Süddeutsche Zeitung

Freiham:Am Campus der Superlative kann der Unterricht beginnen

Gerade rechtzeitig wird der gewaltige Komplex im Westen der Stadt fertig. Bald sollen dort 3000 Kinder und Jugendliche lernen.

Sie haben es geschafft, sie sind fertig. Von einer Punktlandung spricht eine Pressesprecherin, zwei Männer putzen noch die riesigen Glasfenster des Verbindungsganges zwischen Mensa und Förderzentrum. Eine Baumaschine kreischt, vielleicht auch auf einer der vielen Baustellen nebenan. Eine Gruppe Frauen und Männer steht vor dem Mensa-Gebäude und wartet darauf, dass etwas passiert. Und dann kommt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), um Münchens größtes Schulbauprojekt zu begutachten.

Es ist eine Woche vor Schulbeginn, und Oberbürgermeister Reiter, Bürgermeisterin Christine Strobl, Baureferentin Rosemarie Hingerl und Stadtschulrätin Beatrix Zurek sind nach Freiham gekommen, um ein Gelände mit gleich vier Schulen der Öffentlichkeit vorzustellen. Der Bildungscampus Freiham, ein riesiges Gelände am westlichen Rand der Stadt, auf dem bald 3000 Schülerinnen und Schüler lernen sollen, ist offiziell fertig. Rechtzeitig, wie Baureferentin und Pressesprecherinnen immer wieder betonen. "Ein wunderschöner Termin", sagt Oberbürgermeister Reiter, lobt die Verwaltung und nennt es "bemerkenswert, dass in so kurzer Zeit ein toller Campus entstanden ist - das ist das Modernste, was man im Bildungsbereich derzeit schaffen kann".

Der Oberbürgermeister sagt das in der sogenannten Campus Mitte, einem Gebäude, das trotz seines Namens nicht in der Mitte des Campus liegt, sondern eine der Ecken des Geländes ausfüllt. Der Komplex heißt so, weil er das Zentrum des Schulgeländes bilden soll, ein Ort sein soll, an dem sich die Schüler aller vier Schulen treffen. Mensa, Bibliothek, Küche, Atelierflächen und ein Versammlungsraum für mehr als 900 Personen sind hier untergebracht.

Baureferentin Hingerl steht in der Mensa für Realschüler und Gymnasiasten und spricht von einem "heißen Ritt für alle Beteiligten". Sie berichtet, dass sie vor einem Jahr an dieser Stelle in einem Rohbau stand - und dass sie skeptisch war, ob es zu schaffen ist, den Campus zum Schuljahresbeginn 2019/2020 zu eröffnen. Nun aber ist alles fertig. Die Betonstufen mit den Holzsitzflächen sind da, Tische und Stühle und sogar Blumenkübel mit Palmen und sandfarbenen Deko-Steinen stehen im Raum. Zwei bunte Plakate kündigen an, was es kommende Woche zu essen gibt: am ersten Schultag Hähnchengeschnetzeltes Jäger Art, vegetarische Frühlingsrollen und Gemüse-Gouda-Knusperstäbchen.

Eine Nutzfläche von 38 500 Quadratmetern, eine Grundschule mit fünf Parallelklassen in einem Jahrgang, ein Förderzentrum mit 19 Klassen, eine fünfzügige Realschule und ein sechszügiges Gymnasium, zwei Jahre Bauzeit und 245 Millionen Euro Kosten - es ist eine Anlage der Superlative, die in Freiham entstanden ist. Ab Dienstag kommender Woche werden 1200 Schülerinnen und Schüler dort lernen, spielen und Sport machen. Für bis zu 3000 Schüler ist hier Platz, und den wird es brauchen, denn in Münchens neuem Stadtteil sollen mal 25 000 Menschen leben.

Ein Rundgang, die Treppe hinauf in den ersten Stock und dann hinüber in das Sonderpädagogische Förderzentrum: Die Baureferentin weist auf die hellgelben Jalousien hin, auf das Lochmuster der Balkongeländer, die Farbelemente in den Gängen. Der Oberbürgermeister nickt, sehr schön findet er das alles, "bemerkenswert", wie er mehrmals sagt. So wie die Barrierefreiheit: Der gesamte Campus ist entsprechend gebaut und gestaltet. Zudem wurden alle vier Schulen nach dem Münchner Lernhauskonzept gebaut. Ein Lernhaus sei "eine kleine Schule in der großen Schule", erklärt Bürgermeisterin Strobl. Schulen sollen so in überschaubare Einheiten gegliedert werden, in denen mehrere Jahrgangsstufen zusammengefasst werden.

Schuloffensive

245 Millionen Euro Kosten, zwei Jahre Bauzeit: Knapp eine Woche vor dem Ende der Ferien ist in Freiham ein ambitioniertes Projekt der Öffentlichkeit präsentiert worden. Das neue Bildungs-Areal umfasst eine Grundschule, ein Förderzentrum, eine Realschule und ein Gymnasium. Von der Sekretärin bis zum Direktor - alle freuen sich darauf, dass es bald losgeht.

Der Eindruck: Alles ist hell, grauer Beton, helles Holz, helle Farben in den Gängen. An manchen Stellen kleben noch Krepppapierstreifen, die Uhren zeigen alle auf zwölf Uhr, hier und da guckt noch Dämmmaterial hervor. Es ist noch nicht alles fertig, ein paar Tage haben sie noch Zeit. Auf dem Rundweg schüttelt die Baureferentin einer Bauleiterin die Hand, "das haben Sie noch toll hingekriegt seit Freitag". Und die Grünanlage, das sagt die Baureferentin gleich, die sei noch längst nicht fertig. Könne sie auch gar nicht, Pflanzzeit sei schließlich im Herbst. Nur der Rollrasen ist verlegt, die Wege sind nutzbar und die Beleuchtung steht - die 200 Bäume kommen später.

Der Rundgang führt ins Gymnasium, aufs Dach des dreistöckigen Gebäudes. Dort oben: ein Feld mit zwei Toren zum Fußballspielen, ein Badmintonnetz, Tische und Bänke und ein Sonnensegel. Das gleiche gibt es zwei Dächer weiter auf der Realschule noch einmal. Die Schüler sollen hier Pausen und Freizeiten verbringen können, die Idee dazu brachte ein Beteiligungsverfahren. Thomas Schranner leitet das Gymnasium, steigt mit hinauf aufs Dach. "Das alles muss man jetzt noch mit Leben füllen", sagt er, als er über den neuen Campus blickt. 1200 Schüler werden ab nächster Woche sicher dafür sorgen.

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SZ vom 04.09.2019/amm
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