„Denk mal an Franz“, ist schon von Weitem zu lesen. Der Schriftzug läuft auf rotem Hintergrund über ein Band an der Allianz Arena. Einige Meter entfernt reckt das bronzene Abbild von Gerd Müller die Arme in den wolkenverhangenen Himmel. Nun hat der Bomber der Nation Gesellschaft bekommen: Franz Beckenbauer, der wohl bekannteste Fußballer Deutschlands, wurde ebenfalls in Bronze verewigt. Rund eineinhalb Jahre nach seinem Tod und einen Tag, nachdem er seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte, wurde auf dem nach ihm benannten Platz vor der Fröttmaninger Arena eine Statue des Kaisers enthüllt.
In Auftrag gegeben hat das Werk die Kurt-Landauer-Stiftung. Den Zuschlag bekam Matilde Romagnoli, eine 1992 in Mailand geborene Künstlerin, die seit 2015 in München lebt. Mehrere Monate lang arbeitete sie an der Statue, als Vorbild diente ein Foto. Am Anfang standen unzählige Skizzen, im Herbst 2024 begann Romagnoli schließlich damit, ein 2,70 Meter hohes Tonmodell anzufertigen. Dieses wurde zersägt, um die Einzelteile mit Silikon und Gips abzuformen. Erst ganz am Ende entstand daraus der Metallguss.
Die Statue ist zwar aus Bronze, Romagnoli hat es dennoch geschafft, sie lebendig wirken zu lassen. Um das Wesen des Kaisers einzufangen, studierte die Künstlerin ihn ganz genau, sah sich unzählige Fotos und Videos von ihm an. Auf der Esplanade vor der Arena blickt Beckenbauers Abbild nun in die Ferne, den Fuß am Ball, als wäre er auf der Suche nach dem freien Mitspieler.
Dass es ein alles andere als leichtes Unterfangen ist, einen Fußballer mit einer Statue zu würdigen, zeigte sich schon öfter: Die Liste missglückter Abbilder, die Spott statt Bewunderung auf sich zogen, ist lang. Der portugiesische Weltstar Cristiano Ronaldo hat bereits zwei derartige Würdigungen bekommen. Eine – später ausgetauschte – Büste an dem nach ihm benannten Flughafen in Madeira zeigte höchstens entfernte Ähnlichkeit, das Grinsen wirkte verzerrt.
Die Gesichtszüge einer weiteren Ronaldo-Statue in Funchal sind schon realistischer – dafür löste das Werk mit einem sehr ausgeprägten Schritt Häme aus. In Indien wurde vor einigen Jahren eine Statue von Argentiniens Fußball-Legende Diego Maradona enthüllt, deren sanft lächelndes Gesicht manchen Betrachter eher an eine Großmutter erinnerte. Auch das Abbild des walisischen Spielers Gareth Bale in Cardiff zog bei seiner Präsentation aufgrund der bulligen, groben Gesichtszüge Spott auf sich.
Der Druck auf Romagnoli war also groß, die Münchner hätten es ihr wohl kaum verziehen, wenn ihr Idol auf ähnliche Weise verschandelt worden wäre. Die Künstlerin war sich dessen durchaus bewusst, obwohl sie mit Fußball und Beckenbauer bislang nichts zu tun gehabt habe, wie sie der SZ im April erzählte. Sie habe großen Respekt gehabt, sagt aber auch: „Ehrfurcht kann blockieren.“
Bayern-Präsident Herbert Hainer jedenfalls ist zufrieden mit der Statue, wie er bei der Enthüllung sagte: „Sie sieht so aus, als sei sie auf einem Sprung, als würde gleich etwas Besonderes passieren.“ Bayern-Fans, die auf dem Weg zu einem Spiel an dem Werk vorbei pilgern, dürften sich wünschen, dass dieser Eindruck sich bewahrheitet.

