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Freibadsaison:Schwimmen nach Zahlen

Michaelibad in München, 2019

In diesem Sommer werden sich deutlich weniger Gäste in Münchens Freibädern tummeln dürfen. Und Gedränge am Rutschenturm wie hier im Michaelibad wird es sicher nicht geben.

(Foto: Florian Peljak)

Viel Hygiene, weniger Gäste: Münchens Freibäder könnten in den Pfingstferien wieder öffnen. Freien Eintritt für Kinder und Jugendliche wird es in dieser Saison aber nicht geben.

Update vom 5. Juni 2020: Wegen des absehbar schlechten Wetters öffnen die ersten Freibäder in München nicht wie geplant am 8. Juni, sondern erst am 11. Juni, also an Fronleichnam. Das haben die Stadtwerke München am Freitag mitgeteilt. Den Anfang der Freibade-Saison machen dann Schyrenbad, Dantebad, Bad Georgenschwaige und Prinzregentenbad. Am Samstag, 13. Juni, folgen wie geplant Michaelibad, Westbad und Ungererbad.

Die Münchner Freibäder werden zwar voraussichtlich in zwei Wochen wieder öffnen, allerdings wohl unter strengen Regeln. Nach der Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder, Schwimmbäder in der zweiten Hälfte der Pfingstferien wieder freizugeben, muss die Münchner Bäderchefin Christine Kugler nun ihre Vorbereitungen darauf abstimmen, was der CSU-Parteivorsitzende konkret für die Öffnung vorschlägt.

Ihr Konzept steht nach Angaben der Stadtwerke (SWM) weitgehend, schließlich hatte Kugler, die auch im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen ist, während der Schließung der Schwimmbäder neben anstehenden Sanierungsarbeiten in den Einrichtungen genügend Zeit, um sich auf den Start in die Sommersaison vorzubereiten. Eine bittere Einschränkung müssen wohl Münchner Kinder und Jugendliche in diesem Jahr hinnehmen: Der kostenlose Eintritt für Minderjährige, der 2019 probeweise eingeführt wurde, dürfte neu geregelt werden.

Der zuständige Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) will ihn sogar ganz streichen, doch die grün-rote Stadtratsmehrheit möchte dies verhindern. Grund für den Streit, der an diesem Dienstag im Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft ausgetragen werden soll, sind neben Spar-Gründen auch Probleme mit der Sicherheit. Nach Auskunft des Wirtschaftsreferats haben sich in Münchner Sommerbädern zwischen 1. Juni und 30. Juli "rund 30 schwerwiegende und zum Teil auch öffentlichkeitswirksame Vorfälle ereignet", die zum Teil nur "mit einem großen Aufgebot an Polizeikräften aufzulösen waren", heißt es in der Sitzungsvorlage. Es habe Schlägereien zwischen Jugendgruppen, Bedrohungen und auch Belästigungen gegenüber anderen Badegästen gegeben. Erst mit der Einführung des Sommerbäderpasses und dem Aufgebot von Sicherheitskräften habe sich die Situation etwas entspannt. Trotzdem sind nach Einschätzung des Wirtschaftsreferats viele Stammgäste im vergangenen Sommer ausgeblieben. Doch das muss nicht nur an der neuen Situation in den Freibädern liegen, in denen 2019 immerhin etwa 27 Prozent der Besucher Kinder und Jugendliche waren und damit kostenlos in eines der acht Freibäder gehen konnten. Auch die Witterung trug wohl zu den eher durchschnittlichen Besucherzahlen bei. So blieben im Mai und im August wegen Regens und niedrigen Temperaturen viele Badende aus.

Das Pilotprojekt im vergangenen Sommer, bei dem sämtliche Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre freien Eintritt zu den Sommerbädern erhielten, ging auch ins Geld. Der Stadtrat hatte auf Anträge der Bayernpartei, der CSU- und der SPD-Fraktion einmalig bis zu 1,785 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, die die Münchner Bäder fast ausschöpften. 1,67 Millionen Euro kostete das Pilotprojekt im vergangenen Jahr, dabei kostete allein der eingesetzte Sicherheitsdienst 737 000 Euro. Dabei gilt 2019 als zuletzt eher durchschnittliches Badejahr mit rund einer Million Besuchern, im Sommer 2018 waren es ohne kostenlosen Eintritt mehr als 1,1 Millionen Badegäste.

Wegen der Coronakrise und den wohl strengen Auflagen für die Besucher rechnen Stadtwerke und das Wirtschaftsreferat in diesem Sommer mit deutlich weniger Besuchern und damit auch erheblich weniger Einnahmen. Ob die städtischen Bäder im kommenden Jahr den Jugendlichen wieder kostenloses Badevergnügen spendieren, ist auch angesichts der Folgekosten der Pandemie noch nicht geklärt. Spätestens im Frühjahr 2021 wollen Wirtschaftsreferat und Stadtwerke dem Stadtrat neue Vorschläge unterbreiten.

Münchens Bäderchefin Christine Kugler.

(Foto: Robert Haas)

Wie das Konzept für die Sommerbäder nach Ende der Corona-Beschränkungen im Juni aussehen soll, ist bislang noch nicht im Detail bekannt. Die Münchner Bäder-Chefin Christine Kugler teilte am Montag lediglich mit: "Wir haben alle Vorbereitungen für die Sommerbadsaison getroffen und ein sehr umfangreiches Hygiene- und Betriebskonzept entwickelt. Nun warten wir zum einen auf die behördliche Bestätigung des Starttermins und zum anderen auf die genauen Vorgaben und Auflagen für den Badbetrieb. Diese werden wir umgehend mit unserem Hygiene- und Betriebskonzept abgleichen und unser Konzept gegebenenfalls fortschreiben. Sobald dies geschehen ist, werden die SWM das Konzept im Detail vorstellen."

Das könnte bereits in den kommenden Tagen geschehen, nach SZ-Informationen soll es deshalb direkte Gespräche zwischen der Münchner Stadtspitze und der bayerischen Staatskanzlei geben. Vermutlich werden sich die Regeln nach der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen richten, wonach unter anderem die Zahl der Besucher reglementiert wird und bei zu vollen Pools die Schwimmbecken gesperrt werden können. Natürlich gelten dann auch in den Schwimmbädern die Abstands- und Hygieneregeln. Ob am 8. Juni alle Münchner Sommerbäder geöffnet werden, ist auch noch unklar.

© SZ vom 26.05.2020/kafe
Dante-Freibad in München, 2016

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Die städtischen Bäder öffnen bald wieder - unter vielen Auflagen. Eine Zeitbeschränkung für den Badetag soll es zumindest vorerst nicht geben.

Von Dominik Hutter

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