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Nahverkehr:Neue Tram-Anbindung für Tausende im Münchner Norden

Große Pläne für die Linie 23: Eine Trambahn beim Halt an der Station Schwabinger Tor.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Linie 23 wird um dreieinhalb Kilometer verlängert: über die Bayernkaserne bis zum Kieferngarten in Freimann. Voraussichtlich sechs Haltestellen sollen entstehen - und eine neue Brücke.

Von Andreas Schubert

Mit der Verlängerung der Tramlinie 23 um dreieinhalb Kilometer bis Kieferngarten soll der Norden der Stadt in Zukunft besser angeschlossen werden. Dieses Projekt erachtet die Stadt insofern als nötig, weil der Norden bis 2030 deutlich wachsen wird. Auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne in Freimann und dem östlich angrenzenden Gewerbegebiet an der Heidemannstraße ist ein neues Quartier mit rund 5500 Wohnungen für bis zu 15 000 Menschen geplant. Zusätzlich sollen unter anderem zwei große Schulstandorte, Kindertagesstätten, soziale Einrichtungen und Geschäfte entstehen. In Milbertshofen wird im Bereich der früheren Kronprinz-Rupprecht-Kaserne das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) von BMW erweitert. An dem Standort sollen in der Gesamtentwicklung bis zum Jahr 2050 rund 15 000 Angestellte arbeiten. Mit dem Wachstum steigt auch der Bedarf an einer leistungsfähigen Verkehrsanbindung.

Die Planungen der Stadtwerke (SWM) für die neue Tramtrasse sind schon weit gediehen. Am Donnerstag, 28. Januar, stellen die SWM den aktuellen Stand der Öffentlichkeit vor. Weil dies wegen der Corona-Pandemie nicht wie üblich mit einer größeren Präsenzveranstaltung möglich ist, erfolgt die Präsentation online. Wer sich diese ansehen will, muss sich allerdings vorher bis zum 27. Januar per E-Mail anmelden, unter anmeldungtmn@swm.de. Die SWM schicken den Teilnehmern dann circa zehn Stunden vor Beginn der Veranstaltung einen Link zu, der zum Live-Stream führt. Neben Präsentationen von Vertretern der SWM und der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) gibt es die Möglichkeit, Fragen an die Projektverantwortlichen der SWM und des Mobilitätsreferats mittels einer Chatfunktion zu stellen. Zusätzlich ist ein Animationsfilm zu sehen, der den geplanten Streckenverlauf der Heidemannstraße aus dem Fahrerstand simuliert.

Die 2019 vom Stadtrat beschlossene Verlängerung der Tram 23 über die Bayernkaserne bis zum Kieferngarten ist ein wichtiger Bestandteil des Münchner Nahverkehrsplans. Am Kieferngarten sollen Fahrgäste die Möglichkeit bekommen, auf Bus und U-Bahn umzusteigen. Außerdem werden nach Angaben der MVG neue Verbindungen zwischen der Parkstadt Schwabing oder Domagkpark und Fröttmaning respektive Garching mit nur einmaligem Umsteigen möglich.

Die Tramlinie wird auf dem neuen Abschnitt voraussichtlich sechs Haltestellen bedienen. Und der Aufwand ist teilweise groß. Denn über die Gleise des Bahn-Nordrings ist dazu eigens eine neue Brücke vorgesehen, die auch eine neue Geh- und Radwegverbindung von der Bayernkaserne in die Parkstadt Schwabing bieten soll.

Offen ist derzeit noch, ob zwischen dem U-Bahnhof Am Hart und Kieferngarten eine Tram (Arbeitstitel Tram 24) führen soll. Der Stadtrat hat beschlossen, dass die Planungen für die Tram 24 parallel zu einer Schnellbusverbindung untersucht wird. Die ebenfalls angedachte U-Bahnspange mit dem Namen U 26 ist wegen der hohen Kosten inzwischen auf der Prioritätenliste nach ganz hinten gerutscht, sie könnte wohl auch nicht vor den 2040er Jahren realisiert werden.

Laut MVG hätte eine Tram 24 nicht nur mehr Fahrgastkapazität sondern auch den Vorteil, dass für die Querverbindung zwischen Am Hart und Kieferngarten bereits geplante Gleise in der Heidemannstraße Richtung Kieferngarten mitgenutzt werden könnten. Eine Buslinie wiederum lässt sich wesentlich schneller realisieren.

Was die Tram 23 angeht, so wünscht sich der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann sogar eine Verlängerung bis nach Fröttmaning. Von diesem Vorschlag hält die MVG allerdings wenig. Die Variante mit der Endhaltestelle Kieferngarten sei die sinnvollste. Sie ermögliche das direkte Umsteigen zu U-Bahn und zum Bus, die Tram erreiche dadurch mehr Fahrgäste. Der U-Bahnhof Kieferngarten könne zudem vom zentralen und südlichen Bereich des Stadtquartiers Bayernkaserne direkt erreicht werden. Die Tram stelle für Bewohner des Kieferngartens auch eine Alternative zur U 6 dar.

Ein Linienbetrieb der Tram bis Fröttmaning sei "volkswirtschaftlich nicht darstellbar" schreibt sie, das liegt auch daran, dass die Trasse östlich des U-Bahnhofs Kieferngarten verlaufen müsste. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis sinke dann aber unter eins. Das bedeutet, dass die Linie nach der heutigen Gesetzeslage schlicht nicht förderfähig wäre. Die Siedlungsstruktur östlich der U 6 sei vergleichsweise gering, zudem sei das Gebiet bereits gut an die U 6 angebunden. Das Fahrgastpotenzial und den verkehrlichen Nutzen einer Tram bis Fröttmaning wertet die MVG trotz der 1276 Park-and-Ride-Stellplätze dort nur als gering - bei einem gleichzeitig höheren betrieblichen und finanziellen Aufwand.

© SZ vom 21.01.2021/aner/van
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