Isarvorstadt Die Fraunhoferstraße soll sicherer für Radler werden

An der Fraunhoferstraße sind Radfahrer derzeit zwischen parkenden und fahrenden Autos unterwegs, hinzu kommen tückische Tramschienen.

(Foto: Florian Peljak)
  • Täglich fahren etwa 16 000 Autos durch die Fraunhoferstraße, sie gilt als örtliche Hauptverkehrsstraße.
  • Um die Straße für Radler sicherer zu machen, plant der Stadtrat, die Parkplätze durch Radwege zu ersetzen.
  • Somit würden 120 Parkplätze wegfallen.
Von Andreas Schubert

Die Fraunhoferstraße ist bei Radfahrern berüchtigt. An beiden Seiten parken Autos, in der Mitte verlaufen Tramgleise, derentwegen schon so einige Radler gestürzt sind. Die Fraunhoferstraße gilt im Verkehrsentwicklungsplan als "örtliche Hauptverkehrsstraße mit maßgeblicher Verbindungsfunktion", in der Tempo 50 erlaubt ist. Täglich rauschen hier etwa 16 000 Autos durch. Weil auf der Fahrbahn wegen der längs parkenden Fahrzeuge nur etwa acht Meter zur Verfügung stehen, ist knappes Überholen an der Tagesordnung.

Das soll schon bald anders werden: An diesem Mittwoch wird der Stadtrat voraussichtlich beschließen, parkende Autos noch dieses Jahr aus der 500 Meter langen Straße zu verbannen. So könnten auf beiden Seiten 2,30 Meter breite Radstreifen markiert werden, was die Sicherheit deutlich erhöht und ein Nebeneinanderfahren oder Überholen für Radler ermöglicht. Auch Räder mit Anhänger könnten dann problemlos auf der Fraunhoferstraße fahren. Auf große bauliche Maßnahmen will die Stadt vorerst verzichten und nur die Radwege auf der Fahrbahn markieren. Lediglich die Parkscheinautomaten würden abgebaut, da sie dann nicht mehr gebraucht würden.

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Rund 120 Parkplätze sollten insgesamt auf beiden Seiten zwischen der Müllerstraße und der Baaderstraße respektive Reichenbachstraße wegfallen. Das würde vor allem Anwohner betreffen, denn für spontane Parker war es schon immer schwierig, hier überhaupt einen Stellplatz zu bekommen. Die Fraunhoferstraße gehört auf der Südwestseite zum Parklizenzgebiet Glockenbachviertel, gegenüber zum Gebiet Gärtnerplatz. In Ersterem stehen Anwohnern und Besuchern insgesamt etwa 2100 Parkplätze zur Verfügung, in Letzterem sind es rund 1350. Um einen Ausgleich zu schaffen, soll die bisherige, aus 24 Stellplätzen bestehende Mischparkzone in der Corneliusstraße in einer reine Bewohnerparkzone umgewandelt werden. 65 Stellplätze in der Westermühlstraße sollen von 18 Uhr an nur noch den Anwohnern zur Verfügung stehen.

Auch für den Lieferverkehr soll es eine Lösung geben. Schon jetzt finden Paketboten, Essenslieferanten oder gewerblicher Verkehr kaum einen legalen Stellplatz. Deshalb wird wild in zweiter Reihe geparkt, in Feuerwehrzufahrten oder an der Tramhaltestelle. Auch auf roten Radstreifen darf nicht gehalten werden, weshalb das Planungsreferat damit rechnet, dass der Lieferverkehr dort eben illegal parken wird. Deshalb, so der Vorschlag der Behörde, müsse die kommunale Verkehrsüberwachung verstärkt ein Auge auf die Fraunhoferstraße richten. Weil es wegen der Gewerbe- und Gastronomiebetriebe aber nicht ohne Lieferverkehr geht, will die Stadt für diesen in den Seitenstraßen neue Lieferzonen ausweisen. Vorgesehen sind die Reichenbachstraße nördlich der Fraunhoferstraße, die Klenzestraße im Nordosten sowie im Südwesten und die Müllerstraße. Die Jahnstraße komme nicht in Frage, da sie zu schmal sei.

Auch der fließende Verkehr wäre betroffen: So würde an der Kreuzung Müllerstraße eine Abbiegespur wegfallen. Damit es nicht zu Staus kommt, soll die Ampelschaltung angepasst werden. Zur Isarparallele hin würde die Rechtsabbiegespur zur Auenstraße wegfallen, was wiederum der Münchner Verkehrsgesellschaft missfällt, da fortan die Rechtsabbieger auch auf den Tramgleisen warten müssten und die Züge so behindern könnten. Die Stadt rechnet indes mit nur wenig Behinderungen und schlägt vor, die Situation ein Jahr lang zu beobachten. An der Papa-Schmid-Straße soll nur ein Radstreifen Richtung Blumenstraße entstehen. Auf der gegenüberliegenden Seite steht dem Radweg eine alte Platane im Weg. Zusätzlich sind Radlparkplätze an den U-Bahneingängen angedacht, wofür drei Autostellplätze geopfert werden sollen.

Stimmt der Stadtrat für die Maßnahme und die roten Radstreifen, soll das Baureferat die Planungen für eine mögliche Verbreiterung der Gehwege und Varianten für feste Radwege erarbeiten. Das Votum gilt als wahrscheinlich: Nach den Grünen ist nun die SPD ebenfalls bereit, den Radlern das Leben in der Fraunhoferstraße zu erleichtern.

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