Nach acht Monaten Stillstand geht es in Münchens Freibädern am Mittwoch wieder los. Dann starten Prinzregenten-, West- und Ungererbad sowie das Michaeli-Freibad in die Saison, das Dante-Freibad geht in den Sommerbetrieb.
Am Montag liegt das Ungererbad noch still da. Ein Saugroboter fährt über den Grund des Kaiserbeckens. Das Wasser funkelt im Sonnenlicht, noch ziehen nur ein paar Enten ihre Bahnen. "Enten sind ja noch in Ordnung, aber die ganzen Gänse", schimpft Badleiter Stefan Blattner. Er ist zwischen den Becken unterwegs. Immer wieder klingelt sein Telefon: "Da muss ich kurz hin", sagt er dann. "Der Sandmann kommt morgen", weiß er, als er wieder auflegt. Mit dem Sandmann meint er die Firma, die am nächsten Tag den Sand am Wasserspielplatz und den Beachvolleyballfeldern austauschen soll. Es sind die letzten Schliffe, die vor der Eröffnung notwendig sind. Die ersten Vorbereitungen für die Saison haben schon viel früher begonnen.
Im März hat sich Blattner mit seinem Team im Bad an die Arbeit gemacht. Es ist sein erstes Jahr als Badleiter. "Am Anfang mussten wir die Sturm- und Schneeschäden auf den Wiesen beseitigen", sagt er. Äste und Laub hätten als erstes von dem 49 700 Quadratmeter großen Gelände des Ungererbads entfernt werden müssen, "sonst landen die nur wieder in den Becken". Danach konnte das Areal gemäht werden. Einen ganzen Tag habe das gedauert, trotz Aufsitzrasenmähers.
Als nächstes stand die Reinigung der fünf Becken an, die auch im Winter gefüllt bleiben. Denn das Wasser sorgt dafür, dass die Becken nicht eingedrückt werden, wenn das umliegende Erdreich gefriert. Ist das alte Wasser abgelassen, wird es Zeit für die Schubkarren. "Siebeneinhalb Kubikmeter Schlamm, Äste und Laub haben wir aus den Becken geholt. Und Gänsedreck." Das dauerte mehrere Tage. Danach konnten Becken, Einstromgitter und Überlaufrinnen gereinigt werden. Das passiert in drei Schritten, mit Hochdruckreiniger, saurem und basischem Reinigungsmittel.
Als die Becken nach knapp einer Woche Reinigung wieder glänzten, ging es ans Befüllen. "Der Hausanschluss hat acht Bar, bis alles voll ist und etwas im Becken ankommt, dauert es am Anfang eine Viertelstunde", sagt Blattner. Um das 90 Meter lange Kaiserbecken zu befüllen, brauche es ganze fünf Tage. Das Becken fasst vier Millionen Liter Wasser.



Gut zwei Wochen dauert es dann, bis das Wasser in den gefüllten Becken so ist, wie es die Mitarbeiter haben wollen. Denn die Wasseraufbereitungsanlage muss getestet, der pH-Wert auf 6,5 bis 7,2 eingestellt und das Wasser gechlort werden. Der richtige pH-Wert ist wichtig, damit das Flockungsmittel gut funktioniert. Das wird dem Wasser bei der Aufbereitung zugesetzt, um feine Verunreinigungen wie Schweiß und Urin zu binden.
Die Aufbereitungsanlage mit elf Drucksandfiltern und sieben Umwälzpumpen befindet sich unter der Liegewiese, verrät Blattner. Sie kann bis zu 2500 Kubikmeter Wasser pro Stunde fördern. Das strömt unten durch das Einstromgitter in die Schwimmbecken und über die Überlaufrinne wieder hinaus.
Über der Aufbereitungsanlage liegt der Chlorraum, dessen Wände von gelben Metallkanistern mit Chlorgas gesäumt sind. Die Sprinkleranlage an der Decke ist einsatzbereit. Das Vakuumsystem sei sehr sicher, sagt Blattner: "Da ist noch nie was passiert, woran ich mich erinnern könnte." Wie viel Chlor benötigt wird, hängt von der Temperatur und der Zahl der Badegäste am Tag ab.



Je nach Wetter dauert es fünf bis sieben Tage, bis die Becken auf 24 Grad aufgeheizt sind. Dank der Sonneneinstrahlung der vergangenen Tage ging es diesmal recht schnell, sagt der Badleiter. Das erste Aufheizen der Saison erfolgt mit Fernwärme. Danach kann neues Wasser über einen Wärmetauscher auf 18 Grad erwärmt werden, dadurch wird weniger Heizleistung benötigt.
Wenn die Becken fertig sind, macht sich das Team daran, Volleyballnetze zu spannen und Fußballtore aufzustellen. Auf der Wasserrutsche nebenan werden Röhre und Schweißnähte auf Beschädigungen überprüft. Weiter hinten auf dem Gelände ist der neue Kioskbetreiber Martin Lipah mit Putzen beschäftigt. Für die nächsten zwölf Jahre hat er den "August Ungerer Kiosk" gepachtet, dessen ehemals blaue Fassade nun Holzoptik trägt.

"Im Biergarten haben 250 Leute Platz", sagt er. Den Gästen wolle er eine Mischung aus Biergartenklassikern und vegetarischer Küche bieten. So hat der Kiosk nicht nur Helles (4,20 Euro) und Pommes frites (4,50 Euro) im Angebot, sondern auch verschiedene Salate (6,90 bis 11 Euro) aus aller Welt. Erklärtes Ziel sei es, dass die Gäste nicht länger als fünf Minuten warten müssten, so Lipah. In den vergangenen Jahren habe es teils Wartezeiten von mehr als einer Stunde gegeben, ergänzt Badleiter Blattner.
Im Sommer sind jeden Tag bis zu zehntausend Menschen im Ungererbad. 20 fest angestellte Mitarbeiter sowie 80 Saisonkräfte und Rettungsschwimmer arbeiten während der Saison im Bad. "Die Anfangszeit ist immer die schwierigste", sagt Blattner. "Und wenn im Sommer die Abiturienten fertig sind und die Studenten in den Semesterferien, sind wir personell meistens voll besetzt."
Ab Mittwoch, den 15. Mai, ist das Ungererbad bei Temperaturen von mindestens 15 Grad geöffnet. Der reguläre Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt sind es 3,80 Euro. Kinder bis zum 12. Geburtstag und Inhaber des "München Passes" haben freien Eintritt.

