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82 Aussteller suchen Helfer:Eigene Ideen sind gefragt

Münchner Freiwilligenmesse, 2010

Im Gasteig werben Initiativen bei der Freiwilligenmesse um Helfer.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

"Die Menschen möchten mehr selbst auf die Beine stellen", sagt die Veranstalterin der Freiwilligenmesse am Sonntag im Gasteig - oder manchmal auch nur ganz spontan für ein paar Stunden etwas Gutes tun

Noch nicht einmal ein Jahr ist es her, dass sich ein paar Leute trafen, um zu überlegen, wie eine neue Debattenkultur zu schaffen ist: Miteinander statt übereinander zu reden. Im August vergangenen Jahres startete "München spricht" mit der ersten Veranstaltung im Westpark, lud ein zur Diskussion über so unterschiedliche Themen wie Diversität, Ladenschlusszeiten und Plastikkonsum. Eine Plattform zur pluralen Meinungsbildung wollen die Macher von "München spricht" bieten, und weil sie für die Planung und Organisation der Debatten Freiwillige suchen, präsentieren sie sich an diesem Sonntag bei der 14. Freiwilligenmesse im Gasteig.

Für Gerlinde Wouters, Leiterin der Förderstelle für Bürgerschaftliches Engagement (Föbe), ist "München spricht" ein gutes Beispiel dafür, wie sich ehrenamtlicher Einsatz wandelt. "Die Menschen möchten mehr selbst auf die Beine stellen." Die von der Föbe jährlich veranstaltete Freiwilligenmesse spiegelt das diesmal in ihrem Motto wider: "Ideenreichtum trifft Engagement: Gemeinsam bewegen wir mehr." Die Förderstelle, die im vergangenen Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feierte, nimmt deutliche Veränderungen wahr: "Ehrenamtliche bleiben heute nicht 20 oder 30 Jahre bei einer Organisation", sagt Wouters. Wer sich engagieren will, komme oft mit eigenen Ideen und erwarte Unterstützung bei der Umsetzung.

Gerade vor diesem Hintergrund sei die Messe mit 82 Ausstellern aus den unterschiedlichsten Einsatzbereichen eine gute Möglichkeit, um einen persönlichen Eindruck zu gewinnen. Denn auch wenn sich die Organisationen im Internet präsentieren, sei für den Einsatz entscheidend: "Stimmt die Chemie? Leute, die sich in der Freizeit engagieren wollen, möchten auf eine nette Atmosphäre treffen", erklärt Wouters. Sie tritt auch dem Eindruck entgegen, dass sich nur ältere Menschen engagieren. Die größte Gruppe stellen die 30- bis 39-Jährigen, gefolgt von den 20- bis 29-Jährigen.

Um Freiwillige zu halten, müssten Organisationen verlässliche Ansprechpartner bieten, die Freiwilligen zur Seite stehen. Die Ehrenamtlichen von heute möchten nicht nur vorgesetzt bekommen, was sie tun sollen, sondern den Freiraum haben, selbst eigene Projekte anzustoßen. Zudem zeigt sich immer stärker der Trend zu "weniger ist mehr", wie es Gerlinde Wouters formuliert. Der Trend gehe zum kurzfristigen und spontanen Engagement, da laute die Frage zum Beispiel: "Diese Woche hätte ich für zwei Stunden Zeit, etwas Gutes oder Sinnvolles zu tun, was gibt es da?" Föbe hat deshalb den Organisationen einen Workshop zu dem Thema "Der kleine Einsatz zwischendurch" angeboten. "Das passt eher zu den modernen Lebens- und Zeitverhältnissen." Das Engagement wird, wie Wouters beobachtet, aber auch politischer und kritischer: "Umwelt, Nachhaltigkeit, Demokratie sind die gegenwärtigen Themen." Global, aber ebenso im unmittelbaren Umfeld, "in meinem Stadtteil, in meiner Nähe Gutes tun und Positives bewirken, das treibt viele Menschen an".

Immer stärker komme es dabei darauf an, auf die Talente, die Freiwillige mitbringen, und ihren Gestaltungswillen auch einzugehen und sich zu überlegen, wie sich das alles für die Organisation nutzen lässt. "Werden nur vorgeformte Tätigkeiten besetzt, liegen Talente und Fähigkeiten brach." Organisationen, die den Perspektivwechsel nicht vollziehen, werden auf Dauer Probleme bekommen, Freiwillige zu finden und an sich zu binden.

Ein "engagementfreundliches Klima" zu schaffen, sei der Stadt sehr wichtig, betonte Matthias Winter, im Sozialreferat zuständig für bürgerschaftliches Engagement. Knapp die Hälfte der Münchnerinnen und Münchner engagiere sich gesellschaftlich: "Der Bevölkerung ist es wichtig, ihre Stadt mitzugestalten und mit anzupacken, wo Hilfe benötigt wird." Das halte die Stadt zusammen, schenke Mut und Freude. Die Stadt fördere den Bereich mit 16 Millionen Euro jährlich. Die eigentliche Währung sei aber "Wertschätzung und Anerkennung". Seit 2008 haben fast 6500 Engagierte die Auszeichnung "München dankt" erhalten.

82 Organisationen, die auf der Suche nach Menschen sind, die sich für Soziales, Umwelt, Gesundheit, Kinder und Jugendliche, Kultur, Migranten, Selbsthilfe und Zivilcourage engagieren wollen, präsentieren sich bei der 14. Freiwilligenmesse am Sonntag, 26. Januar, von 10 bis 17 Uhr im Gasteig, Rosenheimer Straße 5. Zur Eröffnung spricht Bürgermeisterin Christine Strobl, den ganzen Tag über gibt es ein Rahmenprogramm mit Live-Musik, Kurzvorträgen und Erfahrungsberichten von freiwillig Engagierten. Der Eintritt ist kostenlos.

© SZ vom 21.01.2020
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