Begrünte Inseln für die NachbarschaftDamit München auch in 40 Jahren noch lebenswert ist

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Mit den sogenannten Parklets, wie hier in der Landwehrstraße, will die Initiative Begegnungsorte für Menschen aus der Nachbarschaft schaffen.
Mit den sogenannten Parklets, wie hier in der Landwehrstraße, will die Initiative Begegnungsorte für Menschen aus der Nachbarschaft schaffen. Sophia Rohm

Die Münchner Initiative „Freiraum-Viertel“ zeigt, wie Städte nachhaltig und gemeinschaftsfördernd gestaltet werden können. Dafür wird sie nun ausgezeichnet, trotzdem werden die finanziellen Sorgen immer größer.

Von Noah Westermayer

Sein Engagement für die Umwelt sei ein Stück weit auch egoistisch, sagt Martin Laschewski: „Ich mache das auch, weil ich den öffentlichen Raum noch nutzen möchte, wenn ich 70 oder 80 bin.“ Seine größte Sorge: „Dass wir im Alter nur noch in klimatisierten Räumen sein können, weil unser Kreislauf die Hitze draußen nicht mehr verträgt“, so der 41-jährige.

Seit 2021 setzt sich Laschewski mit der Münchner Initiative „Freiraum-Viertel“ dafür ein, städtische Räume neu zu denken: Öffentliche Flächen werden temporär umgestaltet, Parkplätze weichen in der warmen Jahreszeit Holzterrassen mit Pflanzinseln. Diese sogenannten Parklets sollen neue Begegnungsorte schaffen, die Aufenthaltsqualität verbessern und die Stadt widerstandsfähiger gegen Hitze machen.

Schon mehrmals konnte die gemeinnützige Initiative so „Parkplätze in kleine grüne Oasen umwandeln“, erzählt Laschewski. In Kürze startet das nächste Projekt am Stiglmaierplatz in der Maxvorstadt. Für dieses Vorhaben wurde das „Freiraum-Viertel“ nun als eines von fünf Projekten mit dem Nachhaltigkeitspreis „Zukunftsheld:innen“ der Stadtsparkasse München ausgezeichnet.

Martin Laschewski und Sophia Rohm vom Projekt „Freiraum-Viertel“.
Martin Laschewski und Sophia Rohm vom Projekt „Freiraum-Viertel“. Florian Peljak

Das Prinzip hinter den Projekten des „Freiraum-Viertels“ ist stets ähnlich: Stadtklima, Aufenthaltsqualität und nachbarschaftliches Zusammenleben werden zusammengedacht – und pragmatisch auf einzelnen Straßenzügen durch die hölzernen Parklets verbunden. Die aus Holzpaletten gefertigten Terrassen sind mit Büschen, Stauden oder kleinen Bäumen bepflanzt und sollen Orte schaffen, an denen Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen können. „Wir brauchen neben dem Zuhause und der Arbeit unbedingt dritte Orte, an denen die Leute wieder mehr zueinanderfinden können“, sagt Laschewski.

Die Rückmeldungen aus bisherigen Projekten bestätigen diese Wirkung offenbar. Immer wieder hörten sie, so Laschewski, dass Nachbarn zum ersten Mal seit Jahren wieder miteinander ins Gespräch gekommen sind. „Die Leute sagen dann ‚Wow, der von nebenan ist eigentlich ganz ein netter Typ‘ oder ‚Die ältere Dame von ganz oben hat letztens einen Kuchen gebacken, den wir spontan am Sonntag zum Kaffee gegessen haben.‘ Und dieses Zusammenkommen passiert natürlich nicht zwischen parkenden Autos.“

Das Projekt lebt vom ehrenamtlichen Engagement, trotzdem ist der Aufbau der Parklets teuer.
Das Projekt lebt vom ehrenamtlichen Engagement, trotzdem ist der Aufbau der Parklets teuer. Sophia Rohm

Angelehnt an internationale Vorbilder wie etwa verkehrsberuhigte Superblocks in Barcelona will die Inititave den öffentlichen Raum daher anders aufteilen – nicht radikal autofrei, sondern einfach ausgewogener. Natürlich brauche es weiterhin Stellplätze für Autos, besonders für Handwerker, Lieferdienste oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, betont Laschewski. Es gehe um eine bessere Balance.

Die Initiative sieht sich jedoch zunehmend Herausforderungen gegenüber, besonders finanziell. Obwohl das Projekt von ehrenamtlicher Arbeit lebt, sei gerade der Erstaufbau der Parklets teuer, erzählt Laschewski. Der Spardruck der Stadt und neue politische Mehrheiten erschwerten die Planungen für Mobilitätsprojekte. Nach der Streichung der kommunalen Förderung für das Projekt am Stiglmaierplatz habe man schon gedacht, es in diesem Jahr nicht umsetzen zu können. Die Auszeichnung der Sparkasse sei daher gerade rechtzeitig gekommen, sagt Laschewski.

Grundsätzlich sei aber klar, dass es mehr Investitionen in Nachhaltigkeitsprojekte brauche: „Klimaschutz kostet uns kein Geld – Klimaschutz wird uns ganz, ganz viel Geld sparen, weil wir sonst etwa durch Überschwemmungen unheimliche Kosten haben.“ Für Laschewski steht deshalb trotz gestiegener finanzieller Unsicherheiten fest: Aufgeben ist keine Option.

Beim diesjährigen Nachhaltigkeitswettbewerb „Zukunftsheld:innen“ der Stadtsparkasse München wurden neben dem Projekt des „Freiraum-Viertels“ auch die Volkshochschule München für ihren klimaresilienten Gemeinschaftsgarten am Standort Pasing, die Kreisgruppe München des Bund Naturschutz für bienen- und schmetterlingsfreundlichere Mähtechniken, die Lebensmittelretter „Foodsaving and more“ für kostenfreie Mahlzeiten für Bedürftige sowie der Integrationsverein  „Bunt kickt gut“ für ein Projekt zur Reinhaltung öffentlicher Plätze ausgezeichnet. 

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