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Freizeit in München:Ausflugsziele sind die reinsten Fast-Food-Paradiese

Burger, Pizza und viel Ketchup: Orte in München, die man mit Kindern aufsucht, sind ein Schlaraffenland aus Ungesundem. Alternativen gibt es so gut wie keine.

Hellabrunn ist für Kritiker der deutschen Esskultur das reine Paradies. Denn Speisen und Getränke gibt es hier wirklich ausreichend und an jeder Ecke. Schon auf der Eintrittskarte bedankt man sich bei seinem amerikanischen Sponsor, der die weltberühmte braune Brause herstellt, und der natürlich an den verschiedensten Kiosken auf dem Tierparkgelände gut vertreten ist. Nicht weit vom Haupteingang entfernt kommt man zur ersten Verpflegungsstation, dem Café Rhino, nicht weit entfernt vom Nashornhaus. "Pizza Pommes Panini Kuchen Getränke", verkündet ein Schild am Kinderspielplatz, und ein penetranter Duft von Frittenfett weht einem entgegen, wenn man sich dem kleinen Pavillon nähert. Da fühlt man sich als mittelalter weißer Mann angenehm zurückversetzt in die eigene Kindheit. Damals machte sich noch kaum jemand Gedanken über die Auswirkungen von Fastfood, Fett- und Zuckeranteilen oder Cholesterinwerten.

Was das Ernährungsverhalten angeht, scheint die Zeit dort stehen geblieben zu sein, wo man in den Sommerferien gerne mit den Kindern hingeht, um sie zu bespaßen. Ob es nun die städtischen Bäder sind, der Olympiapark oder eben der Tierpark Hellabrunn: Pizza und Burger, Pommes und Ketchup, Cola und andere Softdrinks beherrschen hier die kulinarische Landschaft. Gerade jene Orte, die Kinder anziehen, geben ein recht trauriges Bild ab, was gesunde und nachhaltige Ernährung angeht.

Dabei achtet der Stadtrat eigentlich überall dort, wo er Einfluss hat, sehr darauf, dass das gastronomische Angebot ausgewogen ist. Bei der eigenen Verwaltung, in den städtischen Kantinen, Kindergärten und Schulen soll die Verpflegung möglichst nachhaltig, gesund und regional sein. Vom kommenden Jahr an soll der Anteil an Bio-Lebensmitteln in den Kantinen 20 Prozent ausmachen, in den Kindergärten sind es jetzt schon insgesamt 50 Prozent, beim Fleisch gar 90 Prozent. Gerichte ohne Fleisch gibt es sowieso viel öfter als noch vor zehn Jahren, und selbst bei Pizza und Pommes kommen die Zutaten meistens aus der Region oder wurden nach ökologischen Kriterien erzeugt.

Freizeit in München Tierpark verzeichnet erneuten Besucherrekord
Bilanz

Tierpark verzeichnet erneuten Besucherrekord

Vor allem die Zahl der verkauften Jahreskarten steigt um gut 15 Prozent. An manchen Tagen stößt man in Hellabrunn schon an die Kapazitätsgrenze.   Von Linus Freymark

Wäre man boshaft, so könnte man jetzt sagen: Bei der Arbeit, in der Kita und in der Schule ist man bei der Stadt streng, wenn's aber um die Freizeit geht, dann gibt es keine Schranken. Dabei könnten die städtischen Einrichtungen viel stärker steuern, was bei ihnen auf den Tisch - beziehungsweise auf die Hand - kommt. Im Olympiapark zum Beispiel hat man es sich recht leicht gemacht: Sämtliche gastronomischen Betriebe wurden an einen Großcaterer vergeben. Vom kleinen Kiosk über die Bierschänken in den Hallen bis zum Drehrestaurant 181 im Olympiaturm ist hier Arena One zuständig, eine Tochter des österreichischen Unternehmens Do & Co, das zuverlässig das übliche Caterer-Einerlei liefert: Pommes, Currywurst, Sandwiches, Fisch- und Wurstsemmeln für den Kiosk, halbe Hendl und Wiener Schnitzel im Selbstbedienungsrestaurant, aber auch gehobene Küche fürs 181.