurt-Meisel-Preis, 2024 wurde er zum Staatsschauspieler ernannt. Zurzeit ist er unter anderem in „Cabaret“ zu sehen, in der Inszenierung von Claus Guth. Er ist auch für Film und Fernsehen tätig. Er war mehrfach im „Tatort“ zu sehen, so zuletzt in der Münchner Episode „Zugzwang“. Im Laufe des Jahres wird der Kino-Film „The Yellow Tie“, ein Biopic über Sergiu Celibidache mit John Malkovich in der Hauptrolle, Deutschland-Premiere feiern, in dem Dölle eine tragende Rolle gespielt hat.

