Promi-Tipps für München und Region:Die Woche von Thomas Bohnet

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Thomas Bohnet alias DJ Thomaso Bohnet beim Eingang zum Ampere/Muffathalle. (Foto: Florian Peljak)

Der DJ und Konzertveranstalter Thomas Bohnet freut sich in der Woche vom 28. Februar bis zum 6. März auf Konzerte, Fußball und eine lang ersehnte französische Party.

Thomas Bohnet veranstaltet Konzerte und ist den Münchnern auch als Erfinder der "Tour de France" bekannt, die den frankophilen Musikliebhabern seit zwei Jahrzehnten die neuen Bands und Einflüsse aus dem Nachbarland vorstellt - am DJ-Pult im Muffatwerk. Nachdem die Geburtstagsparty zum 20-jährigen Bestehen coronabedingt immer wieder verschoben wurde, kann er nun endlich wieder auflegen.

Montag: Rocksongs und Americano

Die Hamburger Band Tocotronic spielt am 24. November in der Tonhalle. (Foto: Gloria Endres de Oliveira/Universal Music)

Ich fahre mit dem Rad von der Au über die Reichenbachbrücke Richtung Glockenbach. Den Morgen beginne ich meist mit einem " Americano" im gleichnamigen Café in der Fraunhoferstraße. Der Laden wird von drei italienischen Brüdern geführt. Es laufen italienische Schlager, Rocksongs und italienischer Hip-Hop. Dort wird erstmal ein halbes Dutzend Tageszeitungen konsultiert: Ich bin ein echter Zeitungsjunkie und lese neben der SZ noch andere Blätter von taz bis TZ, NZZ bis Guardian. Gedruckt oder auf dem Ipad. Danach geht es ins Büro zu den Kollegen vom "Clubzwei", bei denen ich einen Büroplatz habe. Wir arbeiten schon seit 22 Jahren zusammen. Mit Ivi und Tobi hatte ich 2000 in deren ehemaliger Livebühne "Clubzwei" in Haidhausen meine "Tour de France"- Partys gestartet. Nun mache ich Promo für deren Konzerte, etwa für The Notwist, die am 2. Juli in den Circus Krone kommen. Oder für Tocotronic, die spielen am 24. November in der Tonhalle.

Dienstag: Die wilden Achtziger

Die Ausstellung "Pop-Punk-Politik" in der Monacensia erzählt von den Achtzigerjahren in München. (Foto: Volker Derlath)

Zweimal in der Woche starte ich früh mit Krafttraining bei Kieser in Giesing. Im Schatten des Giesinger Stadions gilt es im Fußballtrikot Farbe zu bekennen: Diese ist bei mir rot, seit ich als Schwarzwälder Bub vor mehr als 50 Jahren meine Liebe zum FC Bayern entdeckt habe. Nachmittags möchte ich mir endlich die Ausstellung " Pop-Punk-Politik - die Achtzigerjahre in München" in der Monacensia ansehen. Meine Achtziger waren eher geprägt vom kleinstädtischen Leben am Bodensee, allerdings unterbrochen von Ausflügen ins nahe gelegene Zürich. Der Schweizer Dokumentarfilm "Züri brännt" schildert eindrucksvoll die Jugendunruhen zu dieser Zeit dort. Abends gehe ich indisch essen ins "Ganga" in der Baaderstraße.

Mittwoch: Hommage an ein Genie

Für den französische Chansonnier, Rocksänger, Komponist und Schauspieler Serge Gainsbourg (Aufnahme von 1980) schwärmt Bohnet ganz besonders. (Foto: dpa)

Mittwochs fahre ich morgens mit S-Bahn, U-Bahn und Bus (alles gut aufeinander getaktet) nach Taufkirchen. Für das dortige Kulturzentrum erledige ich seit nun drei Jahren die Pressearbeit. Meist von zuhause aus, aber mittwochs treffe ich die Kollegen und Kolleginnen dort. Im Moment geht es um die Vorbereitung für den Gainsbourg-Abend des Berliner Schauspielers Dominique Horwitz. Dieser schlüpft bei seinem Programm am 11. März in Taufkirchen in die Rolle des vor 21 Jahren verstorbenen Pariser Enfant terrible. Was für andere Musikfans eventuell Bob Dylan ist, ist für mich das Musikgenie Serge Gainsbourg. Am frühen Abend treffe ich mich mit meinem Freund Gussie zum Feierabend-Bier in der Glockenbach-Kneipe Sax. Dort werden "wichtige" Themen aus Fußball, Kino, Literatur und natürlich Musik besprochen. Eine wunderschöne neue Platte hat Gussies Sohn, der Songwriter und Gitarrist Jesper Munk gerade veröffentlicht: "Taped Heart Sounds". Live spielt der Filius am 8. April in der Muffathalle. Später geht es ins Werkstattkino, wo ich mir noch einmal den grandiosen chinesischen Film Noir " Are You Lonesome Tonight" ansehe.

Donnerstag: Französische Sause

Sie schweißen zusammen, was kaum zu verschmelzen ist: "Les Yeux D'La Tête". (Foto: Hamza Djenat)

Letzte Vorbereitungen für meine große Party " 20 Jahre Tour de France" am Samstag, 12. März, in der Muffathalle. Eigentlich hätte die Sause mit der Pariser Liveband "Les Yeux D'la Tête" schon im April 2020 sein sollen. Dank dem bösen Wort mit großem "C" feiern wir nun nach drei Verschiebungen eben 22 Jahre Tour de France. Endlich! Mit dabei sind das Münchner Punk-Duo "Les Millionnaires" und mein französischer DJ-Kollege Christian Berst. Nachmittags schaue ich noch im Buchladen in der Au vorbei und hole mir Rumaan Alams Roman "Mitten in der Nacht" ab: Sozialsatire, Gesellschaftskritik und Horror - diese Mischung dürfte mir gefallen.

Freitag: Legendärer Stummfilm

Max Schreck in Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilmklassiker "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens". (Foto: imago stock/imago/Cinema Publishers Collection)

Mit Anton, Susi, Narinder, Erwin, Ewald und den vielen anderen Helfern verteilen wir heute für die Münchner Tafel vor der Kirche St. Anton Lebensmittel an Bedürftige. 220 Gäste mit 450 Familienmitgliedern werden hier versorgt mit Kartoffeln, Obst, Gemüse und anderem. Um 9.30 Uhr wird aufgebaut. Ich arbeite mit Bene und Tom im Kühlwagen, wo wir gespendete Wurst, Fleisch und Milchprodukte ausgeben. Seit mehr als einem Jahr mache ich jeden Freitag mit: eine gute Sache und das ehrenamtliche Helferteam ist auch große Klasse. Es werden übrigens immer wieder helfende Hände gesucht! Abends wollte ich mir das Konzert der Indiepop-Band "Isolation Berlin" im Orangehouse ansehen. Das wurde nun leider verschoben. Vor Corona ging ich eigentlich zweimal die Woche zu Konzerten. Zeit wird's, dass wieder was geht! Alternativ gibt es in der Muffathalle einen Stummfilm mit Livemusik: Murnaus legendärer Nosferatu.

Samstag: Fußball in der Kneipe

Das "Sax" in der Hans-Sachs-Straße 5 gehört seit Jahren zu den angesagten Lokalen des Glockenbachviertels. (Foto: Stephan Rumpf)

Heute treffe ich mich zum Frühstücken mit Freunden im Café Hüller bei mir um die Ecke. Um 15.30 Uhr ist Bundesliga. Normalerweise würde ich das Spiel FC Bayern gegen Leverkusen entweder im Stadion oder der Bayernkneipe "Unhaltbar" in der Baaderstraße anschauen. Leider ist diese wegen Corona zu. Also ab ins "Sax". Abends gehen meine Frau und ich italienisch essen zum Ovi ins "Humboldt's", unserem Lieblingsitaliener.

Sonntag: Wunderbare Serie

New York in den Fünfzigern und Sechzigern: Auf Amazon Prime ist jetzt die vierte Staffel der Comedyserie "The Marvelous Mrs. Maisel" mit Rachel Brosnahan in der Hauptrolle zu sehen. (Foto: AP)

Morgens radeln wir 20 Minuten zum Münchner Golf Club nach Thalkirchen, Karin und ich haben dort vor zwei Jahren mit dem Golfen angefangen und sind ziemlich "angefressen". Die Gattin noch mehr als ich, sie spielt fast jeden Tag. Für den MGC haben wir uns entschieden, weil der Platz auch für uns "autolose Golfer" mit dem Rad oder der U-Bahn gut erreichbar ist. Radelnde Golfer gibt es übrigens - entgegen dem Klischee - auch in München zur Genüge. Abends werden wir uns bei Amazon Prime die vierte Staffel von " The Marvelous Mrs. Maisel" ansehen. Eine amüsante, wunderbare TV-Serie über eine weibliche Stand-Up-Comedienne im New York der 50er und 60er Jahre.

1958 in Klosterreichenbach im Nordschwarzwald geboren, verschlug es Thomas Bohnet zum Soziologie-Studium nach Konstanz. 1998 folgte der Musikjournalist, Konzertveranstalter und DJ seiner Frau nach München. 2000 etablierte er neben seiner Arbeit als Veranstalter bei Target Concerts die bis heute bestehende Partyreihe "Tour de France". Mit französischer und frankophoner Musik im Gepäck tourt er seither zwischen Berlin, München und Zürich.

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