Deutschland hat den Zuschlag für die Frauenfußball-EM 2029 bekommen – und München spekuliert nun darauf, eins der beiden prestigeträchtigsten Ereignisse ausrichten zu dürfen: das Eröffnungsspiel oder das Finale. Diese Hoffnung beruht darauf, dass die Arena in Fröttmaning mit ihrer Kapazität von 70 000 Zuschauern diejenige mit dem größten Fassungsvermögen unter den acht Austragungsorten ist. Außer in München soll in dreieinhalb Jahren in Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Köln, Leipzig und Wolfsburg gespielt werden. In der bayerischen Landeshauptstadt sind nach jetzigem Stand bis zu fünf Partien vorgesehen.
Die am Mittwochnachmittag verkündete Entscheidung des europäischen Fußballverbandes Uefa, das Turnier nach Deutschland zu vergeben, bezeichnete Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) als „großartiges Signal für den Frauenfußball in Europa“. Er versprach, alles daranzusetzen, „ein Fußballfest zu gestalten, das die Bedeutung des Frauenfußballs weiter stärkt“. Sportreferent Florian Kraus erhofft sich einen Impuls vor allem für den Mädchenfußball. „Große internationale Turniere schaffen Vorbilder – und genau die brauchen junge Spielerinnen“, sagte er und versprach: „Wir werden die Chance nutzen, um die Nachwuchsarbeit weiter zu stärken, Sichtbarkeit zu schaffen und noch mehr Mädchen für den Fußball zu begeistern.“
München war bereits fünfmal Schauplatz bei internationalen Männer-Turnieren: bei den Weltmeisterschaften 1974 und 2006 sowie den Europameisterschaften 1988, 2021 und 2024. Die Fußballerinnen sind indes erstmals zu Gast, wenn es um einen Titel für Nationalmannschaften geht. Die EM 2029 soll mit 16 Mannschaften stattfinden, einen genauen Terminrahmen gibt es bislang nicht.
Zumindest einen symbolischen Vorteil hat Bayerns Landeshauptstadt damit auch im Rennen der deutschen Olympia-Bewerber. Hamburg und Berlin waren im Zuge des nationalen Auswahlprozesses vom Deutschen Fußball-Bund ausgemustert worden, was vor allem in Berlin für großes Unverständnis gesorgt hatte: Schließlich hätte die Bundeshauptstadt mit dem dortigen Olympiastadion die größte Bühne und das größte Publikum bieten können. Von den Olympia-Interessenten kommt lediglich Köln auch beim Frauenfußballturnier zum Zug.
Ob die Ausrichtung dieser EM einen tatsächlichen Pluspunkt hinsichtlich der Olympiabewerbung gibt, ist noch offen. Der Deutsche Olympische Sport-Bund will am Wochenende bei einer Mitgliederversammlung seine Bewertungsmatrix präsentieren, mit deren Hilfe die Aspiranten evaluiert werden sollen. Dabei soll auch die Ausrichtung von Welt- und Europameisterschaften in irgendeiner Form einfließen. Offen ist aber, ob nur vergangene Ereignisse berücksichtigt werden oder auch künftige Veranstaltungen.

