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Lösung in Sicht:Umzug nach nebenan

Weil sich ein Gewerbeprojekt verzögert, können 180 Geflüchtete eineinhalb Jahre länger als geplant in ihrer Unterkunft in Freiham-Süd bleiben. Wenn sie Mitte 2022 ihre Wohncontainer verlassen müssen, soll in Freiham-Nord ein Notquartier für 200 bis 250 Menschen fertig sein

Von Ellen Draxel, Freiham

Die etwa 180 Menschen, die derzeit noch in der Flüchtlingsunterkunft an der Centa-Hafenbrädl-Straße 50 untergebracht sind, dürfen vorerst in Freiham-Süd bleiben. Sie müssen nun doch nicht so schnell, wie noch Anfang des Jahres vom Helferkreis befürchtet, ihr provisorisches Zuhause verlassen. 90 Bewohner sind zwar bereits in andere Einrichtungen verlegt worden. Aber mittlerweile ist klar, dass die Regierung von Oberbayern die Wohncontainer eineinhalb Jahre länger als geplant nutzen kann. Der Grund: Die Nachfolgeplanung für die Gewerbefläche, auf der die Unterkunft steht, ist noch nicht in trockenen Tüchern. Vertragsverhandlungen zwischen der Regierung als Betreiberin der Unterkunft und der Stadt laufen bereits. Mitte 2022 allerdings, sagt Sebastian Ehnes vom Sozialreferat, sei "definitiv Schluss".

Möglich, dass einige der Bewohner aus dieser Unterkunft in Freiham-Süd dann nach Freiham-Nord umsiedeln. Denn im zweiten Realisierungsabschnitt des Wohnstandorts soll an der Aubinger Allee ein Notquartier für 200 bis 250 Menschen entstehen - für wohnungslose Singles und Paare, da diese Zielgruppe laut Sozialreferentin Dorothee Schiwy momentan "den höchsten Bedarf hat". Sollte sich das ändern und doch eher Familien eine Unterbringung benötigen, könne man aber "problemlos umswitchen", sagt Ehnes. Der Bau werde bewusst flexibel konzipiert - etwa mit Verbindungstüren zwischen den Räumen, um größere Wohnflächen zu ermöglichen, oder auch mit der Möglichkeit, Zimmer in Gemeinschaftsräume für Kinder-Angebote umzuwandeln. Auch eine Fläche für einen Spielplatz soll reserviert werden.

Unterkünfte der Wohnungslosenhilfe werden grundsätzlich nur mit einer einzigen Zielgruppe belegt, entweder ausschließlich mit Alleinstehenden und Paaren oder nur mit Familien. Sozialpädagogen kümmern sich um die Bewohner, eine Person ist nach einem festen Schlüssel für 30 Haushalte zuständig. Bei Kindern gibt es zusätzlich Erzieher.

Dass das Notquartier überhaupt gebaut werden muss, hat einerseits mit der anstehenden Schließung von drei bestehenden Unterkünften für wohnungslose Singles und Paare zu tun, aber nicht nur. Vor allem steigt die Anzahl der anerkannten Flüchtlinge und der akut wohnungslosen Haushalte aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes, der wachsenden Stadtbevölkerung, der steigenden Mietpreise und der fehlenden Sozialwohnungen seit Jahren. Ende Juli befanden sich münchenweit 5582 Menschen in städtischen und von Verbänden geführten Einrichtungen und weitere 776 in privaten Unterkünften - in Summe mehr als 6300 Personen.

Die Stadt stehe deshalb "ständig vor der Herausforderung, neue Standorte zu akquirieren und Kapazitäten zu schaffen", begründet Sozialreferentin Schiwy die Planung für die Fläche an der Aubinger Allee. Die Corona-Pandemie verschärfe die Situation weiter. Das gut 12 000 Quadratmeter große Acker-Grundstück in Freiham-Nord ist für die Stadt insofern ideal, als es voraussichtlich bis 2035 zur Verfügung steht, bevor es langfristig mit Wohnungen bebaut wird. Für das Notquartier soll dabei aber nur die Hälfte der Fläche beansprucht werden. "Mehr", sagt Ehnes, "ist nicht in unserem Interesse." Der Betrieb der Wohnungslosen-Einrichtung ist auf zehn Jahre angelegt, mit Option auf eine fünfjährige Verlängerung. Mit der Inbetriebnahme der Unterkunft rechnet Schiwy von 2022 an.

Der Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied hat das Vorhaben des Sozialreferats befürwortet und gleichzeitig vorgeschlagen, auf der zweiten Hälfte des Grundstücks zusätzlich ein Freizeitheim für Kinder und Jugendliche zu errichten - ein Wunsch, den Ehnes nun an das Stadtjugendamt weiterleiten will.

© SZ vom 28.10.2020

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