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Freizeit in München:"Früher hatte das Becken Olympiamaße. Jetzt gelten eben die Corona-Maße"

Viele Attraktionen sind wegen des Ansteckungsrisikos gesperrt. Zu viele Gäste auf einmal würden sich sonst dort tummeln.

(Foto: Catherina Hess)

Noch nie hatten Badegäste so viel Platz für sich in den Freibädern. Damit jeder die Chance hat, mal dranzukommen, kann jetzt immer nur ein Termin im Voraus gebucht werden. Ein Besuch zur Saisoneröffnung.

Von Julian Hans

Vielleicht war es ja ganz gut so, dass die Freibadsaison heuer mit grauem Himmel und kühlen 14 Grad begann. So konnten Stefan Grötschel und seine Mitarbeiter etwas gelassener starten und in Ruhe testen, ob auch alles so funktioniert, wie sich die Bäderbetriebe das ausgedacht haben in den vergangenen Wochen: Die vorherige Anmeldung der Badegäste unter www.swm.de/m-baeder. Die Abstandsregeln im Becken, der Kleiderwechsel ohne Umkleidekabinen. Und duschen darf man auch nur im Freien.

Um kurz nach zehn steht der Betriebsleiter des Dantebads im blauen SWM-Shirt und mit schwarzer Mund-Nasen-Maske vor der großen Panoramascheibe seines Büros und sieht zufrieden dabei zu, wie Leben in sein Bad kommt. Die Bahnen im großen Schwimmerbecken sind jetzt doppelt so breit wie normal. Es gilt die Regel: außen Schwimmen, innen Überholen. Und damit zwei gleichzeitig überholen können, ohne dass sich die entgegenkommenden Corona-gefährlich in die Quere kommen, ist jetzt eben mehr Platz.

"Früher hatte das Becken Olympiamaße", sagt er über die 50-Meter-Bahnen. "Jetzt gelten eben die Corona-Maße". Zu den Corona-Maßen gehört auch, dass insgesamt nur noch 1800 Gäste auf einmal ins Dantebad gelassen werden. Das klingt erst einmal gar nicht so wenig. Aber wenn man bedenkt, dass an sonnigen Wochenenden in den vergangenen Jahren sich 9000 und mehr Gäste in den Becken, auf der Rutsche und auf den Liegewiesen vergnügten, dann ist das schon ein bisschen traurig.

Kostendeckend können die Münchner Bäder so nicht betrieben werden, das ist klar. Aber die Stadt möchte den Bürgern so viel Normalität zurückgeben, wie möglich. Und andererseits soll auch vermieden werden, dass sich alle an den Seen und an der Isar stapeln. Das wäre auch nicht im Sinne des Infektionsschutzes. Damit jeder die Chance hat, mal dranzukommen, kann immer nur ein Badetermin im Voraus gebucht werden. Erst wenn der abgelaufen ist, kann man den nächsten buchen.

Vielschwimmer würden natürlich am liebsten gleich mehrere Wochen durchplanen, um ihr Programm abzuspulen. Die brauchen jetzt eben ein bisschen Glück. Glück braucht auch, wer spontan ins Bad möchte: Ohne Anmeldung gibt es kein Eintrittsticket mehr. Aber man kann noch versuchen, am Eingang per Handy eine Reservierung zu bekommen. Zusätzlich zur Kassiererin stehen am Feiertag gleich drei SWM-Mitarbeiter an der Eingangstür des Dantebads, die prüfen, ob auch jeder seinen QR-Code ausgedruckt oder auf dem Handy dabei hat. Weniger Gäste, mehr Aufwand. Es ist fast überall dasselbe zur Zeit.

Kinder können jetzt auch nicht mehr ohne weiteres alleine ins Freibad. Der freie Eintritt im vergangenen Jahr war eine einmalige Sache. Dazu kommt, dass wegen der Auflagen des Infektionsschutzes nun erst Schüler von 14 Jahren an alleine ins Bad dürfen. Wer jünger ist, muss von einem Erziehungsberechtigten begleitet werden. Das entlastetet nicht die Eltern, die ihre Kinder gern Schwimmen schicken würden, um im Home Office mal ein paar Stunden konzentriert arbeiten zu können. Dafür entlastet es die Bademeister, die nicht auch noch nebenher mit Jugendlichen über Abstandsregeln diskutieren müssen.

Viel Verantwortung liege bei den Gästen selbst, sagt Grötschel, der Betriebsleiter. "Wir können nicht jedem hinterher rennen".

Die Bahnen im großen Schwimmerbecken sind jetzt doppelt so breit wie normal - zum Überholen gibt es jetzt mehr Platz.

(Foto: Catherina Hess)

Vieles von dem, was Kindern gefällt, muss jetzt ohnehin aus bleiben. Im Attraktionsbecken gibt es keinen Strömungskanal, keine Blubberblasenwannen oder Massagedüsen. Erfahrungsgemäß sind diese Vergnügungen so verlockend, dass die Leute sofort aufeinanderklumpen, wenn eine davon angeschaltet wird. Jetzt soll jeder ausreichend Platz haben. Die Bäderleitung hat das im Dantebad ausgerechnet und auf ein Schild am Beckenrand geschrieben: "Maximale Anzahl an Badegästen im Schwimmerbecken: 105. Maximale Anzahl an Badegästen im Attraktionsbecken: 39." Allerdings: Es ist nicht gleich mit einem Blick zu erfassen, ob da jetzt 104 Schwimmer durchs Wasser pflügen oder schon 107. Aber einige Menschen wissen ja auch nach Wochen noch nicht, wie viel anderthalb Meter sind. Eine Gesellschaft braucht eben auch eine gewisse Fehlertoleranz, ob zu Lande, in der Luft oder eben im Wasser.

In diesem Jahr hat der Betriebsleiter Stefan Grötschel sein Bad zwei Mal für die Saison fit gemacht: Im März war schon fast alles so weit, dann kam der Shutdown. Bis es jetzt endlich losgehen konnte, habe sich "die Natur das Bad schon fast wieder zurückgeholt", sagt er.

Es ist kurz vor elf, als Renate von Hodenberg aus dem Becken steigt. Langsam werde es ihr zu eng, sagt sie. Im Wasser besteht ja keine Ansteckungsgefahr, drei Mal in der Stunde wird das Becken komplett umgewälzt. Für den Rest sorgt das Chlor. Aber sie will auch mit keinem anderen Schwimmer zusammenrasseln. Trotzdem ist die Unternehmensberaterin froh, endlich wieder Schwimmen zu dürfen: "Das Wasser hat mir schon sehr gefehlt", sagt sie. Sie habe die Zeit mit Joggen überbrückt, sagt Natascha Holtermann. "Jetzt habe ich solche Schenkel", klagt sie. Aber immerhin: Der Badeanzug passt noch.

© SZ vom 12.06.2020/kbl
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