Urbane Gebiete:Neues Leben am Frankfurter Ring

Urbane Gebiete: Raum für Nachverdichtung: Am Frankfurter Ring im Münchner Norden soll es künftig neben Gewerbe auch mehr Wohnungen geben.

Raum für Nachverdichtung: Am Frankfurter Ring im Münchner Norden soll es künftig neben Gewerbe auch mehr Wohnungen geben.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die grün-rote Koalition im Rathaus will an der viel befahrenen Straße im Münchner Norden Raum für Wohnen, Kultur und Sport schaffen. Die Opposition hält die Lärmbelastung für zu hoch - und hat noch eine andere Sorge.

Von Sebastian Krass

Mehr Wohnen, außerdem Raum für Kultur, etwa eine Konzerthalle oder Bandprobenräume, sowie neue Sport-Gelegenheiten: Die grün-rote Koalition im Rathaus will entlang des Gewerbebandes am Frankfurter Ring im Münchner Norden verstärkt auch andere Nutzungen ermöglichen. Es gebe an dieser großen und viel befahrenen Straße schon Wohnungen, sagte Simone Burger (SPD) am Mittwoch im Planungsausschuss des Stadtrats, aber man wolle prüfen lassen, "ob mit Nachverdichtung noch mehr Wohnraum geschaffen werden kann". Die Fraktionen von Grünen/Rosa Liste und SPD/Volt denken dabei an die relativ neue baurechtliche Kategorie des "Urbanen Gebiets", die es erlaubt, Wohnungen auch in Gegenden mit erhöhter Lärmbelastung zu bauen und die zudem eine höhere Baudichte ermöglicht.

Mit einem Änderungsantrag zum Beschlussentwurf von Stadtbaurätin Elisabeth Merk verpflichteten sie das Planungsreferat zu untersuchen, wo Mischgebiete oder Allgemeine Wohngebiete im Flächennutzungsplan zu Urbanen Gebieten umgewidmet werden könnten. Zudem erweiterte die Koalition die Planungsziele um eine Prüfung, ob im Gewerbeband "sinnvoll" Raum für Kultur und Sport "ermöglicht werden kann". Die Opposition im Stadtrat lehnt die Pläne größtenteils ab, lediglich Dirk Höpner von der München-Liste stimmte beiden Vorhaben zu.

Anlass war, dass das Planungsreferat eine Rahmenplanung für das fünf Kilometer lange Gewerbeband erstellen will, das sich nördlich des Straßenzugs Frankfurter Ring/Moosacher Straße (bis zum Nordring der Bahn) von der Ungererstraße im Osten bis zur Straße Am Oberwiesenfeld im Westen zieht, durch die Bezirke Schwabing-Freimann und Milbertshofen-Am Hart. So wolle man "Veränderungswünsche in geordnete Bahnen lenken", schreibt das Referat. Gemeint sind damit unter anderem Hochhaus-Überlegungen. Denn das Areal ist in der neuen Hochhaus-Studie als eine Zone genannt, in der "Stadtzeichen" von mehr als 80 Metern Höhe denkbar seien - womit das Gewerbeband mehr zu einem Bürostandort werden könnte.

Der Rahmenplan soll "eine geordnete Entwicklung und Aufwertung für das derzeit wenig Aufenthaltsqualität bietende Areal ermöglichen", schreibt die Stadt. Im östlichen Teil des Planungsgebiets, zwischen Ungererstraße und Tramwendeschleife am Domagkpark, geht die Stadt weiter als mit dem Rahmenplan und leitet ein Bebauungsplanverfahren ein, um konkrete Vorgaben für künftige Vorhaben zu machen.

Simone Burger, stellvertretende planungspolitische Sprecherin von SPD/Volt, betonte in der Diskussion: "Es ist uns wichtig, dass das Gewerbeband ein Standort für Kleingewerbe, Handwerk und produzierende Gewerbe bleibt." Keinesfalls dürfe ein neuer stadtplanerischer Ansatz zu einer "Gewerbe-Gentrifizierung" führen, "wir wollen kein fancy Gewerbegebiet mit vielen Büroflächen, wo einfaches Gewerbe keine Chance mehr hat". Paul Bickelbacher (Grüne) sagte, man dürfe auch nicht den ganzen Straßenzug "über einen Kamm scheren", sondern müsse die unterschiedlichen Bereiche jeweils für sich betrachten.

An dem Punkt hakte Alexander Reissl (CSU) mit seiner Kritik ein: Die grün-rote Koalition mache dem Planungsreferat "zu detaillierte Vorgaben". Wo sich Urbane Gebiete anbieten, das müsse man an konkreten Flächen diskutieren, nicht im allgemeinen Rahmenplan. Für den östlichen Bereich, für den ein Bebauungsplan aufgestellt wird, schloss Reissl Wohnen aus. Dort sei die Lärmbelastung so hoch, dass man sich die Prüfung sparen könne. Brigitte Wolf (Die Linke) sah den Vorstoß von Grün-Rot für mehr Wohnen, Kultur und Sport ebenfalls kritisch: "Die Eier legende Wollmilchsau in das Gebiet zu setzen, ist schwierig. Wenn das so kommt, wird das einfache Gewerbe keinen Platz mehr haben." Das ergäbe sich auch in einem Urbanen Gebiet aus den Lärmgrenzen.

Jörg Hoffmann (FDP) sah das ähnlich und sprach von einer "Überfrachtung mit Kultur in dem Eck und Wohnen in dem Eck. Wir haben da ein hartes Gewerbegebiet, und das sollte es bleiben". Simone Burger von der SPD hielt dem entgegen: "Man kann sagen, wir würden überfrachten. Man kann aber auch sagen, wie haben viele Ideen und Wünsche und versuchen, das Maximale aus den Flächen rauszuholen." Dirk Höpner (München-Liste) bekam eine einstimmige Mehrheit für seinen Ergänzungsvorschlag zum Antrag, dass zum Schutz des Klimas "bei baulichen Veränderungen der Erhalt von möglichst viel Bausubstanz anzustreben sei", um die sogenannte "graue Energie" zu erhalten.

Nun wird sich das Planungsreferat mit zusätzlichen Aufträgen vom Stadtrat an die Arbeit machen. Stadtbaurätin Merk rechnet damit, dass im nächsten Jahr ein Entwurf für den Rahmenplan vorliegt, in etwa zwei Jahren soll er fertig sein.

© SZ vom 15.04.2021/van/vewo
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