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Freimann:Neue Münchner Mischung

Rathausgalerie, Marienplatz: Ausstellung Entwürfe für die Bayernkaserne

Bisher nur Klötzchen, bald ein neuer Stadtteil: Modellentwurf für das Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne.

(Foto: Florian Peljak)

Das grün-rote Rathausbündnis reserviert in städtischen Baugebieten mehr Flächen für günstige Mietwohnungen, private Eigentumswohnungen fallen aus der Förderung. Auf die Bayernkaserne wird das Modell schon angewendet

Von Sebastian Krass und Stefan Mühleisen, Freimann

Die Rathauskoalition hat ihren angestrebten wohnungspolitischen Kurswechsel in den Münchner Neubaugebieten jetzt festgezurrt: Im Zuge eines Beschlusses zur Flächen-Aufteilung im ersten Bauabschnitt auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne in Freimann hat die grün-rote Mehrheit eine "neue Münchner Mischung für städtische Flächen" durchgesetzt, wie es im Titel eines Antrags heißt. Künftig sollen in stadteigenen Baugebieten keine privaten Eigentumswohnungen mehr entstehen, also keine Baugemeinschaften mehr zum Zug kommen. Faktisch wird das "München Modell Eigentum" damit aufgegeben. Die CSU wollte dies per Änderungsantrag verhindern, scheiterte aber trotz Unterstützung von FDP und München-Liste. "Wir finden es schade, dass dieses Modell nun komplett abgeschafft wird", sagte die planungspolitische Sprecherin der CSU, Heike Kainz, am Mittwoch im Planungsausschuss.

Die Abkehr von der Praxis, Privatleuten den Bau eines Eigenheims zu subventionieren, hatte sich schon im Mai abgezeichnet. Beim Beschluss zur Grundstücksaufteilung auf dem "Kreativfeld" im Kreativquartier wurde das Flächenkontingent für Baugemeinschaften ebenfalls gestrichen. Baugemeinschaften sind Privatleute, die sich für einen Hausbau zusammentun, um dort dann zu leben. So geschehen etwa am Ackermannbogen oder im Domagkpark.

"Wir schauen immer, wer Hilfe braucht bei bezahlbarem Wohnen. Wir kommen zu dem Schluss, dass eine Genossenschaft der beste Weg ist. Deshalb setzen wir an dieser Stelle auf das München Modell Genossenschaften", sagte Simone Burger (SPD). Dies bedeutet nun, dass nicht nur auf der Hälfte, sondern auf 60 Prozent der Fläche geförderte Mietwohnungen entstehen, auf den übrigen 40 Prozent preisgedämpfte Wohnungen. Die Flächen werden überdies nur noch in Erbbaurecht vergeben. Ob das Zehn-Prozent-Kontingent, das ursprünglich für Baugemeinschaften reserviert war, künftig an Genossenschaften oder an die städtischen Wohnungsbaugesellschaften geht, wie die CSU dann als Alternative vorschlug, wird sich in der Stadtratsvollversammlung erweisen. OB Dieter Reiter (SPD) hält das Ansinnen der CSU für "keine abwegige Idee" und ermunterte die Fraktion, am 22. Juli einen entsprechenden Änderungsantrag einzubringen.

Die neuen Vorgaben fallen sicher nicht zufällig mit dem Teilbeschluss zur Grundstücksaufteilung auf dem 48 Hektar großen Bayernkasernen-Areal zusammen, auf dem bis 2030 ein Stadtteil in der Größe einer Kleinstadt mit 5500 Wohnungen für 15 000 Menschen emporwachsen soll. Das Bundesbauministerium hat das geplante Quartier bereits als "Nationales Projekt des Städtebaus" ausgezeichnet und sponsert es mit knapp 1,5 Millionen Euro aus dem Bundesetat. Da liegt es nahe, dass das Rathausbündnis die Gunst der Stunde nutzt und seine ambitionierten Ziele zu bezahlbarem Wohnraum gleich in diesem Vorzeigeprojekt umsetzt.

Die Genese des neuen Stadtteils ist in drei Bauabschnitte eingeteilt - und für den ersten, das südliche Segment des Gebiets, hat der Stadtrat jetzt die Eckpfeiler eingerammt: Von 2021 bis 2026 sollen die ersten 1450 Wohnungen entstehen, knapp über die Hälfte davon werden, nach derzeitigem Stand, die städtischen Gesellschaften GWG und Gewofag auf vier der acht Baufelder errichten; Genossenschaften übernehmen knapp 35 Prozent (493 Wohnungen). Auf andere Bauträger für preisgedämpften Mietwohnungsbau entfallen knapp 14 Prozent (208 Wohnungen). In drei der städtischen Gebäude werden Kitas integriert, in das vierte ein Familienzentrum und ein interimsmäßiger Nachbarschaftstreff. Für die exponiert gelegenen Sub-Quartiere um den künftigen Stadtplatz, wo auch Hochhäuser mit bis zu zwölf Geschossen entstehen, werden Architektenwettbewerbe vorgeschrieben. Auch eine Schule wird gebaut, sie soll 2023 fertig sein.

Insgesamt entsteht in diesem ersten Bauabschnitt eine Gesamtgeschossfläche, die dem gesamten Neubauquartier auf dem Areal der Prinz-Eugen-Kaserne in Oberföhring entspricht. Die Konturen für den weiteren Ablauf stehen auch fest: Der zweite Bauabschnitt umfasst den Nordteil (1560 Wohnungen), dann kommt der Westen mit 1030 Wohnungen; parallel errichten Investoren auf dem Nachbargrundstück im Osten 1100 Wohnungen.

© SZ vom 09.07.2020
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